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Kehr schnitzt Möbel aus Wildholz

Möbel aus Wildholz von Gert Kehr sind dieses Jahr die besondere Attraktion an der Keramikausstellung in Uetendorf.

Gert Kehr ist ein fröhlicher, naturverbundener Mensch. Mit leuchtenden Augen erzählt er, wie er seine Stämme am Rande des Naturparkes im Thüringer Wald sucht. Er holt sich Stämme mit Durchmessern von daumendick bis etwa 12 Zentimetern. Diese trägt er nach Hause, wo er sie schält und zirka vier Jahre trocknen lässt. Aus diesen, manchmal geraden, oft aber verbogenen Stämmen entstehen seine Wildholzmöbel, vor allem Stühle, auch Tische, Betten, Kindermöbel fertigt der gelernte Schreiner/Zimmermann. Der erste Stuhl aus den USA Gert Kehr besass lange einen Hocker aus Wildholz, den er bei jedem Umzug mit sich nahm. Auf einer Reise in den USA entdeckte er, dass diese Möbel früher weit verbreitet waren und jetzt in einem Volkskundemuseum sind. Er untersuchte die Möbel auf ihre Machart. Er wollte wissen, wie die Stämme verbunden waren. Zurück in Deutschland, studierte er Bücher und begann mit der Herstellung von Möbeln, wobei ihm mancher Irrtum unterlief und er von vorne beginnen musste. Zugute kam ihm, dass ihm als Restaurator von Kirchen und Gebäuden die alten Techniken vertraut waren. Wildholzmöbel werden nicht genagelt, sondern verfügen über gezäpfte Verbindungen. Gert Kehr sucht für jedes Stück die passenden Stämme, tauscht oft etwas aus. Für die Herstellung eines Wildholzstuhls benötigt er rund vier Tage. Den Glanz erhalten die Möbel durch Hanföl, das gut ins Holz einzieht. «Immer etwas lernen» Gert Kehr ist in der ehemaligen DDR aufgewachsen und machte dort seine Ausbildung. Dann wollte er auf die Walz gehen, doch das war damals verboten. So arbeitete er mehrere Jahre als Kirchenrestaurator. Als die Mauer endlich fiel, war er bereits dreissigjährig und nach den Satzungen der Zunft zu alt, um noch auf die Walz zu gehen. Kehr liess sich aber nicht abhalten. Sinngemäss ging er trotzdem auf die «Walz». Zunächst nach Hessen, wo ihn bei einem Schreiner vor allem interessierte: «Was machen sie dort, wie machen sie es», wie er sich ausdrückte. Die Maschinen, die er in diesem Betrieb sah, waren angeblich schon alt, dennoch viel moderner, als was Kehr bereits kannte. Sein Wandertrieb führte ihn schliesslich auch in die Schweiz, zuerst nach Zürich, dann an den Genfersee und nach Uetendorf. Letztes Jahr lernte er Rolf Mösching, Inhaber der Töpferei Mösching in Uetendorf, kennen. Dieser war von Gert Kehr, seiner Partnerin Sigrid Urbig und ihren Produkten begeistert und lud beide ein, dieses Jahr an der Keramikausstellung in seinem Obstgarten teilzunehmen. Sigrid Urbig zeigt Taschen und Decken in Patchworktechnik. Wenn Gert Kehr wieder einmal auf die «Walz» geht, so verbindet er damit den Wunsch, noch mehr Neues zu lernen, neue Leute oder Kulturen kennen zu lernen. Dass er dabei, wenn er in der Schweiz arbeitet, auch Geld verdienen kann, ist heute für ihn ebenfalls wichtig, denn, sagt Kehr: «In Deutschland geht es der Wirtschaft gar nicht gut, und ich bin froh um den Verdienst.» Margrit KunzKeramikausstellung in Uetendorf, Allmendstrasse 30, Uetendorf; Öffnungszeiten: Samstag, 22.August, 10 bis 20 Uhr. Sonntag, 23.August 10 bis 17 Uhr. >

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