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Lindt & Sprüngli arbeitet auf eine Nachfolgeregelung hin

Der Hersteller von Premium-Schokolade erweitert die Konzernleitung und rüstet sich für kräftige Expansion.

Von Romeo Regenass, Kilchberg Nach dem krisenbedingten Rückschlag 2009 ist der Hersteller von Premium-Schokolade wieder besser unterwegs, aber noch nicht zurück auf dem Niveau von 2007 und 2008. Das hat auch mit dem starken Franken zu tun. Zu Wechselkursen von 2006 wäre Lindt heute bei fast 3 Milliarden Franken Umsatz. Nun sind es 2,58 Milliarden. Doch das reale Wachstum von 7,3 Prozent liegt im Zielkorridor von 6 bis 8 Prozent. Ähnlich ist auch der Reingewinn von 242 Millionen einzuschätzen: Er legte stark zu, war in den besten Jahren aber noch höher. Nun will Konzernchef und Präsident Ernst Tanner einen Gang höher schalten und bis 2017 mit 1,5 Milliarden gleich viel Umsatz hinzugewinnen, wie er zuvor in gut 15 Jahren geschafft hat. Gleichzeitig soll die Produktion von Schokolade um 50 Prozent erhöht werden. Vorerst soll das Wachstum in Europa und den USA erfolgen, ab 2017 auch in Schwellenländern. Für den Wachstumsschub gibt es neu eine erweiterte Konzernleitung mit Managern, die allesamt 14 und mehr Jahre für Lindt tätig sind: Kamillo Kitzmantel ist Landeschef Schweiz und zuständig für das Kompetenzzentrum Schokolade, das über die nächsten drei bis fünf Jahre in Kilchberg realisiert werden soll. Hier wird auch die Produktion ausgebaut; insgesamt entstehen bis zu 100 neue Stellen. Rolf Fallegger, Adalbert Lechner und Andreas Pfluger sind verantwortlich für mehrere Auslandmärkte und jeweils mindestens einen Produktionsbetrieb. «Mr. Lindt» Ernst Tanner feiert dieses Jahr seinen 65. Geburtstag, und früher oder später wird er kürzertreten, auch wenn noch nichts spruchreif ist. Es ist davon auszugehen, dass sein Nachfolger aus der achtköpfigen Konzernleitung stammen wird, die im Schnitt seit beinahe 17 Jahren für Lindt arbeitet. Vom Alter her kommt für den Chefposten jeder infrage, wobei Finanzchef Dieter Weisskopf und Verkaufschef Uwe Sommer mit 55 Jahren die ältesten im Team sind. Jüngstes Mitglied ist Rolf Fallegger mit 47 Jahren. Er leitet die Märkte Frankreich, Grossbritannien, Russland und Polen und hätte vom Alter her die längste Führungsperspektive. Weltweit eigene Läden Laut Tanner kommt auf Lindt mit der geplanten Expansion eine Menge neuer Aufgaben zu, etwa Verhandlungen mit lokalen Organisationen vor Ort. Lindt werde sich dort zunehmend von Distributoren trennen und eigene Vermarktungsorganisationen aufbauen, um die Marke zu etablieren. Dazu will man ein weltweites Netz von eigenen Boutiquen und Schokolade-Cafés schaffen. Das alles bringt für die Manager vermehrte Reisen mit sich; diese sollen in Zukunft auf mehr Personen verteilt werden. «Wie immer in den letzten Jahren», so Tanner, wird Lindt dazu auch den Werbedruck erhöhen und zwar auch mittels E-Mails und auf modernen Kanälen wie Facebook. Ebenfalls «wie immer» gibt es dazu allerdings keine konkreten Zahlen. Optimierungsbedarf sieht Lindt beim Produkteauftritt: «50 verschiedene Verpackungen zum Valentinstag schaffen enorme Komplexitäten», sagt Tanner. «Bei der Dezentralisierung sind wir bisher etwas zu weit gegangen.» Wer 50 Prozent mehr Schokolade produzieren will, braucht entsprechende Kapazitäten. In den USA sind sie erst gerade geschaffen worden, die gilt es nun voll zu nutzen. Bedarf sieht Tanner zudem bei den Produktionsanlagen für Lindor-Kugeln sowie solchen für Hohlkörper wie die Oster-Goldhasen. Laut Geschäftsbericht gehörte Ernst Tanner auch 2010 zu den bestverdienenden Managern des Landes. Als Konzernchef erhielt er mit Fixlohn, Bonus, Optionen und Aktien insgesamt 6,999 Millionen Franken. Das Präsidentenamt wurde mit zusätzlichen 260 000 Franken entschädigt, sodass 7,26 Millionen Gesamtgehalt resultieren. Im Unterschied zur UBS (siehe oben) kann der Lindt-Aktionär aber auch zufrieden sein: Seit 1992, dem Jahr vor Tanners Amtsantritt, ist die Aktie von 2800 auf 30 100 Franken gestiegen.

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