Zum Hauptinhalt springen

Lieber büffeln als arbeiten

Jugendliche des Bezirks schnuppern im Ferienjob erstmals Berufsluft. Nicht wenige kommen dabei richtig auf die Welt und freuen sich, nach ein paar Wochen wieder die Schulbank drücken zu können.

Von Simona Triet Eine Menschenschlange hat sich vor der Kasse gebildet. Das Förderband surrt. Routiniert scannt die Verkäuferin die Waren, nennt den Preis und nimmt die Banknote entgegen. Mit einem müden Lächeln lässt sie dem Kunden das Retourgeld in die offene Hand fallen und verabschiedet sich mit einer Standardfloskel. Der Nächste ist dran. Sie reibt sich den vom Sitzen verspannten Nacken. Seit drei Wochen macht die 19-Jährige einen Ferienjob beim Schweizer Discounter Denner. Da es ihr unangenehm, beinahe etwas peinlich sei, dass sie im Denner arbeitet, möchte die Studentin aus Küsnacht nicht mit Namen genannt werden. Es ist ihr erster richtiger Ferienjob. Dieser hat sie unsanft in die Realität des Arbeitsalltages katapultiert. «Der erste Tag war am schlimmsten», erinnert sich die junge Frau. Mit der Situation sei sie überfordert gewesen. Die Kunden hätten ungeduldig reagiert, wenn sie einen Tippfehler machte oder kurz nach der richtigen Zigarettenmarke suchen musste. Mittlerweilen haben sich ihre Handgriffe automatisiert. Körperlich sei sie am Ende des Tages jeweils völlig geschafft, geistig aber unterfordert, sagt die Studentin, die in einem roten T-Shirt des Discounters hinter der Kasse sitzt. Zu schaffen mache ihr auch das Umfeld, in dem sie während der Sommerferien arbeite, sagt die Küsnachterin. Kaum hätten die Alkoholiker ihr Billigbier oder die Flasche Wein bezahlt, öffneten sie auch schon den Verschluss und nähmen einen grosszügigen Schluck daraus. Doch allmählich habe sie sich daran gewöhnt und könne damit umgehen. Schlaue Kassiererin Noch immer nicht umgehen könne sie aber mit den abwertenden Blicken, die ihr oft zugeworfen werden. «Viele Kunden denken, ich sei dumm. Sie wissen nicht, dass ich an der Uni studiere». Trotz allem möchte die Studentin den Sommerjob, der ihre Ferien finanzieren soll, nicht schlechtreden. Sie könne sich sogar vorstellen, während des Studiums sporadisch im Denner auszuhelfen. Um das Taschengeld aufzubessern oder Berufsluft zu schnuppern angeln sich auch andere Schüler und Studenten der Goldküste Ferienjobs. So auch Seraina Bötschi, die während ihrer Sommerferien für eine Woche Besen und Waschlappen in die Hand nahm. Die 17-Jährige besucht die Kantonsschule Küsnacht, putzte in den Ferien aber das katholische Pfarreizentrum der Seegemeinde. «Wir schrubbten Tische, die so gross waren wie mein Bett», sagt sie und lacht. Nach einer Woche wischen, fegen und sauber machen hatte Seraina aber ziemlich genug. Die Schulbank drücken sei dann doch angenehmer als arbeiten. Daniela Waechter hingegen sieht ihren Ferienjob als ideale Abwechslung zum Schulalltag. Respekt vor den Bauarbeitern Zwei Wochen lang arbeitet die 17-Jährige Küsnachterin im Sanitärgeschäft ihres Onkels. Ihre Aufgabe besteht im Abtippen von Zahlen und Tabellen. Die Eintönigkeit der Arbeit störe sie aber nicht, sagt Waechter. Einzig die zehn bis 15 Minuten Pause, die in der Schule alle 45 Minuten anfallen, könne sie im Ferienjob nicht einfordern. Mit dem Geld, das sie im Sommer verdient, möchte sich Daniela einen neuen Roller kaufen. Mitte September nimmt Max Krähenbühl das Jurastudium auf. Momentan hat er aber noch den Posten eines Bauarbeiters inne. Für eineinhalb Monate schuftet er an der Beef in Meilen und hilft beim Auf- und Abbau des Weidfestes. Am Abend sei er jeweils völlig kaputt, sagt der 18-Jährige. Eine solch strenge körperliche Arbeit habe er zuvor noch nie verrichtet. Bereits an seinem zweiten Arbeitstag zollt er den Bauarbeitern Respekt. Vielen Leuten sei nicht bewusst, welche Leistungen sie erbringen, sagt der Küsnachter. «Das Schönste an meinem Ferienjob ist, dass ich am Abend sehe, was ich geleistet habe.» Max Krähenbühl packt in seinen Sommerferien kräftig an. An der Beef in Meilen hievt der Student Bretter. Foto: Silvia Luckner

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch