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Stierli und das «Generationenprojekt»

Der Präsident des FC Luzern schwärmt vom neuen Stadion – und plant seinen Abgang in einem Jahr.

Von Peter M. Birrer, Luzern Walter Stierli braucht keine Zeit, um sich warmzureden, nicht, wenn es um die-ses Thema geht: das Stadion. Der Präsident des FC Luzern steht in der neuen Swissporarena, zählt sämtliche Vorzüge auf, etwa die versenkbaren Klappstühle im Fansektor, deutet auf die für die besonders wichtige Kundschaft reservierten Logen und fasst begeistert zusammen: «Für mich ist es das schönste Stadion der Schweiz und ein Generationenprojekt. Es wird das Selbstwertgefühl der Leute steigern.» Dann sagt er: «Manchmal muss ich meine Emotionen zurückhalten.» Vorbei ist die Zeit des Provisoriums mit den Stahlrohrtribünen von Emmenbrücke, erst recht Geschichte ist die alte, verlotterte Allmend. Stierli war die treibende Kraft beim Aufbruch. 2003 reichte er im Stadtparlament drei Motionen ein und verschärfte fortan das Tempo. Der ehemalige SVP-Politiker argumentierte stets: ohne neues Stadion keine Zukunft für den FCL in der Super League. Genug hatte er von den langen, aber inhaltsarmen Diskussionen. 1986 scheiterte der erste Versuch mit dem sogenannten Wald-Stadion, weitere Anläufe blieben im Ansatz stecken. Stierli drängte vor acht Jahren auf eine verbindliche Lösung – und schaffte mit seinem Projekt den Durchbruch. Die letzte politische Hürde wurde im November 2008 genommen, im Sommer 2009 fuhren die Bagger auf. Am 31. Juli erlebt die Swissporarena gegen Thun ihre Premiere. 8 von 9 Logen sind vermietet Nach Plänen der lokalen Architekten Daniel Marques und Ivan Bühler entstand am gleichen Ort in zwei Jahren ein Bauwerk, das sich nicht auf ein Fussballstadion reduzieren lässt. Für ein Investitionsvolumen von 666 Millionen Franken wurden als Mantelnutzung zwei Wohntürme hochgezogen, die mit 77 und 88 Metern gleich zu den höchsten Gebäuden der Zentralschweiz aufstiegen. 250 Millionen Franken kostete die Tieferlegung der Zentralbahn inklusive neuer Haltestelle, die Ende Dezember 2013 in Betrieb genommen wird. Die Stadt Luzern sah ursprünglich nur einen Stadionbau für nationale Spiele vor. Die Initianten aber dachten an eine Zukunft mit internationalen Begegnungen – und trieben aus ihrem Umfeld zusätzliche 20 Millionen Franken auf, um das Etikett «A plus» zu erhalten. Als einer der Investoren tritt Bernhard Alpstäg auf, der sich für zehn Millionen Franken die Namensrechte für ein Jahrzehnt gesichert hat. Am Stadion prangt der Schriftzug Swissporarena, und Alpstäg findet: «In Realität ist alles noch viel schöner als auf Skizzen und Bildern.» Etwa 17 300 Plätze bietet die Arena, gegen 16 500 finden bei internationalen Begegnungen Platz. 8 der 9 Logen sind für die nächsten drei Jahre vermietet, die Preise variieren zwischen 130 000 und 170 000 Franken. Der teuerste Einzelplatz kostet 10 000 Franken für 18 Heimspiele – perfekte Sicht und Verpflegung auf höchstem Niveau gehören zum Paket. 850 Baustellenführungen Das Interesse der Bevölkerung am neuen Zuhause des FCL war in der Phase sei-nes Entstehens beeindruckend: Rund 30 000 Menschen liessen sich auf 850 Führungen die Baustelle zeigen. Saisonkarten wurden bis jetzt fast 8000 abgesetzt, erhofft und erwartet wird ein Zuschauerschnitt von 12 000. «Die Swissporarena soll eine Festung werden», wünscht Stierli. Der Präsident befindet sich mit dem Abschluss des Projekts auf der Zielgeraden seiner Tätigkeit. Ein Jahr noch will er im Amt bleiben und sich dann zurückziehen. Die Entwicklung des Klubs unter seiner Regie hat er bereits dieser Tage schriftlich festgehalten, als er den Ägypter Samih Sawiris als neuen Investor vorstellte: «2005 spielte der FCL in der Challenge League. Die Situation war ausserordentlich prekär: 13 Rechtsfälle waren offen, es gab ein laufendes Budgetdefizit von 800 000 Franken und ein Liquiditätsloch von über einer Million Franken. Das Stadion war veraltet, niemand wusste, wie es weitergehen sollte. Es gab überall nur Probleme.»Sechs Jahre später ist nichts mehr wie damals. Der FCL wirtschaftet ab diesem Sommer mit einem 20-Millionen-Budget, allein 9 sind für die erste Mannschaft reserviert. Stierli sagt: «Ich bin sehr stolz auf das Erreichte.» Und vor allem: «Mein Nachfolger wird keinen Scherbenhaufen übernehmen, ganz im Gegenteil.» «Für mich ist es das schönste Stadion der Schweiz»: FCL-Chef Walter Stierli in der Swissporarena, die 17 300 Plätze bietet. Fotos: Raffael Waldner (13 Photo)

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