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Kaum ältere Patienten im StudienarmZweifel am guten Zwischenergebnis von Astra-Zenecas Impfstoffstudie

Der Impfstoff könnte weniger wirksam sein, als die Pharmafirma angibt, weil er zum Teil nur an jüngeren Personen getestet wurde. Für die Schweiz ist das bitter: Sie hat bei Astra-Zeneca die meisten Dosen reserviert.

Forschung am Corona-Impfstoff an der Universität Oxford: Bei der Abfüllung kam es zu einem vermeintlich glücklichen Messfehler.
Forschung am Corona-Impfstoff an der Universität Oxford: Bei der Abfüllung kam es zu einem vermeintlich glücklichen Messfehler.
Foto: Universität Oxford (Keystone)

Der Impfstoff des britischen Pharmakonzerns und der Universität Oxford verspricht einen Schutz vor einer Corona-Infektion von bis zu 90 Prozent, so teilten es die beiden Partner Anfang der Woche mit. Was sie dabei jedoch nicht an die grossen Glocke hängten, war die Tatsache, dass sich diese hohe Wirksamkeit nur bei Tests an Probanden im Alter zwischen 18 und 55 Jahren ergeben hatte. Nun wächst der Unmut über diese geschönten Informationen. Die Schweiz hat beim Impfprojekt von Astra-Zeneca und der Universität Oxford 5,3 Millionen Dosen reserviert – mehr als bei anderen Anbietern.

Der Chef des US-Impfstoffprogramms «Warp Speed», Moncef Slaoui kritisiert, es sei möglich, dass der hohe Schutz sich als zufällig herausstelle. «Es gibt eine Reihe von Variablen, die wir noch nachvollziehen müssen», zitiert ihn die «Financial Times». Die Aktie von Astra-Zeneca, die am Montag zunächst gestiegen war, ist seitdem um bis zu sechs Prozent eingebrochen.

Die Unstimmigkeiten könnten auch die rasche Zulassung des Impfstoffes gefährden. Es sei kaum vorstellbar, dass die USA eine Notfallfreigabe erlaubten, twitterte der frühere Pfizer-Präsident John LaMattina. Und ein Analyst der US-Investmentbank SVB Leerink kommentierte ebenso, dass die Zulassung durch Astra-Zenecas geschönte Informationspolitik fraglich sei.

Doch keine glückliche Panne

Astra-Zeneca hatte bei der Vorstellung seiner Zwischenergebnisse der Impfstofftests lediglich über eine vorteilhafte Panne bei den Studien informiert: Bei einer der Testgruppen war unbeabsichtigt bei der ersten Impfung nur die halbe Dosis gespritzt worden, im Abstand von einem Monat wurde sie dann mit einer vollen Dosis geimpft. Bei ihr stellte sich die 90-Prozent-Wirksamkeit heraus. Die andere Gruppe erhielt beide Male die volle Dosis, der Schutz fiel bei ihr mit 62 Prozent deutlich tiefer aus. Im Schnitt ergibt sich daraus eine Wirksamkeit von 70 Prozent. Das aber könnte geschönt sein.

Denn die Testgruppe mit der höheren Wirksamkeit umfasst lediglich 2300 Probanden. Insgesamt partizipieren 23’000 Freiwillige an der noch laufenden klinischen Studie. Eine dritte Gruppe von ihnen erhält jedoch gar keinen Impfstoff, sondern ein Placebo.

Die unterschiedlich hohe Wirksamkeit könnte jedoch allein daran liegen, dass bei der einen Gruppe keine älteren Personen dabei waren. Bei alten Menschen funktioniert die Immunabwehr generell schlechter. Deswegen wäre gerade für sie eine wirksame Impfung wichtig.

Die Universität Oxford teilte am späten Mittwochabend mit, dass der Dosierungsfehler bei den klinischen Versuchen durch ein Versehen beim Herstellungs- und Abfüllungsprozess des Impfstoffs im Sommer passiert sei. Dies sei damals den Regulierungsbehörden mitgeteilt und mit ihnen diskutiert worden.

53 Kommentare
    Peter Colberg

    Ein ziemlich teurer Spass, sich auf Regierungsebene mit sowas zu irren. Hoffentlich darf man als Empfänger des Impstoffs wenigstens wissen, um welches Produkt es sich handelt: lieber 90% als 60-70% Sicherheit, oder?