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Prügelnder Vater verurteilt

Ein aufgebrachter Mann brach seiner Ex-Frau bei der Übergabe der beiden Kinder das Nasenbein. Nun erhält er eine bedingte Geldstrafe und bezahlt eine Genugtuung.

Von Attila Szenogrady Opfikon – Grosse Aufregung herrschte am 17. Januar 2009 vor einer Liegenschaft am Püntackerweg in Glattbrugg. In den späten Abendstunden beschimpfte eine heute 33-jährige Mutter auf der Strasse lauthals ihren Ex-Mann. Der Grund dafür: Der Vater hätte die beiden gemeinsamen Kinder nach einem Besuchstag um 18 Uhr zurückbringen sollen. Es war aber bereits 23 Uhr: Der heute 38-jährige Marokkaner hatte an einem Familienfest die Zeit vergessen, wie er sagte. Er war nun in Begleitung von mehreren Verwandten, die sich ebenfalls in den Streit einmischten. Was danach geschah, ist bis heute höchst umstritten. Laut Anklage schlug der Vater seiner Ex-Partnerin plötzlich ins Gesicht. So stark, dass die Hausfrau einen Nasenbeinbruch erlitt und sich mit ihren beiden Kindern in ihre Wohnung zurückzog. Auf dem Weg dorthin traf sie mit einer stark blutenden Nase auf eine Nachbarin. Anders sahen es der Angeklagte und seine Begleiter. Sie verneinten jegliche Gewaltanwendung gegenüber der Geschädigten. Das Opfer habe sich den Nasenbeinbruch selber zugefügt, zeigte sich der angezeigte Vater später überzeugt. Obwohl die Mutter kurz nach dem Vorfall ins Spital Bülach eingewiesen worden war und später gleich mehrere ärztliche Zeugnisse die erhebliche Verletzung dokumentiert hatten, kam es an einem ersten Prozess am Bezirksgericht Bülach zu einer Überraschung. Der zuständige Einzelrichter sprach den Vater vom Vorwurf der Körperverletzung umfassend frei. Die Staatsanwaltschaft hatte für den zweifach vorbestraften Nordafrikaner vergebens eine unbedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 40 Franken verlangt. Es sei auch möglich, dass sich die Geschädigte selber verletzt habe oder gestürzt sei, schrieb der Bülacher Richter dazu. Zudem lastete er ihr einen gewissen Hang zur Übertreibung und Dramatisierung an. Vater im Erklärungsnotstand Der Rechtsvertreter der Mutter akzeptierte den Freispruch nicht. Er legte danach Berufung ein und setzte sich kürzlich vor dem Obergericht für einen Schuldspruch ein. Für den Gerichtspräsidenten Christoph Spiess stand bereits bei der Befragung des Angeklagten fest, dass es an jenem Abend zu einem heftigen Streit gekommen war. Kurze Zeit später hatte die Frau eine gebrochene Nase. Diese Fakten konnte auch der Vater nicht in Abrede stellen und geriet während der Verhandlung zusehends in einen Erklärungsnotstand. Die hatte zur Folge, dass es am Obergericht zu einer Kehrtwende kam. Wie das Gericht nun mitgeteilt hat, ist der Vater wegen Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 30 Franken verurteilt worden. Zudem soll der inzwischen wieder verheiratete Callcenter-Mitarbeiter seiner Ex-Frau neben den Arztkosten eine zusätzliche Genugtuung von 1000 Franken zahlen. Nicht zuletzt werden dem Beschuldigten auch die Gerichtskosten von insgesamt 4500 Franken auferlegt. Heute bekommt der Vater seine beiden Kinder nicht mehr zu Gesicht.

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