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Gymi-Vorbereitung stösst auf Widerstand Zürcher Gymi-Vorbereitung stösst auf Widerstand

Schulkinder in der Stadt Zürich sollen während des Unterrichts systematisch für die Eintrittsprüfung ans Gymnasium üben können. Lehrer beklagen sich aber über fehlende Zeit – und auch der Sinn des Drills ist umstritten. Schulkinder in Zürich sollen während des Unterrichts systemathisch auf die Gymi-Prüfung vorbereitet werden. Lehrer beklagen sich über den Aufwand und auch der Nutzen des Drills ist umstritten.

Von Daniel Schneebeli Zürich. – Die Hysterie vor den Gymnasium-Prüfungen ist enorm. Eltern verlangen von den Schulen Vorbereitungskurse. Vielen genügt dies nicht, und sie schicken ihre Kinder noch zusätzlich in teure Drillkurse. Nun haben sich Stadtzürcher Schulpräsidenten dem Druck gebeugt. Alle Schulen sollen in Zukunft während zweier regulären Unterrichtslektionen pro Woche Gymi-Vorbereitung betreiben, und zwar während eines halbes Jahres vor den Prüfungen. So sehen die Mindeststandards in Zürich aus. Für Marc Caprez, Sprecher des städtischen Schuldepartements, ist das ein Schritt in die richtige Richtung, weil die Schulen bis anhin ganz unterschiedlich intensiv auf die Gymi-Prüfung geübt hätten. Mit den Standards würden die Chancen gerechter verteilt, so Caprez. Eine Gymi-Karriere dürfe nicht vom Geld abhängig sein. Zur Prüfungsvorbereitung sollen in Zürich alle zugelassen werden. Diese könne im Rahmen des individualisierten Unterrichts geboten werden. «Nicht während des Unterrichts» Das sieht Sekundarlehrerin Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands, ganz anders: «Das ist ausgeschlossen.» Sie schaffe es schon heute kaum, allen Stoff zu behandeln. Während des Unterrichts könne die Vorbereitung nur stattfinden, wenn andernorts weniger verlangt werde, zum Beispiel weniger Turnen oder Handarbeit. Für Lilo Lätzsch ist klar: Die Gymi-Vorbereitung muss zwingend über Mittag oder nach der Schule geplant werden. Allerdings sei das nicht kostenneutral, wie es die Schulpräsidenten gerne hätten. Grundsätzlich ist Lätzsch erfreut über die Standards. Heute seien die Angebote von Schule zu Schule viel zu unterschiedlich.Dies bestätigt auch ein Blick nach Winterthur. Gemäss Reto Zubler, Leiter des Bereichs Bildung im Schuldepartement, gibt es keine zentrale Empfehlung an die Winterthurer Schulen. Die einen würden schon heute für alle Gymi-Kandidaten spezielle Prüfungsstunden anbieten. In anderen Schulen sei dies dem Engagement der Lehrerinnen und Lehrer überlassen. Sinn der Prüfung «unterlaufen» Man sei allerdings schon mit den Winterthurer Mittelschulrektoren im Gespräch gewesen, ob die Gymnasien eine Prüfungsvorbereitung anbieten könnten, sagt Zubler. Dies hat man aber verworfen. Erstens erachten es die Gymnasien nicht als ihre Aufgabe, Prüfungsdrill zu betreiben. Zudem könnte man den Gymnasien vorwerfen, dass diejenigen im Vorteil sind, welche bei ihnen die Prüfungsvorbereitung absolvierten. Laut Zubler sind in Winterthur keine Mindeststandards wie in der Stadt Zürich geplant. Persönlich ist er auch «besorgt über die Entwicklung in Zürich». Mit dem Drill werde der Sinn der Prüfung unterlaufen. Das Gymnasium sei für die besten Schüler gedacht, mit der systematischen Prüfungsvorbereitung sei der Übertritt aber auch den zweit- und drittbesten möglich. Er weist darauf hin, dass es nicht im Sinne der Jugendlichen sei, eine Schule zu besuchen, für welche ihre Fähigkeiten längerfristig nicht ausreichten.Wenn es nach Reto Zubler ginge, müsste im Kanton Zürich das Übertrittsverfahren grundsätzlich überdacht werden. Ihm schwebt vor, dass nur noch jene Kinder eine Prüfung bestehen müssten, die von ihrem Klassenlehrer keine Empfehlung erhalten. So ähnlich wird es laut Zubler im Kanton Schaffhausen mit Erfolg gemacht. Kanton wird aktiv Wie Martin Wendelspiess vom kantonalen Volksschulamt erklärt, wird derzeit das Aufnahmereglement überarbeitet. Allerdings ist die Abschaffung der Prüfung kein Thema, dafür die Prüfungsvorbereitung in den Schulen. Drei Varianten seien denkbar: Empfehlungen an die Gemeinden, eine Lehrplanänderung, welche die Prüfungsvorbereitung als Freifach festlegt, oder eine Gesetzesänderung für ein Obligatorium. Im Sinne der Chancengerechtigkeit sei die Vorbereitung auf die Gymi-Prüfung nötig, sagt Wendelspiess – aus seiner Sicht am besten in einem Freizeitkurs. Er könne sich auch sozial abgefederte Beiträge vorstellen: «200 Franken einmalige Kurskosten sollten sich im Kanton Zürich alle Eltern leisten können.»

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