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Sie retteten ihm das Leben

In Oberembrach riss ein Häcksler einem Mann den Unterarm ab. Ohne die Hilfe zweier Nachbarn hätte der Rentner kaum überlebt.

Von Rolf Haecky Oberembrach – Unter ohrenbetäubendem Lärm zersplittert der Häcksler bis zu zwanzig Zentimeter dicke Äste und Baumstämme. Der 76-jährige Kurt Walther zerkleinert damit an verschiedenen Orten in Oberembrach Schnittholz aus den Gärten der Leute. Eine Arbeit, die er seit Jahrzehnten für die Gemeinde übernimmt. Und so liegen an diesem sonnigen, milden Samstagmorgen überall im Dorf Asthaufen auf den Garagenplätzen vor den Häusern. Die Oberembracher warten auf auf den Rentner Kurt Walther. Hanspeter Lutz schaut dem Rentner eine Weile zu, plaudert mit ihm, um kurz darauf in sein Haus zurückzukehren. Eine halbe Stunde später, kurz nach 10 Uhr, unterbricht er seine Büroarbeiten, er will zu einem Termin. «Ich muss los», brummt er und geht ins Schlafzimmer, um sich umzuziehen. In diesem Augenblick hört er durchs geschlossene Fenster mitten im Krachen und Splittern des Holzes draussen einen schrecklichen Schrei. «Jetzt ist etwas Schlimmes passiert», schiesst es ihm durch den Kopf. Er schlüpft in seine Hosen und streift das Hemd über, während er bereits die Treppen hinunterjagt. Hand und Unterarm abgerissen Irgendwie hatte die Häckslermaschine den Arm Kurt Walthers in die Schnittmesser hineingezogen und ihm die Hand und den Unterarm abgerissen. Und obwohl er so schwer verletzt war, hatte er noch das Unmögliche geschafft und den Häcksler wie auch seinen Traktor abgestellt. Lutz weiss, dass er das Blut stoppen muss, sonst würde der Verunfallte sterben. In seiner Garage liegt Schnur herum, doch sie würde tief ins Fleisch einschneiden und noch grösseres Übel anrichten – er braucht ein dickes Elektrokabel. «Bleib du kurz bei ihm», bittet er Oliver Wegner, seinen Nachbarn, der eben herbeigeeilt ist. Dieser nimmt sich des Verunglückten an und drückt ihm von Hand die pulsierende Arterie ab. Lutz stürmt los. «So schnell ich konnte, bin ich ins Haus gerannt und habe ein Stromkabel aus der Steckdose gerissen.» Mit dem Kabel hetzt er auf die Strasse zurück und bindet den verletzten Armstumpf ab. Narelle Wegner hat inzwischen die Ambulanz alarmiert; ihr Ehemann hilft indessen Hanspeter Lutz, Kurt Walther zu betreuen. Er kniet sich neben ihn, stützt ihn und spricht mit ihm. Der Verunglückte ist bei Bewusstsein, das Reden bereitet ihm Mühe. Alles sei sehr schnell gegangen, was genau passiert sei, das wisse er nicht. Hat der Schock bisher barmherzig seine Sinne ausgeblendet, so beginnen jetzt die Schmerzen. «Er hat wahnsinnige Schmerzen durchlitten», ist sich Hanspeter Lutz sicher, der ungeduldig auf Sanität und Polizei wartet. Und obwohl er glaubt, eine Ewigkeit sei verstrichen, sind Polizei und Ambulanz nach 15 Minuten vor Ort.Doch das Warten beginnt erst: Der Notruf hat die Rega aufgeboten. «Offenbar waren aber alle Helikopter der am Flughafen stationierten Rettungsflugwacht im Einsatz», sagt Hanspeter Lutz, «jedenfalls mussten wir auf eine Maschine aus Basel warten – und das dauerte eine volle Stunde.» Wer warte, dem scheine jede einzelne Minute endlos. «Aber mit einem Schwerverwundeten, der über grausame Schmerzen klagt, so lange auszuharren, das zehrt an den Nerven und am Gemüt.»Endlich fliegt der Heli an und bringt Kurt Walther ins Universitätsspital. Später wird die Rega bestätigen, dass alle Maschinen im Einsatz standen und nichts anderes blieb, als auf die Rückkehr des einen Helikopters aus Basel zu warten – und mehr als die beiden Helfer vor Ort hätte in dem Moment niemand für den Verletzen tun können. «Hilfe war doch normal» «Nein, das Blut, das hat mir nichts ausgemacht, aber ihn, den wir alle so gut kennen, leiden zu sehen, das hat mich mitgenommen», stellt Hanspeter Lutz fest. Dass er dem Verunfallten gemeinsam mit Oliver Wegner durch sein ruhiges und beherztes Eingreifen das Leben gerettet hat, das sei doch normal. Drei Tage nach dem tragischen Unglück – fühlte sich Kurt Walther im Spital den Umständen entsprechend gut. «Wer mir geholfen hat, davon habe ich nichts mitbekommen – aber ich bin ihnen sehr dankbar für das, was sie für mich getan haben», sagt er. «Weil sie mir etwas gegen die Schmerzen spritzten, nahm ich nichts mehr richtig wahr – ich konnte nicht mal den Flug im Heli geniessen.» Hanspeter Lutz (l.) und Oliver Wenger griffen beherzt ein, als sich in Oberembrach ein Rentner verletzte.Foto: Rolf Haecky

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