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Neue Mächte und Pläne bei GC

Roland Leutwiler löst Urs Linsi als Präsident ab. Der Klub denkt nicht an die Challenge League, sondern an den Titel in vier Jahren. Von Ueli Kägi

Es ist noch gar nicht lange her, da war das Leben der Grasshoppers auch neben dem Platz geprägt von Meldungen über ihren Misserfolg: Sie wechselten Präsidenten, entliessen Manager, beurlaubten Trainer, und vor allem schlitterten sie von einer finanziellen Krise in die nächste. Seit der Zentralvorstand als Dachorganisation aller Sektionen aber im September 2009 direkt eingriff, klubpolitische Entscheide fällte und Urs Linsi als Sanierer einsetzte, ist die Fussball-abteilung Schritt für Schritt zurückgekehrt in den geordneten Betrieb. Gestern verkündete Linsi so strahlend wie stolz: «Alle Altlasten sind weggeputzt, GC ist schuldenfrei.» Und weil er seine Aufgabe erfüllt hat, macht er an der Spitze des Verwaltungsrates (VR) Platz für Roland Leutwiler. Der 49-jährige Finanzexperte Leutwiler kam 2005 via Donnerstag-Club zu GC, rückte später in den Verwaltungsrat der Fussball AG nach und war zuletzt treibende Kraft bei der Gründung des Owners Club. Bisher hielt der Zentralvorstand 100 Prozent der Fussball-Aktien, sein Präsident Andres Iten und Rolf Dörig waren die grossen Machthaber. Der Zentralvorstand beendet nun seine Einflussnahme, weil ein Erfolg versprechendes Konzept bestehe, wie Iten urteilt. Ins Zentrum der neuen Struktur rückt der Owners Club. Er sichert die finanzielle Zukunft des Klubs, übernimmt 51 Prozent der Aktien und will die Fussball AG in einer Holdingstruktur unter das Dach einer neuen Gesellschaft stellen (siehe untenstehenden Text). Die Kontrolle übernehmen die Owners am kommenden Dienstag an einer ausserordentlichen Generalversammlung. Owners Club: 20 Mitglieder Ursprüngliches Ziel war es gewesen, mindestens 16 Mitglieder zu finden, die bis 2014 pro Saison je 250 000 Franken bezahlen und dem Klub somit jährlich vier Millionen bereitstellen. Tatsächlich zählt der Owners Club jetzt 20 Mitglieder – bei allerdings angepassten Bedingungen: Die 250 000 Franken sind nicht mehr sakrosankt, werden aber von den meisten Mitgliedern bezahlt. Und möglich ist auch, dass mehrere Personen zusammen das Geld aufbringen und einen Vertreter für den Owners Club bestimmen. Gemein ist vielen Mitgliedern, dass sie nicht öffentlich genannt werden wollen, einzelne Namen sind aber bekannt (siehe unten). Linsi wird nach dem Rücktritt als VR-Präsident wieder Mitglied im Donnerstag-Club sein und sich «im Verhältnis zu meinen finanziellen Möglichkeiten beteiligen». Gemäss Leutwiler wird GC durch die Owners ab kommender Saison mit rund 5 Millionen Franken unterstützt, die bisherigen Gönnerorganisationen überweisen rund 2,5 Millionen. Aus ihrem eigenen Kreis generieren die Owners sämtliche Verwaltungsräte der beiden Aktiengesellschaften – mit einer Ausnahme: Der VR-Präsident der Fussball AG soll nach einer ersten Phase von aussen dazustossen, im Sinne einer Gewaltentrennung. In den ersten Monaten aber wird Leutwiler sowohl VR-Präsident der Muttergesellschaft wie auch der Fussball AG sein. Die Kündigung von Sforza Mit einem Budget von 16 Millionen Franken planen die Grasshoppers die nächste Spielzeit. Dank den Owners ist das bisherige strukturelle Defizit von 5 Millionen Franken gedeckt. Zudem verlangt die Campus AG als Betreiberin der Trainingsanlage in Niederhasli von der Fussball AG 1,5 Millionen Franken weniger für Miete und Betriebskosten – sie muss diese Mittel nun anderweitig generieren. Leutwiler war es wichtig, die Verbindungen zwischen Zentralvorstand, Fussball AG und Campus AG zu lösen, damit die Fussballer unabhängiger und wirtschaftlich weniger belastet funktionieren können. Und was die sportliche Seite angeht, ist für ihn klar, was die Basis von GC sein muss: die Nachwuchsabteilung. Sie soll das Super-League-Team mit Personal speisen. «House-of-Talents-Strategie» heisst das in seiner Sprache. Grössere Einkaufstouren für arrivierte Spieler schliesst er aus.Es würde am Engagement der neuen Geldgeber nichts ändern, wenn die Grasshoppers in der kommenden Saison in der Challenge League spielten. Nur gehen sie nicht von diesem Szenario aus. Der Owners Club hat einen Fahrplan erstellt: GC hat drei Jahre Zeit, um sich auf die Plätze 3 bis 5 zu verbessern. Und GC hat vier Jahre Zeit, bis es wieder um den Titel mitspielen soll. Das ist ein ambitioniertes Ziel, wenn das Budget bei 16 Millionen Franken stehen bleibt. Den grössten Konkurrenten aus Basel, Bern und Zürich stehen mindestens 23 Millionen Franken oder gar deutlich mehr zur Verfügung.Ciriaco Sforza soll die Mannschaft in die Zukunft weiterführen, und deshalb wartet auf Leutwiler schon die erste Aufgabe. Sforza hat im Gegensatz zu den Marktgewohnheiten einen normalen Arbeitsvertrag mit dreimonatiger Kündigungsfrist. Und um alle Optionen offenzuhalten, haben er und seine Vertrauten aus dem Trainerstab auf das Saisonende hin gekündigt. Leutwiler: «Mit Bescheidenheit», Seite 55

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