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Spurensuche beim Wuhrplatz

In Langenthal sind derzeit Archäologen am Graben. Auf dem Gelände der Überbauung Wuhrplatz suchen sie nach Spuren früherer Bewohner. Sicher ist, dass es dort Siedlungen gab, unklar hingegen, zu welcher Zeit.

Ein riesiges Festzelt steht seit letztem Freitag auf dem Gelände der Baustelle Wuhrplatz in Langenthal. 55 Meter lang, 16 Meter breit. Ein Fest ist dort allerdings nicht geplant. Das Zeltdach dient vielmehr als Schutz für die archäologischen Grabungen, die vor kurzem begonnen haben. In den nächsten Monaten suchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des kantonalen Archäologischen Dienstes den Boden nach Besiedlungsspuren ab. Kelten, Alemannen? Auf dem Areal zwischen dem Volkshaus und der inzwischen abgebrochenen Alten Seilerei haben früher wirklich Menschen gelebt und/oder gearbeitet – Jahrhunderte vor der Gärtnerei Rotschi, die dort einst stand, und der Seilerei. Erste Sondiergräben und kleinere Grabungsflächen haben dies auch bereits bewiesen. «Ja, dort sind Besiedlungsspuren vorhanden», bestätigt Marianne Ramstein, Leiterin des Bereichs Landsiedlungen und Gräberfelder beim Archäologischen Dienst. «Aus welcher Zeit diese stammen, ist momentan jedoch schwierig zu erkennen. Es können Sachen aus dem Mittelalter sein, möglicherweise aber auch ältere.» Die Spannweite ist gross: Nicht unmöglich, dass die Spuren aus keltischer Zeit stammen (800 v.Chr. bis 200 n.Chr.) oder den später hier lebenden Alemannen zugeschrieben werden können. Die ersten Befunde waren es den Fachleuten immerhin wert, eine grossflächig angelegte Grabung durchzuführen – unter dem Schutz des Festzeltes. Klar ist den Archäologen auch: Auf der Seite Richtung Verwaltungsgebäude gibt es keine Hinweise auf Besiedlung. Gegen den Wuhrplatz und die Langete hin mehren sich die Anzeichen hingegen. Saubere Schicht lesen Unter einem der kleinen Grabungszelte putzt Mitarbeiter Urs Ryter die gegrabene Oberfläche einer Grube – mit einem Staubsauger. «Erst wenn die Schicht ganz sauber ist, können wir etwas herauslesen und dies auch dokumentieren», sagt Archäologe Sébastien Dénervaud. Und diese Grube zeige: Hier waren Menschen am Werk, wahrscheinlich am Arbeiten. Mehrere runde Vertiefungen können als Pfostenlöcher gedeutet werden. «Vielleicht stand hier ein Webstuhl», mutmasst Dénervaud, «aber sicher ist es nicht.» Denn klare Hinweise auf Textilbearbeitung haben die Grabungsmitarbeiter nicht gefunden. Zuerst muss auf dem Wuhrplatz-Bauareal die oberste Erdschicht mit dem Bagger abgetragen werden. «Erst dann kommen wir zu den Schichten, wo ältere Spuren erkennbar sind», erklärt Grabungsleiter Urs Liechti. Wo die Erde gräuliche, schwärzliche oder helle Verfärbungen aufweist, wird dann gegraben. Liechti: «Denn daran sehen wir, dass in der Vergangenheit etwas geschehen ist.» Bis zu 14 Mitarbeiter Solche Stellen gibt es viele auf dem Areal. Die Herausforderung an die Grabenden ist es herauszufinden, was dort geschah und in welcher Zeit. Möglich ist dies, wenn Material zu Tage tritt, dessen Alter einer bestimmten Zeit zugeordnet werden kann, wie Holz, Keramikteile oder Überreste handwerklicher Tätigkeiten. Erste Erkenntnisse können in einigen Wochen erwartet werden. Bis allerdings eine Gesamtsicht über das Areal möglich ist, wird es noch Monate dauern. Denn erst jetzt beginnt die grossflächige Grabung, an der zeitweise bis zu 14 Mitarbeiter beteiligt sein werden. Diese müssen die Funde nicht nur freilegen, sondern auch dokumentieren – zeichnerisch, fotografisch und mittels Beschreibungen. Spannend dürfte es allemal werden, denn die archäologische Grabung kann Aufschluss über die frühe Entwicklung von Langenthal geben, die bisher noch im Dunklen liegt. Herbert Rentsch>

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