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Mit Schmerzen, aber ohne Sorgen auf die Matte

Der Zürcher Judoka Micha Egger ist hungrig auf ein Topresultat an der EM in Istanbul. Sonst aber muss er seinen Appetit zügeln.

Von Deborah Bucher Bei der Abreise gestern Morgen warenes noch 800 Gramm, die Micha Egger an Übergewicht mitschleppte. Das ist keine Anspielung auf sein Gepäck, das beim Check-in am Flughafen Kloten minim über dem Limit lag. Dagegen schlug bei der Anzeige auf der Personenwaage das Pendel leicht nach oben aus. «Am Montag waren es sogar noch 2 Kilogramm zu viel. Mehr als die Hälfte davon habe ich sozusagen über Nacht und ohne grosses Zutun verloren», beruhigt der bald 30-Jährige. Die exakt 81 kg, die der Gewichtsklasse entsprechen, in welcher der Zürcher Judoka antritt, werden erst morgen Freitag beim Wiegen unmittelbar vor dem Wettkampf verlangt. «Bis zur Abnahmekontrolle lässt sich das Gewicht problemlos regulieren. Ich esse ein bisschen weniger, reduziere die Flüssigkeitszufuhr und bewege mich etwas mehr», sagt Egger. Bestimmt müsse er nicht zu Radikalmassnahmen greifen, die bei der Konkurrenz verbreitet seien. Wie etwa: kurzfristige und schweisstreibende Joggingrunden in der Winterausrüstung oder mit Gewichtsmodulen. Ein anderes Erschwernis lässt sich nicht so leicht wettmachen: Der Kämpfer des JC Wetzikon zog sich Ende März in der Nähe von Ankara, in der ersten von drei Wochen Intensivvorbereitung, eine Verletzung an der Zehe zu. «Eine schmerzempfindliche Stelle», klagt er. Ein stabiles Tape soll seine dritte Teilnahme an einem EM-Turnier nach 2005 in Rotterdam (Ho), 2006 in Tampere (Fi) und einer anschliessend langen Durststrecke – auch körperlichen Beschwerden wegen – gleichwohl ermöglichen. «Ich werde noch etwas mehr auf die Zähne beissen müssen als üblich.» Das Ziel liegt in weiter Ferne Ran Grünenfelder, der Assistenztrainer im Schweizer Nationalteam, das mit acht Athleten an die kontinentalen Titelkämpfe gereist ist, vermutet im Handicap von Micha Egger keinen Nachteil: «So etwas muss er auf der Matte ausblenden können, wenn er auf höchstem Niveau bestehen will.» Deshalb korrigierte er die Zielsetzung für seinen Schützling nicht. Er habe eine effektive Vorbereitung mit starken Anhaltspunkten hinter sich, vermeldet Grünenfelder. «Kann er diesen Eindruck bestätigen, ist der Vorstoss in die Top 7 realistisch.» Eine solche Klassierung wäre für den Sicherheitsbeauftragten am Flughafen nicht nur wünschenswert, sondern dringend nötig, möchte er seinen Kurs Richtung Olympische Spiele 2012 in London weiterhin einhalten. Nach der EM in Istanbul (Tür) endet der erste Qualifikationszyklus, in dem alle errungenen Punkte zu 50 Prozent zählten. Fortan fliessen die fünf besten Resultate voll in die Wertung. Egger, Sohn eines Schweizers und einer Inderin, punktete im Weltcup erst zweimal wertvoll: im Vorjahr mit Rang 3 in Lissabon und im Februar als 5. in Warschau. Mit dieser Leistung schaffte er die EM-Selektion und verdaute seine herbe Enttäuschung beim WM-Debüt im letzten September in Japan. Damals musste er nach 1:38 Minuten und einer Disqualifikation infolge eines Regelverstosses seine Ambitionen begraben. Aktuell liegt Egger in der Weltrangliste an Position 78 und damit meilenweit von Olympia entfernt. Einen Startplatz werden sich die 22 Besten ergattern können – unter Berücksichtigung davon, dass pro Land nur eine Vertretung zulässig ist. Im nach Nationen bereinigten Ranking ist der frühere EM-Dritte auf Juniorenstufe knapp in den Top 50 angelangt. «Es fehlt viel, aber zuzutrauen ist ihm dieser Sprung», mutmasst Grünenfelder. Es würde sich dabei um eine gewichtige Herausforderung handeln. Micha Egger: Gefragt ist noch etwas mehr Biss als gewöhnlich. Foto: EQ Images

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