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Prestigeprojekte können auch in Stettbach oder Kloten stehen

Zürich im Jahr 2025Wenn der Stadtrat die Stadt grösser denkt, als sie ist, sollte er über ihre Grenzen hinausschauen.Von Janine Hosp Im Jahr 2025 ist die Stadt Zürich eine einzige Idylle: Über 400 000 Menschen leben hier verdichtet beieinander, und trotzdem bleibt Platz genug für grosszügige Pärke und Promenaden. Nachts wird die schöne Stadt jeweils zum Tollhaus, zum Hotspot des Schweizer Nachtlebens, aber die Bevölkerung schläft dennoch ungestört. Auch Industrie und Gewerbe haben ihren Platz mitten in der Stadt, dennoch ist die Züri-Luft sauber, praktisch reingewaschen von Feinstaub und CO2. Diese Bilder Zürichs, dieser «landschaftlich reizvoll gelegenen Stadt», zeichnet der Stadtrat in seinem Papier «Strategien Zürich 2025». Er will damit aufzeigen, wie sich die erfolgsverwöhnte Stadt entwickeln muss, damit sie im Konkurrenzkampf mit Metropolen wie München, Mailand oder Wien bestehen kann und in den nächsten 14 Jahren nicht plötzlich ins Hintertreffen gerät. Alles auf engstem Raum Die Ziele, die sich der Stadtrat gesetzt hat, hören sich gut an, es scheint aber, als wolle er etwas viel in die Stadt hineinpacken: Wohnungen für alle, Räume für Gewerbe und für Kreative, ein Kongresszentrum, ein Stadion, ein neues Universitätsspital, am liebsten auch noch einen Hightechpark. Und das alles auf engstem Raum. Dabei führen unterschiedliche Nutzungen in nächster Nachbarschaft schon seit Jahren immer wieder zu Friktionen; wohnen und schlachten oder wohnen und feiern harmonieren schlecht miteinander. Konkret zeigen sich die engen Platzverhältnisse in Zürich beim geplanten Kongresszentrum. Seit zehn Jahren sucht die Stadt dafür mittlerweile nach einem geeigneten Ort, und je länger die Suche dauert, desto kleiner wird die Zahl der infrage kommenden Standorte. Einmal hätte man fast einen gefunden, am See, anstelle des heutigen Kongresshauses. Das Volk aber hat das Vorhaben abgelehnt; vielen erschien es zu wuchtig – weil der Platz selbst für das zurechtgestutzte Projekt zu klein war. Der Stadtrat stösst mit seinen Plänen überall an Grenzen – an die Stadtgrenzen. Die Stadt kann nicht in die Breite wachsen und nur stellenweise in die Höhe. Und für ein paar Wohnungen ganze Wälder abholzen oder den See aufschütten ist heute – anders als in den 60er-Jahren – nicht einmal mehr denkbar. Nur wirtschaftlich gross Little Big City holt Zürich wieder ein. In den 80er-Jahren, als sich Touristiker den Slogan ausgedacht hatten, wollte die kleine Stadt zu den ganz Grossen in Europa gehören. Heute gehört sie, an ihrer wirtschaftlichen Bedeutung gemessen, tatsächlich dazu, ist aber immer noch gleich klein. Und muss feststellen, dass ihr für die Prestigeprojekte und Infrastruktur, die für richtige Grossstädte selbstverständlich sind, schlicht der Raum fehlt. «We want it all» Das heisst: Raum wäre schon vorhanden, nur liegt der ausserhalb der Stadtgrenzen. Das weiss auch der Stadtrat nur zu gut. Wohnungssuchenden sagt er gerne, Zürich höre nicht an der Stadtgrenze auf. Wenn es aber um Prestigeprojekte geht, sind diese Grenzen plötzlich unüberwindbar. Ein Kongresszentrum am Flughafen? Eine neue Universitätsklinik in Stettbach? Ein Fussballstadion wo auch immer? War bis heute keine Option. Lieber hält es der Stadtrat mit der Rockgruppe Queen, denkt bei sich «We want it all, we want it now» und mostet alles in die kleine Grossstadt hinein. Platz für die Zukunft Aber was würde die Stadt verlieren, wenn sie zum Beispiel ein Stadion ausserhalb ihrer Grenzen bauen würde? Nichts. Die Agglomeration würde aufgewertet, und die Stadt bekäme den dringend benötigten Platz, um sich weiterzuentwickeln und mit den anderen Metropolen Schritt zu halten. Nur auf den ersten Blick erscheint es selbstlos, mit dem Umland zu teilen. Ein Kongresszentrum am Flughafen? War bis heute keine Option. Lieber mostet der Stadtrat alles in die kleine Grossstadt hinein.

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