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Schiessen wie keine andere und hoffen auf bronzene Fingernägel

Lara Stalder (16) und Phoebe Staenz (17) sind die Jüngsten im Eishockey-Nationalteam der Frauen. Morgen treffen sie im WM-Viertelfinal im Hallenstadion auf Russland.

Von Etienne Wuillemin, Winterthur Eine Woche vor Beginn der Heim-WM starteten die Schweizerinnen in Kreuzlingen ihr Trainingslager. Der Moment war gekommen, um die Jüngsten im Nationalteam willkommen zu heissen. Das Team dachte sich für Phoebe Staenz und Lara Stalder eine spezielle Aufgabe aus. Sie ging so: Zuerst auf der Hotelterrasse die Schweizer Nationalhymne singen. Und dann jenen Gästen, die am meisten Applaus spenden, als Dank einen Café servieren – und alles nur im Bikini. «Typisch für die Mannschaft», sagt Staenz, «aber es war lustig.» Staenz wurde im Januar erst 17, Stalder wird es im Mai. Trotzdem haben sie sich bereits einen Stammplatz im WM-Team erobert. Mehr noch: Sie stehen mit ihren Qualitäten für die Zukunft des Schweizer Frauen-Eishockeys. Stürmerin Staenz mit ihrer Schnelligkeit und Torgefährlichkeit. Verteidigerin Stalder mit ihrer Übersicht und Schusskraft. Die Wucht von Stalders Slapshot ist im Schweizer Team unerreicht. Trainer René Kammerer sagt: «Sie sind jung, mutig und frech. Und sie können absolut unbeschwert aufspielen.» Er ist aber bemüht, die beiden nicht herauszuheben, «schliesslich können sie ihre Qualitäten auch dank der Arbeit ihrer Mitspielerinnen einbringen».Am Morgen nach der Viertelfinalqualifikation haben sich Staenz und Stalder für das Fotoshooting elegant gekleidet. «Der Anzug ist schön, man kann damit einfach nicht mehr so herumtollen, sonst wird er dreckig», sagt Stalder. Beide lachen. Ihre frische, unbekümmerte Art wirkt ansteckend. Geduldig posieren sie immer wieder von neuem, bringen eigene Bildideen ein. Dass die beiden dank der Heim-WM in der Öffentlichkeit stehen, geniessen sie. Schliesslich könne es dem Image des Frauen-Eishockeys nur guttun. Kürzlich hat Stalder ein SMS von einer Freundin aus der Wirtschaftsmittelschule erhalten: «Bitte vergiss mich dann nicht, wenn du berühmt bist!» In solchen Momenten freut sie sich auf die nahende Badesaison und darauf, dass sie wieder mehr Zeit mit ihren Freundinnen verbringen kann. Im Winter trainiert sie dreimal pro Woche auf dem Eis, geht zweimal ins Fitnesscenter. Dazu kommen die Spiele an den Wochenenden. «Manchmal ist es schwierig, alles unter einen Hut zu bringen, aber ich habe meinen Weg gewählt, und das ist gut so. Sonst hätte ich ihn längst geändert.» Ein Hockey-Leben unter Buben Seit dem Kindergartenalter spielen Staenz und Stalder Eishockey, und sie waren meist die einzigen Mädchen in den Juniorenteams. «Ein Problem war das nie», sagen sie. «Sobald sie merkten, dass ich auf dem Eis etwas kann, hörten die Sprüche auf», sagt Staenz. Sie scheute sich auch nicht mitzuprügeln, als es bei den Junioren zur einen oder anderen Massenkeilerei kam. Nach den Spielen haben die Mädchen eine eigene Garderobe zur Verfügung. Nun ist die Bühne eine grössere. Der WM-Viertelfinal gegen Russland steht an. In der Vorbereitung haben die Schweizerinnen gegen die Russinnen 1:3 verloren. «Das war nur ein Glückssieg», sagt Stalder. Bronze ist das neue Ziel. Und Staenz verspricht: «Gelingt es, lackiere ich mir die Fingernägel bronzen. Sofern ich die Farbe irgendwo finde.» Anzug statt Ausrüstung: Phoebe Staenz (l.) und Lara Stalder. Foto: Patrick Gutenberg

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