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Saubers Formel-1-Team erhält neue Chance

Neue Besitzerin des Formel-1-Teams BMW Sauber ist die Stiftung Qadbak Investments. Den offenen 13. Platz für die WM 2010 vergab der internationale Verband hingegen an Lotus.

BMW und Qadbak unterzeichneten den Kaufvertrag gestern Dienstag. Über die Kosten der Transaktion schweigen sich die beiden Parteien aus. Deutsche Quellen sprechen von einem Betrag von rund 120 Millionen Franken. Qadbak übernimmt das Team zu 100 Prozent von BMW. Peter Sauber hatte seinen 20-Prozent-Anteil nach dem Ausstieg von BMW an die Bayern abgetreten.

Verkäufer legen Wert auf Diskretion

Über Qadbak ist wenig bekannt. In einer dünnen Pressemitteilung erklärt BMW Sauber, dass es sich dabei um eine in der Schweiz ansässige Stiftung handle, die Familien aus Europa und dem Mittleren Osten vertrete. Qadbaks Interessen bezüglich des Formel-1-Teams würden von einem Schweizer namens Lionel Fischer vertreten.

«Die Käufer sind nicht interessiert, öffentlich aufzutreten», sagt Hanspeter Brack, Sprecher von BMW Sauber in der Schweiz. «Peter Sauber weiss aber, wer hinter Qadbak steht - und er ist damit sehr glücklich», so Brack weiter. Auch von deutscher Seite gibt es kaum Informationen: «Die Käufer möchten keine Auskunft geben», sagt Jörg Kottmeier, Leiter der BMW Sportkommunikation. Schwer zu greifen ist auch der erste Statthalter des Rennteams, Lionel Fischer. «Das ist ein Schweizer, der in Hongkong und Zürich lebt», sagt Jeremy Carey, Sprecher von Qadbak in London. Wie er zu seinem Posten gekommen sei «No comment.» Auf Sportblogs mutmasst man, dass Fischer Vertreter einer Schweizer Privatbank sei. Diese leite die als Stiftung firmierte Investmentgruppe treuhänderisch.

Bemerkenswert ist, dass der Kauf des Formel-1-Rennstalls nicht die erste Aktion von Qadbak im Sportsektor ist. Im Juli hatte die Stiftung über den Investmentarm Munto Finance den ältesten professionellen Fussballklub der Welt übernommen. Nach dem Kauf des englischen Viertligisten Notts County aus Nottingham verpflichtete Qadbak den früheren englischen Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson als Sportchef.

Die englische Zeitung «Daily Telegraph» vermutete damals, dass hinter Munto und Qadbak die Al-Thani-Investmentgruppe stehe. Diese wiederum gehöre dem in Qatar lebenden Abdullah bin Saed al-Thani, dem Cousin eines früheren Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate. Die Al-Thani-Gruppe ist hauptsächlich im Öl-, Energie- und Immobiliengeschäft tätig.

BMW hatte Ende Juli seinen Abgang aus der Formel 1 auf das Ende der laufenden WM hin «vor dem Hintergrund der strategischen Neuausrichtung» bekannt gegeben. Peter Sauber suchte in den letzten Wochen intensiv nach neuen Lösungen. Seine Bemühungen scheinen nun Früchte getragen zu haben. Man kann davon ausgehen, dass ein grosser Teil der 430 Arbeitsplätze in Hinwil gesichert ist.

In Reserve für den 14. Platz

Der Internationale Automobil-Verband FIA vergab gestern Dienstag den letzten zurzeit noch offenen Platz im Formel-1-Fahrerfeld 2010 an Lotus. Der Verband möchte allerdings - zu Gunsten des Rennstalls aus Hinwil - die Anzahl der Equipen auf 14 erhöhen. Den entsprechenden Antrag will der Verband so schnell als möglich an die andern Teams stellen.

Selbst wenn die Anfrage wider aller Erwartungen keine Zustimmung fände, könnte Sauber von einer Startzulassung ausgehen. Es ist nämlich zu vermuten, dass nicht alle zugelassenen 13 Teams im kommenden März beim Saisonauftakt in Bahrain auch tatsächlich dabei sein werden. Den frei werdenden Platz könnte dannzumal Sauber übernehmen.

«Wir gehen davon aus, dass wir beim Saisonstart dabei sein werden», sagt Peter Sauber, der dannzumal der Equipe zumindest in einer Übergangsphase wieder als Teamchef vorstehen dürfte. Fixiert ist zudem die neuerliche Partnerschaft mit Ferrari, das abermals als Motoren- und Getriebelieferant auftreten wird. Mit der Scuderia aus Maranello hatte Peter Sauber bereits in den Jahren 1997 bis 2005 zusammengearbeitet. Unter welchem Namen der Rennstall dereinst in der Formel 1 fahren soll, steht noch nicht fest.

Lotus mit Partnern aus Malaysia

Lotus war zuletzt 1994 in der Formel 1 vertreten. Zwischen 1960 und 1987 feierte das Team 79 Siege sowie 6 WM-Titel und gehört damit zu den erfolgreichsten Teilnehmern. Beim Wiedereinstieg kann Lotus auf Support aus Malaysia zählen. Hinter dem Team steht ein Konsortium aus mehreren Unternehmen und der malaysischen Regierung. Die Verbindung ins südostasiatische Land besteht schon länger, seit 1996 befindet sich der Automobilhersteller Lotus im Besitz des malaysischen Autobauers Proton.

Eine tragende Rolle bei der Realisierung des Deals zwischen den malaysischen Partnern und dem Formel-1-Team Lotus hat Dany Bahar inne. Der Bündner mit türkischen Wurzeln, der 20 Prozent am Autohersteller Lotus hält, wird ab 1. Oktober als CEO die Geschicke des Mutterhauses lenken. Bahar war zuvor bei Red Bull und Ferrari in Führungspositionen tätig, schied aber bei beiden Firmen im Unfrieden aus. Zuletzt war sein Name, zusammen mit jenem von Denner-Chef Philippe Gaydoul, als möglicher Investor bei der GC-Fussballsektion genannt worden. (ahi./Si)

Hektische Betriebsamkeit bei Sauber: Nun werden nicht nur die Reifen gewechselt, sondern das ganze Team erhält einen neuen Besitzer.

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