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LehrermangelErste Hilfe für Schulen im Dauerstress,TA vom 12. März

LehrermangelErste Hilfe für Schulen im Dauerstress,TA vom 12. März Jetzt werden Mütter vertrieben. Ich unterrichte seit mehr als zehn Jahren an der Sek B. Seit ich Kinder habe, nur noch mit einem kleinen Pensum – momentan 9 Lektionen. Warum gerade neun? Würde ich nur eine Lektion mehr unterrichten, wäre ich verpflichtet, an allen Sitzungen, Weiterbildungen, Arbeitsgruppen etc. teilzunehmen, was einige Stunden Mehrarbeit pro Woche bedeuten würde. Dazu kämen die Kosten für die Kinderbetreuung, wenn Weiterbildungen an meinen unterrichtsfreien Tagen stattfinden. Nachdem man viele Männer aus dem Lehrerberuf vertrieben hat, sind jetzt die Mütter dran, die ihre Kinder zum Teil selber betreuen und doch dem Beruf treu bleiben wollen. Soll die Schule von Maturanden übernommen werden, die vor dem Studium ein Jahr jobben wollen? Bis sie merken, dass sie wegen der vielen Sitzungen über Mittag nicht mal ihre 100 Franken Essensgeld ausgeben können? Andrea Ahmadi, Zumikon Fächergruppenlehrkraft abschaffen. Endlich hat auch die Zürcher Bildungsdirektion erkannt, dass es in Sachen Pensengrösse der Lehrkräfte an den Primarschulen nicht so weitergehen kann. Das ambitiöse Ziel, ein Unterrichtsminimum von zehn Lektionen vorzuschreiben, dürfte allerdings äusserst schwierig umzusetzen sein. Einerseits sind schon zu viele Lehrpersonen auf ihre kleinen Pensen fixiert, und andererseits bleibt den Schulpflegen oder der Schulleitung oft gar nichts anderes übrig, als mittels Kleineinsätzen von Aushilfen gewisse «Löcher» in den Stundenplänen zu stopfen. Anzugehen ist deshalb dringend das Hauptproblem, und dieses liegt bei den pädagogischen Hochschulen, wo man seinerzeit auf die absurde Idee der so- genannten «Fächergruppenlehrkraft» gekommen ist. Mit dieser Art Ausbildung, welche nicht mehr alle angehenden Primarlehrerinnen und -lehrer befähigt, den ganzen Primarschulstoff zu unterrichten, hat der Schlamassel begonnen. Denn es ist doch klar, dass «Soll» und «Haben» bei der Fächerabdeckung in vielen Fällen nicht aufgeht und dann eben zwangsläufig die verpönten Kleinpensen für Restposten eingesetzt werden müssen. Fazit also: raschest möglich die entsprechenden Gesetze oder Verordnungen ändern, die jungen Leute an der PH wieder für alle Primarschulfächer ausbilden und das unglückliche Intermezzo mit der Fächergruppenlehrkraft vergessen. Oskar Meier, Bazenheid Mehr Professionalität an der PH. Es herrscht Lehrermangel im Kanton Zürich. Aber deswegen gleich den Notstand an den Schulen ausrufen? Der Respekt vor den Erdbebenopfern in Japan – um nur ein aktuelles Beispiel zu nennen – verbietet es meiner Meinung nach, diesen Begriff für die Probleme an unserer Schule zu verwenden. So schlimm kann es wirklich nicht sein, besetzte die Pädagogische Hochschule für ihren ersten Quereinsteiger-Studiengang, der Anfang März begonnen hat, doch nur 76 von den 100 zur Verfügung stehenden Plätzen. Ich war eine von den Bewerberinnen, die zum Assessment zugelassen wurden – ex-trem motiviert, begeistert von der Idee, Primarschülerinnen und –schüler zu unterrichten, zehn Jahre Leiterinnenerfahrung bei den Pfadfindern, sechs Jahre Unterrichtserfahrung an der Universität Zürich – und wie alle anderen auch bereit, ein halbes Jahr auf Lohn zu verzichten. Bis heute weiss ich nicht, wieso ich abgelehnt wurde. Die Verantwortliche meinte dazu: «Die Gründe kann ich Ihnen nicht nennen, schliesslich war ich beim Gespräch nicht dabei.» Vielleicht würde etwas mehr Professionalität an unserer PH den «Notstand» mildern helfen. Und vielleicht werde ich künftig ganz ohne Ausbildung als Nichtlehrerin an einer Primarschule unterrichten. Mirella Schütz, Winterthur Notnagel-Politik. Lehrer finden ist schwer. Die Folge: Notlösungen am Laufmeter. Zur Bekämpfung des Lehrermangels ist neu vorgesehen, die kantonale Anerkennung für den Schulischen Heilpädagogen bereits nach 1800 Stunden (statt bisher 3300 Stunden) Ausbildung zu erteilen, Lohngleichstellung inklusive. Die Studierenden werden richtiggehend eingeladen, ihre Ausbildung abzubrechen. Schlimmer noch: Es ermöglicht allen bisher als «ungeeignet» erachteten Personen, welche durchgefallen sind, – bei vollem Gehalt – im Kanton Zürich zu arbeiten. Dieser Lösungsansatz birgt einen Trugschluss: Die Lehrer laufen bereits jetzt scharenweise davon, weil es für sie anscheinend nicht stimmt. Sinnvoller und kostengünstiger wäre es, die Abwanderung zu bremsen, statt immer neue und schlechter ausgebildete «Notnägel» nachzuschieben. Paula Innerhofer, Dinhard Plötzlich reicht Blitzausbildung. Es ist löblich, dass jetzt Mittel und Wege gesucht werden, um die brisantesten Schulprobleme zu entschärfen. Das Festlegen eines Lektionenminimums war überfällig und dürfte sich auch als Abhilfe bei der Klassenlehrermisere positiv auswirken, aber gleichzeitig sollte unbedingt die PH über die Bücher gehen und die Primarlehrkräfte wieder für alle Fächer ausbilden. Kürzlich las man ehrfurchtsvoll, dass angehende Pädagogen jahrelang ausgebildet werden müssen, weshalb es jetzt sehr erstaunt, wie plötzlich im Blitztempo der Weg hinter das Lehrerpult bewältigt werden kann. Und obwohl laufend Forderungen nach immer mehr Stoffvermittlung in der Schule auftauchen und zugleich an der zweiten Fremdsprache in der Primarschule festgehalten werden soll, plant man den Abbau von zwei Stunden für die Kinder. Schliesslich sollen fortan Schulleiter wirken können, die nicht vom Fach sind, was erst recht verwundert, denn pädagogische Entscheide zu treffen, ist für Leute, die nie selber in Schulstuben standen und mit Kindern tätig waren, überaus heikel. Hans-Peter Köhli, Zürich «Nachdem man viele Männer aus dem Lehrerberuf vertrieben hat, sind jetzt die Mütter dran, die ihreKinder zum Teil selber betreuen.»

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