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Ihn bringt nichts mehr aus der Ruhe

Nicolas Lätt war der beste

«Mir geht es hier sehr gut», sagt der Exil-Solothurner Nicolas Lätt und gerät von seinem Wohnort Gross am Sihlsee beinahe ins Schwärmen. Hier haben er und seine Frau Denise vor vier Jahren ein Haus gebaut, und es gefällt ihnen sehr gut in der Innerschweiz. «Wir haben hier einen sensationellen See zum Rudern, im Winter genug Platz für Langlauf, und in den Bergen kann man herrlich Bike fahren.» Man hört heraus, dass Sport weiter ein grosse Rolle spielt beim ehemaligen Spitzenruderer. «Nicht reizvoll» Er selbst rudert aber eher selten. «Im Jahr komme ich vielleicht noch auf zehn Ausfahrten.» Auch Wettkämpfe bestreitet er selber keine mehr, obwohl er noch bei den Masters starten könnte «Das ist eine ähnliche Kategorie wie in anderen Sportarten die Veteranen. Ich finde das nicht reizvoll; ich könnte starten und würde ohne grössere Probleme gewinnen.» So versucht er sich an einer anderen Front. Er hat einen neuen Ruderclub aufgebaut, den RC Sihlsee. Bereits 1998 wurde dieser gegründet. «Der Präsident und ich verrichten den Grossteil der Arbeit. Unser Club ist noch sehr klein.» Seit fünf Jahren sei man nun im Verband gemeldet. Nicolas Lätt betreut die jungen Regattierenden. «Bei sechs dieser Junioren ist die Betreuung sehr intensiv. Diese sind national auch schon vorne dabei.» Momentan dient als Bootshaus ein umfunktioniertes Bauernhaus. «Bald aber wollen wir ein eigenes Bootshaus bauen.» Spätestens dann soll es auch sportlich vorangehen. «In den nächsten fünf Jahren wollen wir national top sein.» National top, wie es Nicolas Lätt lange Zeit war. Wie viele Meistertitel es genau waren, kann er gar nicht mehr sagen. «Ich wurde x-Mal Schweizer Meister.» Einzelne sind ihm aber doch speziell in Erinnerung geblieben, zum Beispiel derjenige mit dem schweren Skiff im Jahr 2000. «Diesen habe ich aber nur errungen, weil an diesem Tag Xeno Müller krank war», gibt er offen zu. «Ansonsten wäre ich in dieser Kategorie womöglich gar nicht gestartet.» Natürlich ist ihm der Meistertitel 2004 geblieben, nach dem er seinen Rücktritt verkündet hat. «Es ist schön, dass aus diesen Zeiten noch Freundschaften bestehen.» Auch dass er viel von der Welt gesehen hat, empfindet er als positiv, «auch wenn ich aus der Tasche gelebt habe». Gerichtstermin Was ihn aber sehr gestört hat, waren die häufigen Diskussionen auf Verbandsebene. «Für viele stand damals nicht das Sportliche im Vordergrund. Deshalb wollten sie nicht die Athleten wissen lassen, was das Beste für sie ist.» So auch nach seinem Weltcupsieg 2001 mit Markus Gier. Einige im Verband haben das Gefühl gehabt, es gebe sicherlich noch schnellere Kombinationen, und deswegen sollten andere Teams gebildet werden. «Das Ganze zog sich bis vor Gericht. Dabei hätten wir Sportler damals Besseres zu tun gehabt.» Auch mit der Klubpolitik des RC Solothurn hatte er lange Zeit Mühe. «Aber ich habe mich mit dem Präsidenten ausgesprochen, und nun ist das wieder besser.» Er sei zwar nicht mehr Klubmitglied in Solothurn, aber die Junioren des RC Sihlsee bilden mit den von Beatrice Held betreuten Junioren aus der Ambassadorenstadt zeitweise eine Renngemeinschaft. Nicolas Lätt selbst würde jedem empfehlen zu rudern. «Rudern gibt eine enorme Selbstsicherheit.» Ihn bringe mittlerweile nichts mehr aus der Ruhe. Deshalb findet er es auch notwendig, dass Mike Kurt, den er von den gemeinsamen Bootshausfesten des Solothurner Ruderklubs und der Solothurner Kajakfahrer flüchtig kennt, mit einer Mentaltrainerin arbeitet. «Auch ich habe 1999 sehr intensiv mit einem Mentaltrainer gearbeitet.» Was folgte, ist bekannt.Rolf Kirchhofer >

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