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Tiefe Getreidepreise zwingen die Bauern zum Umdenken Regen zerstört Getreide im Unterland

Felix Burri aus Kloten sattelt vom Ackerbau auf Viehzucht um. Dafür baut er sich nun für zwei Millionen Franken einen neuen Bauernhof. Ein Grossteil der Bauern kann den eigenen Weizen nur noch zu Tierfutter verarbeiten.

Verlustgeschäft Natura Beef steht für Fleisch von zehn Monate alten Kälbern aus der Mutterkuhhaltung. Die Kälber bleiben im Stall und auf der Weide mit ihren Müttern zusammen. Freihaltung mit Sommerweide und Winterauslauf ist Voraussetzung. Die Kälber werden im Alter von zehn Monaten geschlachtet. Ein Betrieb von Natura Beef wird von Natura Control regelmässig kontrolliert. Beim Swiss Prim Beef werden die Tiere in tierfreundlichen Ställen gehalten und kommen in den Genuss von regelmässigem Auslauf im Freien. Die Tiere produzieren bei einer Fütterung auf Raufutterbasis (rohfaserreiches Futtermittel) ein erstklassiges Gourmetfleisch. (db) Von Doro Baumgartner Kloten – Der Getreidepreis ist in den letzten fünf Jahren über 20 Prozent gesunken. Diesen Wert hat der Zürcher Bauernverband errechnet. Die Entwicklung zwingt immer mehr Bauern, vom Ackerbaubetrieb auf Viehbetrieb umzustellen. So auch den Klotener Bauer Felix Burri. Der 30-Jährige hat bis anhin auf einer Gesamtfläche von rund 50 Hektaren Gerste, Weizen, Raps, Zuckerrüben und Körnermais bewirtschaftet. Und gemeinsam mit seinem Vater hat er an der Kirchgasse den Bauernhof mit 16?Mutterkühen betrieben. In Zukunft sorgt sich sein Vater um den Hof und das Getreide. Denn Felix Burri junior baut sich am Homberg eine neue Existenz auf: Auf einer 550 Aren grossen Parzelle entstehen in den nächsten Monaten ein Stall für 34 Mutterkühe und 100 Mastrinder, eine Remise für Maschinen und Geräte und ein Wohnhaus für seine vierköpfige Familie. Burri hofft, dass er den neuen Hof im Februar 2011 beziehen kann. Projekt ist ein Wagnis Die Baukosten belaufen sich auf rund 2,3 Millionen Franken. Burri wird vom Kanton mit einem zinslosen Darlehen unterstützt. Um den Kredit zu bekommen, musste er dem Kanton einen Businessplan unterbreiten. Wie hoch der Kredit ist, will Burri nicht sagen. Unterstützung für sein Projekt erhält der Jungbauer auch von seinem Vater. Der Verkauf des Getreides wirft für die vierköpfige Familie zu wenig ab. Mit der Viehzucht hofft Felix Burri nun auf ein rentableres Geschäft. «Ich weiss, dass das Projekt ein grosses Wagnis ist.» Doch er sei bereit, dieses einzugehen. Auf seiner neuen Parzelle am Homberg wird er eine Fläche mit Gras für seine Tiere anpflanzen. Das bedeutet, dass er das Futter für die Kühe und Rinder nicht zukaufen muss und deshalb eine «Menge Geld» sparen kann. Die Mutterkühe wird er als Natura Beef verkaufen. Der Erlös beläuft sich auf etwa 2000 Franken pro Mutterkuh, bei den Mastrindern auf rund 3000 Franken. Die Rinder wiederum wird der Bauer intensiv füttern, bis sie schlachtreif sind. Dann verkauft er sie als Swiss Prim Beef. «Ich bin mir sicher, dass die Leute es schätzen, wenn sie wissen, dass ich meine Tiere artgerecht halte und sie grossen Auslauf haben», sagt Burri. «Richtige Entscheidung» Laut Ferdi Hodel, Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbandes, ist Burri nicht der Einzige, der vom Ackerbaubetrieb auf Viehzucht umsattelt. «Vor allem jüngere Bauern wagen diesen Schritt», sagt der Geschäftsführer. Die ganze Landwirtschaftspolitik sei im Umbruch. Im Kanton Zürich gibt es rund 3500 Bauernbetriebe, und keiner dieser Landwirte wisse genau, was noch auf ihn zukomme. «Der Schritt, auf Viehzucht umzusteigen, ist die richtige Entscheidung», sagt Ferdi Hodel vom Bauernverband. Von Doro Baumgartner Niederhasli – Das Zürcher Unterland ist die Kornkammer des Kantons. Jährlich liefern rund 320 Bauern über 10 000 Tonnen Getreide, vorwiegend Weizen und Roggen, in das Getreidezentrum nach Niederhasli. Die starken Regenfälle der letzten Wochen haben aber einen Teil der Ernte zunichte gemacht. Werner Stähli, der Geschäftsführer des Getreidezentrums Niederhasli AG, sagt, dass rund 15 Prozent des angelieferten Getreides sogenannter Auswuchs ist. Das Korn hat bereits ein zweites Mal gekeimt. Dadurch verliert es an Stärke und Eiweiss und kann aus diesem Grund nicht mehr zu Mehl, sondern nur noch zu Tierfutter verarbeitet werden. Vier von fünf Bauern sind von ausgewachsenem Getreide betroffen. Das ist ein herbes Verlustgeschäft: Stähli rechnet vor, dass ein Bauer pro Lieferung bis zu 1500 Franken weniger einnimmt – je nach Grösse der Lieferung. Schlimmer war es im Jahr 2007. Damals waren gar über 50 Prozent des Weizens ausgewachsen. Felix Burri wird im Februar 2011 seinen neuen Hof am Homberg in Kloten beziehen. Foto: René Kälin

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