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Mysteriöse Anrufe

Kolumne Thomas Bacher In der Schweiz, in der alle gleich sind, gibt es nur ein Kriterium, das die Reihenfolge festlegt: der Nachname. Meiner fängt mit B an, was bedeutet, dass ich immer der Erste bin oder zu den Ersten gehöre. Bei der Aushebung für die RS hat das seine Vorteile. Wenn man da gleich zu Beginn erklärt, man werde alle Vorgesetzten erschiessen, sobald man das Sturmgewehr in den Händen halte, nimmt das der Truppenarzt noch ernst, weil ers an dem Tag noch nicht x-mal gehört hat. Ein Nachteil ist das B bei Vorführungen aller Art, bei denen man sich dann als Erster blamieren darf. Auch von mysteriösen Anrufen aus dem Hosensack ist man häufiger betroffen. Ich habe einen Kollegen, dessen Schlüsselbund regelmässig die Tastensperre des Handys aufhebt und den ersten Kontakt im Telefonbuch wählt – mich. Ich hörs dann klimpern und weiss: Aha, der Schlüsselbund. Auch aus dem Hosensack eines anderen Kollegen bekomme ich häufig Anrufe. Doch statt Klimpern höre ich nur ein leises Atmen. Ich vermute, es ist sein Sie-wissen-schon. Der Kleine wohnt ja gleich nebenan und erlaubt sich vielleicht einen Telefonscherz. Oder er ist zu scheu, um mit mir zu sprechen. Dabei liessen sich mit einem wie ihm sicherlich interessante Gespräche führen: «Hallo, wie gehts?» – «Gut, danke, wenn nur das miese Wetter nicht wäre.» – «Wem sagst du das, ich bin auch schon depressiv.» – «Also machs gut.» – «Tschau.» Allerdings sollte man schon darauf achten, dass die Tastensperre nicht so leicht aufzuheben ist. Denn Ferngespräche sind teuer. Meiner versucht sich zum Beispiel seit Tagen zur deutschen Bundeskanzlerin durchzuwählen. Er hat festgestellt, dass das Wetter so schlecht ist, seitdem die Deutschen den Kachelmann verhaftet haben, und will sich jetzt beschweren. Recht hat er. Aber er soll E-Mails schreiben, das ist billiger.

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