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«Sie haben nicht das gleiche Empfinden wie unsereins»

Toilettengänge unter freiem Himmel und haufenweise Unrat: Die Fahrenden sorgen nicht nur in Wynau für Ärger, sondern auch in Bowil. Jetzt will der Kanton den Parkplatz im Bori wenigstens etwas unattraktiver machen.

Gross war die Aufregung in Wynau, als letzte Woche unvermittelt Fahrende auftauchten. Nicht nur, weil sie sich auf dem Platz, den ihnen eine Bauernfamilie zugewiesen hatte, immer breitermachten. Zu reden gab dabei der Unrat, den die Sippe rund um ihre letztlich 14 Wohnwagen anhäufte. Neben den vielen gefüllten Abfallsäcken stach den Leuten im Oberaargauer Dorf vor allem das auf dem Feld verstreute Toilettenpapier samt dem, was darunter lag, ins Auge und in die Nase – nun, derartige Bilder gehören 50 Kilometer weiter in Bowil seit Jahren dazu. Denn hier, wo auf der Reise von Bern nach Luzern die Umfahrung Signau anfängt, gibts den Parkplatz Bori. Für viele Fahrende ein idealer Ort, um eine längere Rast einzulegen – heuer sei dies bereits sieben Mal der Fall gewesen, rechnet der Bowiler Gemeindepräsident Moritz Müller vor. Im Durchschnitt also fast jeden Monat einmal. In zähen Verhandlungen Die letzte Sippe hat mit ihren sogar 22 Wohnwagen das Bori vor drei Wochen verlassen. Vor diesem Hintergrund haben die Behörden das Thema in der aktuellen «Bowil-Zytig» aufgenommen und stellen klar: Wenigstens belasten die fremden Gäste nicht auch noch die Gemeindekasse. «In teilweise zähen Verhandlungen» werde ihnen «ein Gelddepot ‹abgerungen›», das die Kosten für Wasser und Kehrichtentsorgung decke, steht da. Gleichzeitig betonen sie aber auch: Verhindern können sie die ungebetenen Besuche nicht, da der Parkplatz im Bori ein öffentlicher Ort und damit für alle zugänglich sei. Beschränkungen in der Parkzeit oder gar ein Campingverbot gebe es nicht. «Nach Kenntnisnahme eines Zuzuges kann den Fahrenden lediglich in Form einer Wegweisungsverfügung ein Termin für die Weiterfahrt gesetzt werden.» Unfreiwillige Zeugen Auch Bowil begegnet den Fahrenden nicht in erster Linie deshalb mit Skepsis, weil, wie so oft befürchtet, während ihrer Besuche vermehrt gestohlen würde. Nein, das grosse Thema ist hier ebenfalls die mangelnde Sauberkeit. «Die meisten haben halt nicht das gleiche Empfinden wie unsereins», heisst es im Dorf, und Müller ergänzt: «Sie verrichten ihr Geschäft in der freien Natur. An allen möglichen und unmöglichen Orten.» So weiss der Gemeindepräsident von Gästen, die in der Gartenwirtschaft des angrenzenden «Schlossbergs» unfreiwillig Zeugen derartiger Freiluftaktivitäten geworden sind. Sie beobachteten, wie die Fahrenden neben ihre Wohnwagen traten, die Hosen herunterliessen und sich erleichterten. «Offenbar stören sie sich nicht daran, wenn sie beobachtet werden», schliesst er und nochmals: «Das ist der Punkt, der uns sauer aufstösst.» Auch für Lastwagen Ob der Kanton als Eigentümer da nicht handeln müsste? «Wir wollen den Fahrenden den Aufenthalt im Bori nicht verunmöglichen», betont Thomas Schmid. Der stellvertretende Kreisoberingenieur sagt zwar offen, dass auch er keine Freude am Unrat hat, über den die Bowiler Behörden klagen. Immerhin sind es seine Leute, die dann ausrücken und putzen müssen. Aber: «Der Platz wird ebenso von den Lastwagenfahrern geschätzt.» Seis, dass sie hier Pause machen, seis, dass sie hier mal einen Anhänger parkieren, um besser zu einem Kunden in den Hügeln zu gelangen – schon nur daher kommt es für Schmid nicht in Frage, den Zugang zum Platz mit einem auf Autohöhe begrenzten Joch zu versehen. So, wie dies rundherum als Barrikade gegen die Wohnwagen passiert ist (siehe Kasten). Zwei kleine Wälle Der Kanton will im Bori einzig gegen die angrenzenden Grünstreifen hin zwei kleine Wälle aufschütten. So müssen sich die Fahrenden auf den geteerten Teil des Platzes beschränken – «wir hoffen», sagt Schmid, «dass dann weniger grosse Sippen Halt machen und sich das Problem zumindest entschärft.» In Wynau ist der Spuk übrigens zu Ende. Die Fahrenden zogen vorgestern Abend weg – und hinterliessen einzig einen vollen Kehrichtsack.Stephan Künzi >

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