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Der Run auf die Rande

Das Zürcher Erntedankfest hat noch Verbesserungspotenzial.

Und sie waren doch begehrt, die Gemüsebeete der Stadt Zürich (hier am Bahnhof). Foto: Dominique Meienberg
Und sie waren doch begehrt, die Gemüsebeete der Stadt Zürich (hier am Bahnhof). Foto: Dominique Meienberg

Lassen Sie sich von anderslautenden Artikeln in dieser Zeitung nicht täuschen: Der Ansturm auf Randen, Krautstiel und Federkohl in den Stadtzürcher Rabatten war vergangene Woche gross. Sehr gross sogar. Es waren aber keine unkoordinierten Horden von Rohköstlern und hippen Teilzeitvegetariern, die sich auf das (endlich!) von der Stadt freigegebene Gemüse stürzten. Nein, es muss sich um die wohlorchestrierte Aktion einer Gärtnerarmada im Auftrag der Stadt gehandelt haben. Wie sonst könnte es sein, dass die Beete bis am Mittag allesamt umgegraben waren und das ganze essbare Grün in weiss gestrichenen Entsorgungsmobilen den Weg in die Vergärungsanlage nahm?

«Tote Hose» habe geherrscht am Morgen, der Run der Zürcher auf ihr Gemüse sei ausgeblieben, sagte ein Sprecher der Stadt enttäuscht. «Wen wunderts?», sagt der Familienvater. Nur dank zivilem Ungehorsam war er in den Besitz dreier Knollen gekommen: Er hatte sie bereits am Vorabend der Freigabe geerntet. Passanten taten es ihm sofort gleich. Das war ein Run! Ein kleiner zwar, weil illegaler. Schliesslich war Feierabend, man war auf dem Heimweg und dachte ans Abendessen. Am Morgen früh um acht aber, liebe Stadtgärtner, da weiss man nichts anzufangen mit Krautstielen und Federkohl! Als Strauss ins Büro stellen? Oder mit den Randen Boccia spielen über Mittag?

Die Angst, vom schwermetallbelasteten Gemüse am Strassenrand krank zu werden, kann auf jeden Fall nicht schuld gewesen sein: Jedem vernünftigen Menschen muss auffallen, dass das Grün von den Feldern links und rechts der Schweizer Autobahnen ebenso kontaminiert sein dürfte.

Vielleicht hilft beim nächsten Mal auch ein bisschen Animation, liebe Stadtgärtner: Der Zürcher ist es schliesslich gewohnt, per aufwendig gestalteter Broschüre über seine Möglichkeiten informiert zu werden. Was tun mit knackfrischem Krautstiel, schönem Schwarzkohl und roher Rande? Den Anfang machen wir hier schon einmal mit Letzterer, einem verkannten kulinarischen Genie: Randen kochen (noch schmackhafter werden sie sanft im Ofen gegart; die Randen dazu ungeschält einzeln auf ein Stück Alufolie setzen, salzen, einwickeln und für mindestens eine Stunde bei 200 Grad im Rohr lassen), dann schälen, in hauchdünne Scheiben schneiden. Auf einem Teller fächerartig anordnen, etwas zerbröselten Feta oder einen Klatsch Frischkäse in die Mitte geben. Mit Pinienkernen und frischem Thymian garnieren, und mit einem Dressing aus Weisswein­essig, Balsamico, Olivenöl, Salz und Pfeffer beträufeln.

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