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Mit Casanova in der Kutsche

Reprise: La nuit de Varennes von thomas bodmer Historienfilm Sie ist wirklich wunderschön, die neue Hure, die dem Schriftsteller Rétif de la Bretonne da in einem Bordell gezeigt wird. Doch gerade als er sich zu ihr legen will, hört er, dass sich im Königspalast mitten in der Nacht sonderbare Dinge tun: Höflinge tragen Kisten in Kutschen. Kann es sein, dass der König mit seiner Familie zu fliehen versucht? Noch grösser als Rétifs Geilheit ist seine Neugier, und so macht er sich auf zum Palast. Wir befinden uns im Juni des Jahres 1791. Vor fast zwei Jahren stürmte die Pariser Bevölkerung das Bastille genannte Staatsgefängnis, danach erhoben sich die Bauern, und im August 1789 erfolgte die Erklärung der Menschenrechte. Es misslingt Rétif (Jean-Louis Barrault), dieselbe Kutsche zu nehmen, in die unter anderen eine schöne Adlige (Hanna Schygulla) gestiegen ist sowie der Amerikaner Tom Payne (Harvey Keitel), Autor eines Buchs über die Menschenrechte. Doch als Rétif der Kutsche hinterherreitet, macht er dafür die Bekanntschaft des berüchtigten Casanova, der in einer winzigen Kutsche unterwegs ist. Gespielt wird dieser von Marcello Mastroianni, der dem alt gewordenen Wüstling Weisheit und Abgeklärtheit verleiht. Das ist ein ganz anderer Mann, als der mechanische Ficker, den Fellini 1976 in seinem «Casanova» blossgestellt hat.In immer neuen Konstellationen lässt Regisseur Ettore Scola die verschiedenen Protagonisten einander begegnen, und obschon er selbst politisch links steht, sind die Adligen und andere Reaktionäre bei ihm nicht platte Karikaturen, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, deren Angst vor dem Verlust ihrer Privilegien man durchaus nachvollziehen kann. Scolas 1982 entstandener «La nuit de Varennes» ist nicht so bildgewaltig wie Fellinis «Casanova», aber dafür viel menschlicher und wärmer. In einer der schönsten Szenen verliebt sich eine Champagnerherstellerin (Andréa Ferréol) in Casanova, doch dieser weist sie zartfühlend darauf hin, dass ihre Gefühle wohl nicht dem tatsächlich vor ihr stehenden Greis gelten, sondern dessen Namen und Reputation.Mastroianni war nicht nur Fellinis, sondern auch Scolas Lieblingsdarsteller, und ebenfalls diese Woche kann man ihn in «Che ora è?» sehen als Vater eines jungen Mannes, den der viel zu früh verstorbene Massimo Troisi spielt. In einer Szene von funkelnder Peinlichkeit fragt der Vater tatsächlich des Sohnes Freundin, wie sein Sprössling sich denn so im Bett mache. Wunderbar! Hätten Sie ihn erkannt? Das ist Marcello Mastroianni als alter Casanova, der eine Frau nicht enttäuschen will. «La nuit de Varennes»: Mo 15 Uhr«Che ora è?»: So 24.4., 15; So 1.5., 20.45; Fr 13.5., 20.45 Uhr «La nuit de Varennes»: Mo 15 Uhr«Che ora è?»: So 24.4., 15; So 1.5., 20.45; Fr 13.5., 20.45 Uhr Bild: zvg

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