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Schlechte Nachrichten für die Zürcher Herzchirurgie

Uniklinik-Herzchirurg Volkmar Falk verhandelt mit der Berliner Charité. Der Streit um die Zürcher Herzmedizin spitzt sich jetzt nochmals zu.

Führt Verhandlungen mit dem Berliner Charité: Volkmar Falk, Direktor der Zürcher Uni-Herzklinik.
Führt Verhandlungen mit dem Berliner Charité: Volkmar Falk, Direktor der Zürcher Uni-Herzklinik.
Walter Bieri, Keystone

Der Weggang von Volkmar Falk wird immer wahrscheinlicher. Seit September ist bekannt, dass der Direktor der Zürcher Uni-Herzklinik Favorit ist für den wohl prestigeträchtigsten Posten eines Herzchirurgen im deutschsprachigen Raum: ärztlicher Direktor am Deutschen Herzzentrum, verbunden mit dem Lehrstuhl für Kardiochirurgie an der Berliner Charité. Inzwischen hat Falk gemäss gut unterrrichteten Quellen den definitiven Ruf nach Berlin erhalten und führt jetzt Vertragsverhandlungen.

Falk selber wollte zur neusten Entwicklung keine Stellung nehmen. Im September hatte er in einem TA-Interview angedeutet, was ihn noch in Zürich halten könnte: eine Konzentration der herzchirurgischen Angebote auf dem Platz Zürich in einem grossen neuen Herzzentrum. Ein erster Schritt dazu wäre die Integration der Triemli-Herzchirurgie in die Uni-Klinik. Die Chancen, dass diese innert nützlicher Frist erfolgt, sind aber mittlerweile gleich null.

Bis Ende Oktober hätte der bestehende Zusammenarbeitsvertrag zwischen Unispital und Triemli verlängert werden sollen, was nicht passierte. Er läuft daher Ende Jahr aus. Die Stadtzürcher Gesundheitsvorsteherin Claudia Nielsen (SP) glaubt nicht mehr an einen Befreiungsschlag. Laut Abmachung hätte das Unispital dem Stadtspital im Gegenzug für die Herzchirurgie ein gleichwertiges Fachgebiet abtreten müssen. Die Angebote, die das Unispital machte, waren laut Nielsen jedoch alle ungenügend. Die Herzchirurgie des Triemli ist für das Stadtspital nicht nur wegen des Renommés wichtig, sondern auch in ökonomischer Hinsicht, trägt sie doch massgeblich zum Umsatz und Erlös bei.

Neue Spitalliste ab 2015

Über die Gründe für das Scheitern einer einvernehmlichen Lösung sagte Nielsen in einem Interview auf Radio SRF: «Es gelang nicht, aufeinander zuzugehen und die bestehende Hackordnung zu durchbrechen.» Das Angebot der Stadt, ein neues Herzzentrum mit einer gemeinsamen Trägerschaft auf dem Areal des Triemli zu bauen, war vom Unispital abgelehnt worden.

Nachdem der freiwillige Zusammenschluss gescheitert ist, deutet alles darauf hin, dass Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP) dem Triemli den Leistungsauftrag für die Herzchirurgie nun einfach entziehen wird. Das hiesse, dass das Triemli keine Herzchirurgie mehr machen dürfte auf Kosten der Grundversicherung.

Vom TA mit dieser Frage konfrontiert, antwortete Heiniger ausweichend, verneinte aber nicht. Klar ist, dass die Gesundheitsdirektion eine Reihe von Leistungsaufträgen verschiedener Spitäler überprüft, um sie allenfalls 2015 anzupassen. Einen Entwurf der neuen Spitalliste wird Heiniger den Spitälern im ersten Halbjahr 2014 zur Stellungnahme vorlegen. Nielsen hat bereits erklärt, dass die Stadt einen allfälligen Entzug des Leistungsauftrags juristisch anfechten würde.

Carrel operiert neu in Aarau

Derweil man sich in Zürch streitet, dehnt die Berner Konkurrenz ihr Einflussgebiet aus. Das Inselspital und die Hirslanden Klinik Aarau haben eine Kooperation vereinbart, wie sie kürzlich mitteilten. Ab nächstem Mai wird der Berner Herzchirurg Thierry Carrel zusammen mit seinem Leitenden Arzt Lars Englberger die Herzchirurgie in der Privatklinik betreuen. Die beiden werden dort auf eigene Rechnung operieren, gleichzeitig aber im Inselspital angestellt bleiben.

Wie gross ihr Pensum in Aarau genau sein wird, liessen sie offen. Das Inselspital verspricht sich von der Kooperation eine Stärkung der Forschung, aber auch Zuweisungen. Komplexe Fälle sollen von Aarau nach Bern weitergeleitet werden. Hirslanden auf der anderen Seite profitiert vom Know how und Renommée der Berner Herzchirurgen. Aargauer Herzpatienten, die bisher oft nach Basel und teilweise auch nach Zürich zur Behandlung gingen, werden sich künftig wohl vermehrt in Aarau operieren lassen.

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