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Von Missbrauch freigesprochen

Ein im Unterland wohnhafterArzt soll sich wiederholt an seiner Tochter sexuell vergangen haben. Dem Obergericht fehlte es dafür aber an Beweisen.

Von Attila Szenogrady Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft waren massiv. Sie beschuldigte den heute 56-jährigen Mediziner, seine damals zweijährige Tochter mehrmals sexuell missbraucht zu haben. Die Taten sollen im Jahr 2006 geschehen sein: erst im April 2006 in Kanada, wo der Beschuldigte angeblich in einer durchsichtigen Duschkabine absichtlich vor seinem Kind onaniert hat. Zwei Monate später soll er an einem Strand bei Vancouver mit seinem entblössten Glied auf die Füsse des Kindes uriniert haben. Der dritte Vorwurf geht auf den Herbst 2006 zurück. Damals hat der Arzt laut Anklage in der Bassersdorfer Wohnung seiner Freundin den Genitalbereich seiner Tochter gefilmt. Am 30. Juli 2009 reichte die Ex-Partnerin des englisch-schweizerischen Doppelbürgers und Mutter der gemeinsamen Tochter Strafanzeige bei der Kantonspolizei Zürich ein. Daraufhin wurde der Arzt im September 2009 für drei Tage in Untersuchungshaft genommen. Der Arzt beteuerte aber seinerseits von Anfang an seine Unschuld und vermutete, Opfer eines Racheaktes seiner früheren Freundin zu sein, weil sich die Eltern über das Besuchsrecht nicht einig waren. Teilschuldspruch in Bülach Die Untersuchungen mündeten im Februar 2010 in eine Anklageschrift, die auf den belastenden Aussagen der Mutter basierte. Darin sagte auch das inzwischen über fünfjährige Kind zu den Vorwürfen aus: Es konnte sich aber an nichts mehr erinnern. Im Juni 2010 musste sich der Mediziner vor dem Bezirksgericht Bülach verantworten. Der Strafantrag der Anklage lautete auf eine bedingte Freiheitsstrafe von neun Monaten. So weit kam es nicht. Dennoch wurde er bezüglich des ersten Vorwurfes für schuldig befunden. Die Bülacher Richter glaubten der Mutter, die gesehen haben wollte, wie sich ihr damaliger Partner vor ihrem Kind befriedigt habe. Die übrigen Anklagepunkte sah das Gericht als nicht erwiesen an. Der Arzt wurde wegen sexueller Handlungen mit Kindern zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 150 Franken verurteilt. Zudem sollte er für einen noch zu bestimmenden Schadenersatz aufkommen. Freispruch am Obergericht Am Montag trafen sich die Parteien vor dem Obergericht. Dieses sprach den Arzt von jeglicher Schuld frei. Der Vater soll gemäss Urteil eine Prozessentschädigung von über 30 000 Franken und ein Schmerzensgeld von 3000 Franken erhalten. Der vorsitzende Richter Franz Bollinger erklärte, dass man im Streit um das Besuchsrecht ein Kind nicht instrumentalisieren solle, wie es hier geschehen sei. Schleierhaft sei auch, wie der Anwalt der Geschädigten darauf komme, dass die völlig normale Tochter eine schwere Persönlichkeitsstörung aufweise. Zudem gebe es keine Anhaltspunkte, dass der Angeklagte über pädophile Neigungen verfüge. Die Vorwürfe seien nicht bewiesen, befand das Obergericht.

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