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Lebenslange Haft für den Beilmörder

Der Mann, der seine Ex-Frau mit einer Axt brutal tötete, ist für den Mord zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden.

Die Tötung seiner Ex-Frau sei «besonders skrupellos» gewesen, schrieb die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift. Nun wurde der 57-jährige Serbe, der seine Ex-Frau am 6. Dezember 2010 mit elf Beilhieben auf der Zürcher Badenerstrasse erschlagen hatte, zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden – wegen Mord und Betrug. Die Freiheitsstrafe beträgt mindestens 15 Jahre. Da er bereits eineinhalb Jahre in Untersuchungshaft sass, darf er frühestens in 13,5 Jahren einen Antrag auf Haftentlassung stellen.

Seine 52-jährige gehbehinderte Ex-Frau war zur Tatzeit mit einer Krücke und einem Schirm unterwegs zu ihrem Arbeitsplatz. Minuten nach der Attacke erlag sie ihren Verletzungen. Offenbar hatte der Serbe seine Ex-Frau dafür verantwortlich gemacht, dass er die gemeinsame Tochter nicht mehr sehen durfte.

Sozialhilfebetrug als Nebenverhandlung

Als der Serbe heute vor Gericht einvernommen wurde, zeigte er sich zwar wortkarg, gab aber an, die Tat zutiefst zu bereuen. Er habe sie nicht geplant, und Rache habe keine Rolle gespielt. Er habe an jenem Dezembermorgen seine Tochter gesehen und danach einen Filmriss gehabt.

Die Staatsanwaltschaft forderte eine lebenslange Haftstrafe. Bei der Tat handle es sich um einen klassischen Mord, meinte Staatsanwalt Ulrich Weder heute vor Gericht. Zudem war der Mann angeklagt, die Sozialhilfe um mehr als 18'000 Franken betrogen zu haben. Die Verteidigung hingegen hielt die Tat für Totschlag und beantragte eine Strafe von fünf Jahren. Dies liess das Gericht mit seinem Urteil nicht gelten.

Widerspruch zu früheren Aussagen

Die heutigen Angaben des Serben während der Einvernahme standen im Widerspruch zu früheren Aussagen des 57-Jährigen kurz nach der Tat. Dort bezeichnete er seine Ex-Frau als «Terroristin». In seinen Augen hatte sie die gemeinsame Tochter terrorisiert, damit sie keinen Kontakt mehr zu ihm suche. Zur Tat meinte er damals: «Jetzt ist unentschieden. Wenn ich meine Tochter nicht mehr sehen darf, soll sie auch meine Frau nicht mehr sehen.»

Der Tötung seiner Ex-Frau ging ein langjähriges Familiendrama voraus: 1973 kam der Serbe in die Schweiz. Zehn Jahre später heiratete er in Serbien sein späteres Opfer. Insgesamt hatte das Paar vier gemeinsame Kinder, eine heute 16-jährige Tochter und drei ältere Söhne. Im Jahr 2003 zog die Ehefrau mit drei der vier Kinder in die Wohnung des Mannes in Wiedikon. Dort kam es im November desselben Jahres zu einem Streit, in dessen Verlauf der Serbe seine Ehefrau vor den Augen der Tochter bedrohte, schlug und würgte. Die Frau sah keinen anderen Ausweg aus der Situation, als aus einem Fenster der Wohnung im ersten Stock zu springen.

Tochter will Vater nicht mehr sehen

Der Mann sass daraufhin bis Mai 2004 in Untersuchungshaft und wurde zu einer Gefängnisstrafe von 18 Monaten verurteilt. Diese wurde nur bedingt ausgesprochen, mit einer zweijährigen Probezeit. Die Frau trennte sich von ihm und zog mit ihrer Tochter in eine Wohnung in Affoltern. Ende 2007 schliesslich wurde die Ehe in Serbien geschieden. Die Tochter wurde in die Obhut der Mutter gestellt, der Vater erhielt ein Besuchsrecht.

Die Tochter aber wollte ihren Vater nicht mehr sehen. Auch Motivationsversuche einer sozialpädagogischen Familienbegleiterin, welche Anfang 2007 in drei begleiteten Treffen mit dem Vater mündeten, konnten die Tochter nicht umstimmen. Schliesslich entschied ein Zürcher Gericht auf Antrag der Mutter im Jahr 2009, dass ihr das alleinige Sorgerecht zugesprochen werde. Von einem Besuchsrecht des Vaters wurde abgesehen.

Beil zu Hause geholt

Laut Anklageschrift machte der Serbe allein seine Ex-Frau dafür verantwortlich, dass er keinen Kontakt zu seiner Tochter haben durfte. Um sie dennoch zu sehen, fuhr er mehrere Male in die Wohngegend der beiden Frauen, was diese ängstigte.

Am 6. Dezember 2010 schliesslich fuhr er mit einem geliehenen Smart erst zu seiner Wohnung in Wiedikon, wo er ein Beil aus dem Keller holte. Danach fuhr er an die Badenerstrasse, wo er auf seine Ex-Frau wartete. Kurz nachdem die gehbehinderte Frau bei der Haltestelle Letzigraben aus einem Tram gestiegen war, um zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen, entdeckte er sie. Der Serbe rannte von vorne auf seine Ex-Frau zu und schlug ihr elfmal mit dem Beil auf den Kopf und in den Nacken. Eine Stunde später stellte er sich der Kantonspolizei.

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