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Er geht gerne die Wände hoch

Lukas Iseli ist seit neun Jahren Nationaltrainer der Hallen-Sportkletterer. Zeit, um selber in die Höhe zu steigen, findet er kaum noch. Und wenn, bezwingt er mit der Familie am liebsten die Wände der Berge im Berner Oberland.

Er ist gewissermassen der «Ottmar Hitzfeld der Sportkletterer»: Seit neun Jahren trainiert der Langnauer Lukas Iseli die Swiss- Climbing-Nationalmannschaft SAC (Schweizer Alpen-Club). Zu dieser Sportart sei er durch Zufall gekommen, sagt der 36-Jährige. Während des Lehrerseminars habe ihn ein Kollege an den Fels mitgenommen. Damals sei er aber noch wettkampfmässig mit dem Kajak Wildwasserslalom gefahren. Die Suche nach Wegen Parallelen zwischen den beiden Disziplinen würden ihm erst heute bewusst. «Beim Klettern und beim Kajakfahren muss man sich mit den gegebenen Situationen auseinandersetzen und den optimalen Weg und Bewegungsablauf suchen.» Die Freude am Wasser ist geblieben. Manchmal sei er auch heute noch im Kajak oder mit der Familie im Kanu anzutreffen. «Zudem organisiere ich Kanu-Trekkings in Norwegen», erzählt Iseli, der mit seiner Ehefrau Christa, nebst der 60-Prozent-Anstellung als Nationaltrainer, eine Firma im erlebnispädagogischen Bereich führt. Richtige Zeit, richtiger Ort Nach den ersten Kletterversuchen seien ungefähr drei Jahre vergangen, bis es ihm «den Ärmel hineingezogen» habe, erinnert sich der in Boll aufgewachsene Nationaltrainer. Danach habe er eine Bergsteigerausbildung, Kurse im Sportklettern und die J+S-Leiterkurse absolviert sowie Trainerausbildungen gemacht. «Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort», stellt Iseli fest. Denn während eines Kurses wurde er von seinem jetzigen Chef, der einen Assistenztrainer suchte, angesprochen. Iseli hängte den Lehrerberuf an den Nagel und nahm das Angebot an. Nur ein Jahr später wurde er zum Nationaltrainer gewählt. Kontaktbörse Kletterkurs Die Freude am Klettern hat ihm nicht nur einen Arbeitsvertrag mit dem SAC eingebracht; dank des Sports lernte er auch seine Frau kennen. «Ich gab einen Kurs in Langnau. Unter den Teilnehmerinnen befand sich Christa», erzählt Iseli. Extra ein paar Hügel mehr Heute bewohnt das Ehepaar mit seinen drei kleinen Mädchen ein Haus in Langnau. Von dort fährt Iseli oft mit dem Velo ins Büro nach Bern. Und da er nicht immer den direkten Weg nimmt, sondern ein paar Hügel einbaut, kann sein Arbeitsweg an die 100 Kilometer pro Tag betragen. Die Büroarbeiten sind zwar ein Teil des Berufes, sein eigentlicher Arbeitsplatz aber befindet sich in den über die ganze Schweiz verstreuten Kletterhallen. Am meisten sei er im «Magnet» in Niederwangen anzutreffen, denn dort befinde sich das Leistungszentrum der Schweizer Sportkletterer, sagt Iseli. Trainiert werde meist an den Wochenenden und Abenden. Ab an die WM Zurzeit bereitet Lukas Iseli, der selber nur eine Handvoll Kletterwettkämpfe bestritten hat, acht Jugendliche auf die Junioren-Weltmeisterschaft vor. Diese findet Ende August im französischen Valence statt. Einen Vergleich mit anderen Ländern müsse der Schweizer Nachwuchs nicht scheuen; das zeigt der Medaillenspiegel, freut sich der Trainer. «In den letzten 15 Jahren sind wir nur drei Mal ohne Auszeichnung heimgekehrt.» Auch bei den Erwachsenen mische ein Eidgenosse vorne mit und sorge an internationalen Meisterschaften jeweils für Topresultate. «Die Turniere finden oft im Ausland statt», ergänzt Iseli, der mit seinen Athleten schon in Asien und Amerika war. Zeit, um selber die Wände hochzugehen, habe er kaum noch, bedauert Lukas Iseli. Falls er einmal die Möglichkeit dazu habe, ziehe es ihn in die Berge. «Am liebsten klettere ich im Wallis oder im Berner Oberland. Und zwar ganz gemütlich mit der Familie.» Jacqueline Graber >

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