Zum Hauptinhalt springen

Und plötzlich ärgern 13 Hundertstel

Sabrina Altermatt vom LC Zürich gewann an den Schweizer Meisterschaften in Lugano in 57,93 Sekunden über 400 m Hürden – nach drei SM-Titeln im Hürdensprint vor sieben, sechs und fünf Jahren.

Von Jörg Greb, Lugano Es war ein Zurückkommen, mit dem nur die wenigsten gerechnet hatten. Vielleicht sogar niemand – ausser sie selber. «Natürlich war der Titel für mich ein Thema», sagt Sabrina Altermatt, «aber primär strebte ich eine tolle Zeit an.» Und diese gabs für die 25-Jährige neben dem Gewinn der Goldmedaille. Über 400 m Hürden lief sie nach 57,93 Sekunden unbedrängt als Siegerin über die Ziellinie. Nichts wars somit mit dem knappen Rennverlauf, der sich angekündigt hatte: Mit 58,85 Sekunden (Altermatt), 59,08 (Lara Kronauer) und 59,81 (Angela Klingler) lagen die drei Kronfavoritinnen vor dem Final dicht beieinander. Nach dem Rennen gabs eine klare Hierarchie, mit einem kompletten Zürcher Podest: Silbermedaillengewinnerin Petra Fonanive (TV Unterstrass) lag 1,62 Sekunden, die drittplatzierte für Angela Klingler (LG Küsnacht-Erlenbach) 1,84 Sekunden zurück. Diese Tatsache hätte für Sabrina Altermatt einen Grund zur Freude darstellen können, tat es aber höchstens bedingt. Die Limite für die Europameisterschaften von nächster Woche in Barcelona war bei 57,80 Sekunden festgelegt. «Diese 13 Hundertstel fuchsen mich», sagt Altermatt. Sie fragte sich, was zum Beispiel gewesen wäre, wenn eine ebenbürtige Konkurrentin sie auf der Zielgeraden gefordert hätte. WM-Silber vor sieben Jahren Altermatt ist eine Athletin, die früh mit hohen Ansprüchen an sich zu leben lernte. Als Juniorin katapultierte sie sich rasch in Sphären, welche den meisten verwehrt bleiben. Mit 19 gewann sie WM-Silber im Hürdensprint. Hinter sich liess sie damals, im Jahr 2004, auch Sally McLellan (Aus). Und diese wurde im vorletzten Sommer Olympia-Zweite in Peking. Der Wert von Altermatts Leistung blieb nicht unerkannt. Sie wurde in der Folge Schweizer Nachwuchssportlerin und fand Aufnahme ins World-Class-Potential-Förderprogramm. Eine lineare Entwicklung blieb indes Wunschdenken. Der Körper spielte nicht mit. Schmerzen bremsten, der Rücken, die Beinmuskulatur. Die notwendigen qualitativen und quantitativen Steigerungen liessen sich nicht realisieren. Stattdessen schrieb sich Altermatt bei Therapeuten ein, reduzierte ihren Einsatz für den Sport und legte Pausen ein. Auf Kurs kam sie nie mehr richtig. Resigniert hat sie nicht. Altermatt begann flache und längere Distanzen zu laufen. Letzte Saison versuchte sie sich in zwei Rennen über die 400 m Hürden. Die Freude am Technischen erwachte wieder, und sie konnte ihr Potenzial im Schnelligkeitsbereich nutzen. An den Schweizer Meisterschaften lief sie dennoch die Flachstrecke und belegte Rang 4. Rückblickend hält sie fest: «Die Langhürden stellten für mich neue Perspektiven und neue Motivation dar.» Sie machte Spielraum nach oben aus. Fortschritte in England Im Winter setzte die BWL-Studentin einen neuen Akzent: Sie flog im November nach England und schloss sich dort für ein halbes Jahr der hochkarätigen Gruppe um Trainer Nick Bakin an. «Ich trainiere mit den besten 400-m-Spezialistinnen und -Spezialisten Europas», erkannte sie rasch. Es handelte sich um eine beträchtliche Umstellung, denn Altermatt war es gewohnt gewesen, grösstenteils alleine zu üben. Sie sah ihre Chance, fühlte sich angestachelt und erzielte Fortschritte. Für Impulse aus jenem Umfeld ist nach wie vor gesorgt: Noch immer arbeitet sie nach den Plänen ihres britischen Trainers. Marc Hammel, ihr Heimtrainer, sorgt für die Feinkoordination. Altermatt hat sich jene Umgebung geschaffen, die ihr behagt. Seit drei Jahren lebt sie mit ihrem Freund in Zürich. Das Studium absolviert sie in Bern, wobei sie jetzt für die Masterarbeit nur noch selten vor Ort sein muss. Die Trainings stehen entweder in Zürich oder dann in Langenthal an. So strebt sie weitere Fortschritte an. «Meine SM-Zeit möchte ich nicht nur bestätigen, sondern weiter verbessern», sagt sie. Das scheint realistisch, verlief doch die Vorbereitung keineswegs ideal: «Ich hatte nur drei Hürdenrennen in den Beinen und in den letzten beiden Wochen vor der SM gar keines», gibt sie zu bedenken. Adduktorenprobleme waren der Grund und wohl auch eine Erklärung für die verpasste Limite. Sabrina Altermatt hat wieder Freude an den 400-m-Hürden – und deklassierte die Konkurrenz an der SM. Foto: Hans Spielmann

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch