Zum Hauptinhalt springen

Strom auf schützenswerten Häusern erzeugen

Wer in einem Haus wohnt, das unter Schutz steht, darf unter gewissen Bedingungen eine Solaranlage auf sein Dach bauen. In Hombrechtikon zum Beispiel wird dabei die Gestaltung ganz genau geprüft.

Von Petra Schanz In Stäfa wurde letztes Jahr eine Solaranlage auf dem Gebäude am Unteren Grundweg 29 bewilligt, das sich im Inventar der schützenswerten Bauten befindet. Das Beispiel zeigt: Der Denkmalschutz wird nicht generell höher gewichtet als der Umweltschutz. Besitzer solcher Häuser müssen somit nicht unbedingt auf Solar- oder Fotovoltaikanlagen verzichten. Es kommt auf das Einzelobjekt an. Das sagt auch der Hombrechtiker Bausekretär Fritz Kalt: «Anlagen auf Gebäuden, die sich im Inventar befinden, müssen erhöhten Gestaltungsanforderungen genügen.» Der Bauausschuss der Gemeinde zieht einen Fachexperten hinzu, um solche Fälle abzuklären. «Eine geschickte Anordnung – zum Beispiel näher beim Dachrand als beim First – trägt viel dazu bei, ob eine Anlage bewilligt werden kann oder nicht», sagt Kalt. «Es ist ein Abwägen zwischen Umweltschutz und Denkmalschutz.» In allen anderen Zonen als der Kernzone sind Solaranlagen grundsätzlich erlaubt. Bei den Bewilligungen halten sich die Gemeinden an die kantonalen Vorschriften, die besagen, dass Anlagen unter 35 Quadratmetern nicht bewilligt werden müssen, wenn sie nicht mehr als 10 Zentimeter über das Dach hinausragen. «Bedenkt man, dass Solaranlagen auf privaten Hausdächern üblicherweise eine Grösse von 6 bis 8 Quadratmetern haben, ist das eine sinnvolle Regelung», sagt Heinz Dubach, der den Fachbereich Baupolizei in Stäfa leitet. Anders sieht es bei Flachdächern aus: Wegen des Neigungswinkels braucht es dort, unabhängig von der Grösse, eine Bewilligung. Harte Regeln in Meilen Eine etwas spezielle Regelung für Solaranlagen kennt Meilen. An der ganzen Kirchgasse, die zur Kernzone gehört, sind diese verboten. In Meilen gehe es relativ rasch, wenn eine Solaranlage bewilligt werden müsse, sagt Gemeindeschreiber Didier Mayenzet. «Alle Baugesuche müssen generell innert drei Monaten behandelt werden. Im Vergleich zu anderen Gemeinden ist Meilen da immer vorne dabei.» Wer also nicht in der Kernzone und in einem Haus wohnt, das nicht im Inventar der schützenswerten Bauten steht und kein Flachdach hat, darf eine Solaranlage auf sein Dach bauen. Meist sogar ohne Bewilligung. Der Rest hat es schwieriger. Weil Anlagen in der Kernzone «befriedigend gestaltet und eingeordnet werden müssen», hängt das Resultat von der Einschätzung der örtlichen Baubehörden ab. Und die beurteilen nicht überall gleich. «Es stimmt, dass Baugesuche von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich behandelt werden», sagt der Küsnachter Gemeindeschreiber Peter Wettstein. Aus Erfahrung könne er sagen, dass Anlagen an Hanglagen wegen der Blendwirkung vermehrt zu Diskussionen führten als solche in flachen Gebieten. Die Diskussion um das Blenden von Solaranlagen versteht Regula Baggenstoss überhaupt nicht. Sie leitet im Bezirk Meilen die Gruppe Energie der FDP. «Sonnenkollektoren haben ein diffuses Glas, das blendet nicht», sagt die Freisinnige. Sie könne von ihrem Wohnsitz aus auf die andere Seeseite blicken. Und alles, was da blende, seien Fensterscheiben und Balkongeländer der Häuser und Wohnungen «im Stil eines Aquariums», wie sie heute überall gebaut würden. Unzählige moderne Gebäude Hingegen kann Baggenstoss nachvollziehen, dass man auf sehr alte, schützenswerte Gebäude keine Solaranlagen baue. «Das alte Schipfgut in Herrliberg kann ich mir definitiv nicht mit einer Solar- oder Fotovoltaikanlage auf dem Dach vorstellen», sagt Baggenstoss. Dabei handle es sich aber nur um ein paar einzelne Objekte. «Da gibt es noch unzählige moderne Gebäude, auf denen erst mal Anlagen montiert werden könnten.» Leider hängt das aber vom Willen der jeweiligen Bewohner ab und nicht vom Alter eines Gebäudes. Nach Möglichkeit bewilligen Dass Umweltschutz durchaus auch bei Denkmalschützern ein Thema sei, bestätigt Urs Bachmann. Er erstellt für die Gemeinde Hombrechtikon als Fachexperte Gutachten, wenn jemand eine Solaranlage auf sein geschütztes Haus bauen möchte. «Ich befürworte Solaranlagen, wenn immer es geht», sagt er. Generell müsse man sagen, dass die lokale Denkmalpflege viel weniger streng sei als die kantonale, die für überregionale Objekte oder solche in der Landwirtschaftszone zuständig sei. Damit Bachmann ein positives Gutachten erstellen kann, muss der Bauherr ein paar Punkte berücksichtigen: Ziegelbündige Anlagen sind besser als solche, die auf die Ziegel draufgebaut werden und somit über das Dach hinausragen. Ausserdem ersetzt man am besten gleich eine ganze Dachseite mit einer Solar- oder Fotovoltaikanlage. «Das gibt eine gewisse Ruhe in die Dachgestaltung», sagt Bachmann. Eine Einheit gebe es sowieso nicht mehr in den Dachlandschaften. Ganz früher habe es nur Ziegel auf den Dächern gehabt. Doch bereits um 1500 und 1600 seien Giebellukarnen dazugekommen. Heute seien Dachflächenfenster im Trend. «Wenn man heute von oben über die Dächer schaut, sieht man ‹Chruut und Rüebli›.» Dass eine Anlage nach neustem Recht 15 Zentimeter über das Dach hinausragen dürfe, trage auch nicht zu einem schöneren Bild bei. Viele Leute reue es ausserdem, die Ziegel vom Dach zu nehmen. Zudem wüssten viele nicht, dass es auch rahmenlose Anlagen gebe, bei denen die dunklen Gläser nicht von hellen Alurahmen getrennt seien. «Eigentlich ist die Bewilligung nur eine formale Sache», sagt Bachmann, «damit es kein Gewucher gibt.» Umweltschutz sei wichtig, man könne schliesslich nicht nur «in Schönheit sterben». Wer in den Gemeinden Herrliberg, Uetikon, Meilen oder Küsnacht wohnt und eine Solaranlage erstellen will, hat Glück. Denn der kann zusätzlich zu den kantonalen Subventionen Förderbeiträge bei der Gemeinde beantragen. Uetiker erhalten für eine Solaranlage ohne Heizungsunterstützung einen Pauschalbeitrag von 1000 Franken für ein Einfamilienhaus, 2000 Franken für ein Mehrfamilienhaus. In Küsnacht richten sich die Beiträge nach der Wirkung der Massnahmen (CO2-Ausstoss und Stromersparnis). In Meilen beantragt man die Förderbeiträge bei der Energie und Wasser Meilen AG. In Herrliberg bekommen Sanierungswillige einen Pauschalbeitrag und einen Beitrag pro Quadratmeter der Solaranlage. (ps) Stäfa hat in der Kernzone schon Solaranlagen bewilligt – wie zum Beispiel hier am Grundweg. Foto: Sabine Rock

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch