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Sinkende Chancen auf Begnadigung

In Zürich dürfen viele Fans mit Stadionverbot vorzeitig wieder Spiele besuchen. Das neue Konkordat ändert dies.

Etwa 120 Fans des FC Zürich und fast 70 der Grasshoppers haben nach Angaben der beiden Clubs derzeit Hausverbot im Stadion. Nicht nur in Zürich, sondern landesweit – so wollen es die Regeln des Schweizer Fussballverbands. Bis zu drei Jahre sind sämtliche Spielstätten für sie tabu, weil sie zum Beispiel bei Gewalt­taten beobachtet worden sind oder dabei, wie sie Pyros gezündet haben.

Sie alle dürfen jedoch hoffen, zumindest die Heimspiele im Letzigrund schon vor Ablauf der Strafe wieder besuchen zu können. Beide Zürcher Clubs kennen nämlich eine Art Begnadigungsprogramm, bei GC etwa heisst dieses «Zweite Chance». Nach Ablauf der Hälfte des Stadionverbots kann sich ein Fan ­dafür bewerben. Laut den Verantwort­lichen tut dies fast die Hälfte, meist mit der Begründung, dass ihnen das Unterstützen des Vereins fehle. «Die meisten sind einsichtig», sagt Mattias Cadonau, Fanarbeiter bei GC. «Sie wissen, dass sie gegen das Gesetz verstossen haben und dies eine Strafe nach sich ziehen muss.»

Nach einem Gespräch und einer Beurteilung durch die Polizei hat etwa jeder Dritte der Bewerber Erfolg. Die begnadigten Fans müssen sich danach aber vor jedem Spiel beim Sicherheitschef melden und stehen unter Beobachtung. «Im Letzigrund haben wir gute Erfahrungen gemacht», sagt Cadonau. Eine Chance auf die «Zweite Chance» haben laut Martin Guglielmetti, Sicherheitschef beim FCZ, zum Beispiel Fans, die eine Pyrofackel gezündet haben, ohne andere dabei zu gefährden. Hoffnungslos ist der Fall dagegen bei Leuten, die gewalttätig geworden sind gegen Beamte oder gröbere Sachbeschädigungen begangen haben – und überhaupt bei all ­jenen, gegen die noch ein Rayonverbot der Polizei in Kraft ist.

Das ist auch der Grund, weshalb die vorzeitigen Begnadigungen in Zukunft seltener werden dürften. Viele Vergehen ziehen nämlich sowohl ein Rayon- als auch ein Stadionverbot nach sich. Früher war Ersteres in der Regel kürzer als Letzteres, sagen die Verantwortlichen. Weil seit der Verschärfung des Hooligan-Konkordats vor einem Jahr die Rayonverbote länger werden, ist reuigen Fans dieser Weg zunehmend verbaut. Martin Huber

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