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Roderer heiratete Grossnichte, um Steuern zu umgehen

Die Liebe zu seiner 60 Jahre jüngeren Frau Anina sei platonisch, sagt der 90-jährige Volksschauspieler Walter Roderer. Die Heirat hat wirtschaftliche Gründe.

Von René Donzé Lange hatte der Volksschauspieler Walter Roderer (90) ein Geheimnis darum gemacht. Seit gestern ist es offiziell: Er ist seit bald sechs Jahren mit seiner Grossnichte Anina (29) verheiratet. Sie ist die Tochter eines Sohnes seiner verstorbenen Schwester. Ihre Eltern wohnen in Winterthur, der Vater ist Lehrer. Anina soll Tänzerin an der Berliner Staatsoper gewesen sein. Heute lebt sie vor allem in Florenz, wo sie mit einem Freund ein kleines Hotel auf Vordermann bringt, wie der «SonntagsBlick» schreibt. «Sie kommt mich aber alle drei Wochen besuchen», sagt Roderer gegenüber dem TA. Dann wohne sie bei ihm in seinem Haus in Illnau. «Wir lieben uns» Kennen gelernt hat Roderer seine Grossnichte im März 2004 an der Beerdigung seiner zweiten Frau Ruth Jecklin. Kurz darauf lud er sie zu einer Mittelmeerkreuzfahrt ein. Wenige Monate später gingen sie auf eine ausgedehnte Asienreise. Es entwickelte sich eine «tiefe, platonische Liebe», wie er sagt. Im Buch über sein Leben schreibt er in einem Brief an Anina: «Unser Verhältnis mag grotesk erscheinen, ist es aber nicht. Wir schätzen, wir achten, wir lieben uns.» Dass aus dieser Liebe über zwei Generationen hinweg eine Ehe wurde, hat laut Roderer vor allem «wirtschaftliche Gründe». Für den 90-Jährigen ohne eigene Kinder war klar, dass seine geliebte Nichte dereinst sein Millionenvermögen erben sollte, damit sie ein sorgenfreies Leben führen kann. Der betuchte Schauspieler besitzt ein Landhaus und ein Mehrfamilienhaus in Illnau mitsamt Bentley. Als Nichte hätte Anina das Erbe zu rund 35 Prozent versteuern müssen. Als Ehefrau nicht. Kritik an «Scheinehe» Laut Gesetz sprach nichts gegen die Heirat mit der Grossnichte. Verboten ist bloss «die Eheschliessung zwischen Verwandten in gerader Linie sowie zwischen Geschwistern». Das wusste der Schauspieler, der nicht nur im Film als Buchhalter Nötzli brillierte, sondern auch privat ein Pedant sein soll. Martin Graf, Stadtpräsident von Illnau-Effretikon, hat schon seit Jahren von der Heirat des wohl prominentesten Einwohners seiner Stadt gewusst. Was den grünen Politiker nun aber enttäuscht, ist, dass Roderer unverblümt gesteht, seine Anina aus fiskalischen Gründen geehelicht zu haben: «Moralisch gesehen ist das eigentlich eine Scheinehe.» Juristisch hingegen gibt es bloss Scheinehen zwischen ausländischen Ehepartnern und Schweizern, zwecks Erschleichen einer Aufenthaltsbewilligung. «Die Heirat Roderers ist in diesem Sinne also nicht gesetzeswidrig», sagt Graf. Es sei jedoch stossend, dass in der Schweiz Zweckehen zur Umgehung des Steuerrechtes legal seien. Für den zum dritten Mal verheirateten Roderer ist seine jüngste Ehe mitnichten eine Scheinehe. «Ich hätte ja auch in den Kanton Schwyz ziehen können, um die Erbschaftssteuer zu umgehen», sagt er dem TA. Doch es gefalle ihm in Illnau. Und überhaupt sei die Liebe zuerst gekommen und dann erst die Erbschaftssteuer-Frage: «Wir haben das Gefühl, dass wir zusammengehören.» Unter dem Deckel gehalten habe er die Heirat mit der jungen Anina bloss, «weil ich nicht wollte, dass man mich für einen alten Glüschtler hält». Walter Roderer (90) und seine 29-jährige Frau Anina. Foto: Tillate

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