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Es reicht. Wehrt Euch!

Sommer?Ein Hitze-Opfer antwortet auf die Hitze-Hymne. Von Max Wey * Wie kann man nur ein Loblied auf diese mörderische Hitze anstimmen (erschienen im TA vom 14. Juli). «Heiss!», so lautet das erste Wort. Ohne den Ventilator zu meiner Rechten hätte ich gar nicht die Kraft, zurückzuröcheln: heiss, ja, genau. Noch genauer: zu heiss! Es macht dem Autor Freude, Mensch und Tier leiden zu sehen. Nicht nur Kühe haben Mühe mit der Hitze. Eine Sexberaterin hat empfohlen, beim Sex eine Stellung zu wählen, bei der man sich kaum berührt. Motto: Liebt euch im Sommer, umarmen könnt ihr euch im Winter wieder. Sommer, Sonne, Sand und Strand? Sapperlot! Es reicht. Riecht er nicht, wie die Leute riechen? Erquickt ihn der Anblick von Männern, die stolz wie Schwangere ihre nackten Bierbäuche herzeigen? Dabei liegt es mir fern, den Sommer zu verteufeln; mit dem Schweiss, der von der Stirn tropft, lässt sich trefflich die Computertastatur reinigen. Fakt ist, es ist zu heiss. Jammern hilft nicht, da stimme ich Thomas Widmer zu. Aber bevor unsere Gehirnzellen aneinanderkleben, sollten wir uns überlegen, was wir gegen die Affenhitze tun können (ich entschuldige mich an dieser Stelle bei den Affen). Viel trinken, nicht zu viel bewegen, jaja, geschenkt, das meine ich nicht. Ich meine, wie können wir gegen die Hitze angehen? Gegen die Natur, wird man sagen, kann man nicht angehen. Die Hitze abstellen, da lacht sich ja der Kachelmann in seiner Zelle schlapp. Und ich sage: Versuchen wirs. Lassen wir uns nicht alles gefallen. Mal wieder aufmucken, Widerstand leisten. Sich keine Blösse geben, nicht freiwillig beim ersten Sonnenstrahl die Hosen runterlassen. Wehren wir uns. Und wie? Seit heute weiss ichs. Ein alter Mann hat mir den Weg gewiesen. Ich sass im Boulevardcafé und schaute im Schweisse meines Angesichtes dem Treiben zu. Da schlurfte er über den Fussgängerstreifen. Struppig der Bart, braune Jacke, braune Manchesterhosen, gut eingepackt für die Jahreszeit, hinter sich her zog er ein Wägelchen. Und, ich lüge nicht, er hatte sich eine Wollmütze über den Kopf gezogen. Und da wusste ich, das ist es, so zeigt man dem Sommer seine Verachtung, so streckt man ihm die Zunge raus. Man ziehe sich warm an und zeige der Sonne die kalte Schulter. Holt eure Mützen und Winterschals aus den Schränken und vergesst die Handschuhe nicht. Den alten Mann möchte ich im Winter wiedersehen. Gleicher Ort, gleiche Zeit. In Badehosen. * Max Wey ist Autor des Buchs «Weys Deutschstunde» (Echtzeit-Verlag).

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