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Mit Scheinwerfer aus 1. Weltkrieg

Der Scheinwerfer auf dem Harder beleuchtete am Mittwoch während einer Viertelstunde das Bödeli – zum sechsten Mal in diesem Jahr. Das starke Licht soll die Touristen auf den Hausberg Interlakens

«Mal sehen, ob er antwortet», sagt Werner Amacher, und er zündet mit dem gebündelten Lichtstrahl zur Breitlauenen hinüber. Er selber steht vis à vis davon – im Dachgeschoss des Bergrestaurants auf Harder Kulm (1322 m Ü M.). Mit seinen Händen steuert er einen hundertjährigen, riesigen Scheinwerfer von 80 Zentimetern Durchmessern: «Es ist nämlich schon öfters vorgekommen, dass der Breitlauener Stationsvorstand Paul Künzli auf meine Lichtzeichen reagiert und mit einer starken Handlampe ebenfalls hinüber gezündet hat», sagt Werner Amacher. Das Bödeli erhellen Für den Betriebsleiter der Harderbahn ist der auf massiven Leitschienen aufgebaute, 200 Kilo schwere Navigationsscheinwerfer aus Deutscher Qualitätsarbeit aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ein nützliches Mittel, die Touristen in Interlaken auf «seinen» Berg aufmerksam zu machen: «Etwa ein halbes Dutzend Male pro Sommer steige ich hier hinauf, um im Bödeli unten während einer Viertelstunde die Sonne aufgehen zu lassen, auch wenn es nur diese künstliche ist», sagt Werner Amacher. «Aber die Reaktionen auf dem Höheweg zeigen schon, dass die Touristen, aber auch Einheimische diese starke Lichtquelle durchaus wahrnehmen und attraktiv finden. Und durch die Anwendung dieser alten, faszinierenden Technik möchte ich die Tradition aufrecht erhalten.» Wettrüsten um Lichter Der Scheinwerfer auf dem Harder hat eine sehr lange Geschichte. So wurde er schon nach dem Ersten Weltkrieg hier hinauf gebracht. Durch wen und wann kann heute nicht mehr eruiert werden. Aber der ehemalige, heute pensionierte Mediensprecher der Jungfraubahnen, Peter Wenger, weiss: «Zu dieser Zeit gab es auf den Berggipfeln des Oberlandes und der restlichen Schweiz ein regelrechtes Wettrüsten um Lichtquellen, um die Berge touristisch buchstäblich ins rechte Licht zu rücken. Solche Scheinwerfer waren quasi die Vorgänger der heutigen Gipfellichter.» Der Kriegsschiff-Navigationsscheinwerfer wurde übrigens in den Jahren auf dem Harder mehrmals verwaist und später immer wieder von Liebhabern technisch aufgerüstet. Die letzte Revision erfuhr das Gerät letztmals im vergangenen Jahr. Licht aus Kohlestäben Das alte Relikt, das mit seinem starken, gebündelten Lichtstrahl bis zu einer Distanz von fünf Kilometern schon mal alles im Tal unten taghell erleuchten lässt, wird nicht etwa mit einer Glüh- oder gar Halogenbirne betrieben, sondern durch zwei runde, zylindrische, unter Strom stehende Kohlestäbe. Diese an ihrem Ende zugespitzten Stäbe werden dabei so nahe zueinander geführt, bis ihre Pole ihre Spitze erglühen lassen und auf diese Weise das starke Licht erzeugen, das sich mit einer Leistung von mehreren tausend Watt vergleichen lässt. Kohlestäbe werden rar Diese Kohlestäbe sind denn auch der Grund, warum der Scheinwerfer nicht beliebig lang betrieben werden kann: «Die Stäbe nützen sich schnell ab, der Vorrat an Stäben wird allmählich kleiner und sie sind immer schwieriger aufzutreiben», sagt Werner Amacher. Übrigens – Stationsvorstand Paul Künzli von der Breitlauenen drüben hatte an diesem Mittwochabend nicht mehr geantwortet...Bruno Petroni>

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