Zum Hauptinhalt springen

Im kühlen Schatten des Lindenbaums

Ausgabe vom 27.August Leserbriefe zur Behandlung von Brustkrebs Wenn das Schicksal erbarmungslos und ohne Vorwarnung eine heisse Wüstenwanderung vorsieht, sehnt man sich nach kühlem Schatten unter dem mächtigen Lindenbaum. Dort, wo die müde Seele Ruhe findet. Ich sitze nach einer harmlosen Brustoperation im Sprechzimmer meines Frauenarztes und empfange die Hiobsbotschaft, vor welcher sich jede Frau fürchtet. Das hässliche Wort Brustkrebs brennt sich tief in mein Herz. Aus der Ferne höre ich etwas von Glück im Unglück und Anfangsstadium. Welch ein Hohn, in dieser Not von Glück zu sprechen! Wie gelähmt verlasse ich das Sprechzimmer, und mir wird bewusst, dass ich vielen lieben Menschen mitteilen muss, was mir soeben widerfahren ist. Nichts wird mehr so sein wie bisher. Das Bewusstsein, dass ich weiterleben darf, lässt mich erst viel später über das Glück im Unglück nachdenken. Die folgenden Bestrahlungen machen mir Angst – Angst vor dem Alleinsein im weissen Raum während der Bestrahlungszeit. Wie froh bin ich, dass ich eine Oase in der Wüste finde: das Berner Spital Lindenhof. Sechs Wochen lang durchreise ich fünfmal in der Woche die heisse Wüste zur Lindenbaum-Oase. Erbarmungslos verbrennt mir die Sonne die Haut. Doch in der Oase gibt es Lindenbäume mit rot gestrichenen Bänken. Unter dem Blätterdach ist es kühl. Für einen Moment finde ich dort Ruhe. Ruhe verbreiten auch die hilfsbereiten «Elfen» in der Oase. Ihr freundliches Lächeln und ihre Geduld helfen mir, die Angst besser zu ertragen. Und, wenn ich am Verdursten bin, darf ich mich bei Frau Dr. H., die für Seelenwunden zuständig ist, mit kühlem Seelenwasser erfrischen. Für das körperliche Wohlbefinden gibt es noch eine «Fee», Fr. Dr. L. Ihre Fürsorge und ihre Ratschläge begleiten mich. Sie versorgt mich mit Verbandsstoff und kühlender Salbe gegen die Verbrennungen und tröstet mich in meiner Not. Beim Empfang werde ich mitfühlend von einer gepflegten Frau mit einem Lächeln begrüsst. So wird die Lindenhof-Oase zu einem Erlebnis, das ich nie mehr vergessen werde. Es sind seither viele Wochen vergangen. Noch führt mich der Weg hin und wieder zu dieser Oase. Auf einer Bank im Schatten des Lindenbaumes schöpfe ich neue Kraft. Und heute bin ich dem Schöpfer dankbar für das Glück im Unglück. Marianne GertschBüren a. A.>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch