Zum Hauptinhalt springen

Die verkannte Hotelkönigin

Sie galt als leichtes Mädchen, als Parvenü, als Spionin. Ein neues Buch zeichnet ein anderes Bild der Zürcher Hotelière Ljuba Manz.

Kam mit einem «Artistinnen»-Visum via Wien in die Schweiz: Ljuba Manz. Bild: Susanne Keller
Kam mit einem «Artistinnen»-Visum via Wien in die Schweiz: Ljuba Manz. Bild: Susanne Keller

«Ach, wissen Sie», sagt Alt-Bundesrat Hans-Rudolf Merz, «wie häufig stürzen Unternehmer, die von der Presse hochgeschrieben wurden, schon sehr bald sehr tief. Bei Ljuba Manz war das umgekehrt.» Ja: Die Presse und die Zürcher Gesellschaft, beide lange dominiert von Männern, hatten kaum je ein gutes Wort übrig für die Österreicherin mit russischen Wurzeln, die in die Zürcher Hotelierdynastie Manz eingeheiratet hatte. Davon unbeeindruckt, schmiedete Manz in vier Jahrzehnten aus einem schlecht rentierenden Konglomerat von Gasthöfen eine prosperierende Gruppe feiner Hotels.

Diesem Lebenslauf ist ein neues Buch der Journalisten Birgitta Willmann und René Lüchinger gewidmet. Der Appenzeller Freisinnige Merz, unterdessen 76, ein erklärter Bewunderer, hat das Vorwort geschrieben. Sicher, das Buch ist, was man eine autorisierte Biografie nennt: Ljuba Manz, Perfektionistin auch im Sprachlichen, hat vor dem Druck jedes Wort gelesen, ein paar davon auch korrigiert.

Unter erbärmlichen Bedingungen in der kriegsversehrten Sowjetunion aufgewachsen, kam Manz in den 60er-Jahren via Wien in die Schweiz. Die Einreise wurde bewilligt dank einem Visum für «Artistinnen» – einem höflichen Ausdruck für Tänzerinnen in frivol-anrüchigen, nach heutigen Massstäben allerdings eher harmlosen Nachtlokalen.

Das alles kam in der satten Herrenrunde der Geschäftsleitung nicht nur gut an.

Der Job bot freie Zeit tagsüber, die junge Frau war lernbegierig. Sie absolvierte die Handelsschule und entdeckte ihre unternehmerische Seite: Für Coop führte sie einen defizitären Laden mit Krustentieren. Sie erweiterte das Sortiment um frischen Fisch, steigerte den Umsatz, erwirtschaftete Gewinne. Ihren Chefs versprach sie noch mehr davon: dank neuer Kundschaft in der Gastronomie. So traf sie 1973 auf den frisch verwitweten Caspar Manz, den jüngsten Spross der Hotelierdynastie, die seit dem19. Jahrhundert das St. Gotthard an der Bahnhofstrasse führte.

Die beiden verliebten sich, heirateten. Und bald stieg die Ehefrau ins Hotelgeschäft ein. Sie war jung, lebenslustig, geschäftstüchtig, zahlensicher. Sie fokussierte nicht allein auf den Umsatz, sondern auch auf den Cashflow und den Gewinn. Das alles kam in der satten Herrenrunde der Geschäftsleitung nicht nur gut an.

Wie weiter mit den Manz-Hotels?

Einer der schliesslich vergraulten Direktoren verpfiff Ljuba Manz bei der Bundespolizei. In der Fiche figurierte sie als mögliche russische Spionin. Und dann die Presse. Auch hier stand eine Frau, Ausländerin, Eingeheiratete, eine, die man für ein leichtes Mädchen hielt, schon mal unter Generalverdacht. Dass Ljuba Manz die international verzettelte Gastronomiegruppe auf die besser rentierenden Hotels in grossen Schweizer Städten gesundschrumpfte, wurde in der Finanzpresse als Misserfolg gebrandmarkt.

Das ist nun lange her. Die Manz Privacy Group mit edlen Häusern in Zürich, Basel und Genf, ist etabliert. Caspar Manz starb 2010. Und Ljuba, unterdessen wieder verheiratet, steht mit 78 Jahren vor der grössten, wichtigsten, schicksalhaftesten unternehmerischen Entscheidung ihres Lebens: Wie es mit den Manz-Hotels einmal weitergehen soll, wenn sie denn einmal nicht mehr darin wirbeln kann.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch