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Die Kutscher, die Wagner brüskierten und Churchill erfreuten

Vor 175 Jahren begann der poltrige Jakob Furrer als Postillon und Lohnkutscher in Zürich. Heute ist die Firma Welti-Furrer an der Pfingstweidstrasse ein führendes Umzugs- und Transportunternehmen.

Jakob Furrer gründete die Firma 1838 als 20-jähriger Postillon. Er war eine derbe Natur, voller Tatendrang, aber nicht immer mit feinen Manieren.
Jakob Furrer gründete die Firma 1838 als 20-jähriger Postillon. Er war eine derbe Natur, voller Tatendrang, aber nicht immer mit feinen Manieren.
PD
Jakob Furrer konnte ein galanter Kutscher sein, widersetzte sich aber konsequent dem Peitschenknallverbot in der Stadt und zahlte die Bussen nie. Er nutzte die paar Tage im Knast jeweils zum Ausschlafen.
Jakob Furrer konnte ein galanter Kutscher sein, widersetzte sich aber konsequent dem Peitschenknallverbot in der Stadt und zahlte die Bussen nie. Er nutzte die paar Tage im Knast jeweils zum Ausschlafen.
PD
Montage einer Windturbine im August 2011 beim Griessee am Nufenenpass (VS).
Montage einer Windturbine im August 2011 beim Griessee am Nufenenpass (VS).
PD
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Jakob Furrer war eine derbe Natur mit gutem Herz. Als 18-Jähriger wurde er 1836 Postillon des Standes Zürich und lenkte seine Eilgespanne von der Münsterpost nach Baden und Winterthur. Schon zwei Jahre später trieb ihn sein Ehrgeiz zur Gründung einer selbstständigen Fuhrhalterei. Dieser Wagemut wird heute zelebriert – mit der 175-Jahr-Feier der Firma Welti-Furrer.

Mit seiner robusten Art strebte Furrer rasch kühne Ziele an: eine Schnellverbindung nach Hamburg, Bremen und Genua. Gegen die Eisenbahn konnte er aber nicht lange mithalten. Er verlegte sich mit einem Droschkenbetrieb auf die städtische Feinverteilung und bezog 1843 die Liegenschaft Bärengasse 29 am Schanzengraben. Furrers Droschken wurden regelmässig berücksichtigt, wenn sich Richard Wagner während seiner Exilzeit in Zürich (1849–1858) zu bewegen beliebte.

Doch Wagner bezahlte seine Gebühren zumindest während des letzten Jahres nie. Als seine Frau Minna wieder einmal mit grossem Gepäck an den Bahnhof fahren wollte, kutschierte der Fuhrhalter sie samt Papageienkäfig in den Hinterhof an der Bärengasse und drängte inmitten striegelnder Pferdeknechte auf die Bezahlung der Schulden. Furrer bekam sein Geld, und Wagner sandte ihm einen ganzseitigen Drohbrief.

Den Brief ignorierte Furrer ebenso wie die häufigen Strafzettel wegen Verstosses gegen das Peitschenknallverbot. Die mit dem Eintreiben der Bussen beauftragten Ordnungshüter stiess der vierschrötige Fuhrhalter eine steile Treppe in den Hof hinunter, worauf er jeweils ein paar Tage im Knast abhocken musste. Er habe eben «ökonomisch gesunden Grundsätzen gehuldigt», schrieb Jakob Albert Welti aus Zurzach, der 1861 Furrers Tochter Anna Barbara heiratete. Diese Heirat war ein wichtiger Akt für die Entwicklung der Firma. Denn Welti war ein kaufmännisch gebildeter Tuchhändler mit geschäftlichem Weitblick.

Erster Möbeltransport 1870

Die Firma entwickelte sich prächtig, 1870 bot Welti-Furrer (WF) erste Möbeltransporte in staubdichten gepolsterten Wagen an, 1907 wurde die erste Motordroschke eingesetzt, 1910 bot das Reisebüro Welti-Furrer Dampfschifffahrten über den Atlantik an, 1918 übernahm WF die Camionnage der SBB. Weitere Meilensteine: 1922 erster Schwertransport für die Wägitaler Kraftwerke; 1933 erste Autovermietung in der Schweiz; 1949 Einführung des Taxifunks als erstes Unternehmen Europas.

Welti-Furrer überstand die beiden Weltkriege, indem die Firma auf Schwertransporte für Armee und Industrie setzte – und für kleinere Transporte wieder den guten alten «Hafermotor» einsetze. Im Zweiten Weltkrieg hatte WF 40 Pferde im Einsatz. Das Ende des Krieges bescherte der Firma ein weiteres Highlight. Englands Kriegspremier Winston Churchill liess nach seinem historischen Abstecher nach Zürich 1946 all seine Geschenke durch Welti-Furrer nach London schicken und bedankte sich mit einem Brief «für das gute Verpacken der Geschenke».

Erst 50 Jahre später zündete die Idee – und WF gründete 1996 die Firma Fine Art AG für den Transport von Kunstgegenständen.1971 ging die letzte Linie zur Gründergeneration zu Ende. 1977 wuchteten WF-Lastenzüge 232 Tonnen schwere Kraftwerkteile von BBC aus Baden über die persisch-afghanischen Gebirgspässe nach Kabul, und 1981 wurde das Verteilzentrum an der Pfingstweidstrasse eröffnet.

1993 erreichte die Firmengeschichte den Tiefpunkt: Der Besitzer – Computerhändler René Meier – machte mit seiner COS Konkurs; er hatte WF 1989 für 68 Millionen gekauft und dafür seine Namenaktien belehnt. Der Name Welti-Furrer verlor seinen Glanz, die Firma musste Nachlassstundung einreichen. 1993 war der Start zum neuen Höhenflug. Die Windischer Familienunternehmung Knecht übernahm den Sach- und den Personentransport samt 114 Mitarbeitenden und 24 Millionen Umsatz. Heute – unter dem Dach der Knecht Holding mit dem langjährigen McKinsey-Chef Thomas Knecht an der Spitze – hat Welti-Furrer 400 Mitarbeitende, die gegen 100 Millionen Franken Umsatz erzielen.

Der Fuhrpark umfasst 250 Fahrzeuge, darunter 40 Pneukräne, 41 Lastwagen, 17 Schwertransportanhänger und über 60 Busse. Welti-Furrer ist heute landesweit führend in den Bereichen Geschäfts- und Privatumzüge, Pneukran und Spezialtransporte. Zudem gehört WF zu den führenden Firmen im Bereich Transport und Lagerung von Kunstgegenständen und ist mit Eurobus Welti-Furrer das bedeutendste private ÖV-Unternehmen im Kanton Zürich.

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