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Rockmuseum entzweit Rocker

Intro. Der Verein «Swiss Hall of Fame» möchte in Bern das erste Rockmuseum der Schweiz ansiedeln. «Wir wollen nicht bloss ein verstaubtes Rumpelstilz-Plakat an eine Wand hängen», erklärte der parteilose Musiker Martin Schneider am Donnerstag seinen Stadtratsgspändli. Die Ambitionen sind grösser: ein digitales Klangarchiv. Videoprojektionen. Soundstationen. Liveauftritte. Kurz, ein Museum, in das nicht nur Berner Musikfreunde pilgern werden, sondern Fans aus der ganzen Schweiz. «Bern muss auch die Hauptstadt der Musik sein. Darum sollte der Gemeinderat unsere Idee für ein Rockmuseum unterstützen.» Break. Martin Schneider ist nicht nur Stadtrat, sondern auch Musiker. Er greift in die Gitarrensaiten und hat die Stadtratsband «Fraktionszwang» gegründet. Wenn Schneider also sagt, Musik sei «ein zentrales Anliegen der Menschheit, seit es Menschen gibt», dann darf man ihm das ruhig glauben. Er weiss, wovon er spricht. Die Musik hat seine Stadtratskollegen von links bis rechts vereint, beglückt, entzückt. Yeah! Bridge. Ebenfalls Gitarrist bei «Fraktionszwang» ist Jimy Hofer, Stadtrat, parteilos und ein Rocker wie aus dem Bilderbuch. Schneider und Hofer teilen nicht nur die Leidenschaft für Musik, sie sind auch auf einer gemeinsamen Liste zu den Parlamentswahlen angetreten und sorgen seither für mal leisere, mal lautere Töne im Stadtrat. Solo. Das erste Rockmuseum der Schweiz gehört nach Bern. Der Gemeinderat müsse nun aktiv werden, forderte Schneider im Namen des Vereins. «Nicht, dass die Idee plötzlich in Zürich umgesetzt wird.» Es blieb aber bei seinem Solo. Die anderen wollten nicht recht einstimmen in sein Loblied. Ruedi Keller (SP): «Der Gemeinderat muss doch keine Grundlagenarbeit für eine derart vage Idee leisten.» Es fehle ja noch alles: Standort für das Museum, Businessplan, Finanzierung. Ins gleiche Horn blies Peter Künzler (GFL): «Was soll denn der arme Gemeinderat genau für einen Auftrag erfüllen?» Harte Töne schlug Peter Wasserfallen (SVP) an: «Am Anfang sagen sie immer alle, dass ihre Idee die Stadt nichts kosten werde, und später machen sie dann die hohle Hand!» Christine Michel (GB) liess grundsätzliche Bedenken anklingen: «Gehört Rock’n’Roll wirklich in ein Museum?» Und wäre auch garantiert, dass Rockerinnen dort ebenso viel Platz einnähmen wie Rocker? Chorus. Leider, für die Initianten, sang auch Schneiders Rockerkollege Jimy Hofer im Chor der Kritiker mit: Er verstehe diese Idee nicht, denn, «Rock’n’Roll ist Revolution. Eine Gegenbewegung zum Staat. Ein Rocker kann doch nicht den Staat um Hilfe bitten, wenn er ein Museum eröffnen will.» Das Parlament spielte schliesslich doch noch einen harmonischen Schlussakkord. Der Vorstoss, übrigens ursprünglich eingereicht vom heimlichen Rocker und aktuellen Gemeinderat Reto Nause, wurde als Absichtserklärung überwiesen. Der Gemeinderat will das Projekt ideell unterstützen. Und Martin Schneider und Jimy Hofer werden ihre Meinungsverschiedenheiten vielleicht in einem Song verarbeiten. That’s music! Mirjam Messerli >

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