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Eisspalten und Einsamkeit

Der Zürcher Thomas Keller bestritt in Sibirien den Baikalsee-Eismarathon. Die Kälte war kein Problem, dafür der Neuschnee.

Von Kai Müller Schnee und Eis, wohin das Auge reicht. Andere Menschen? Keine. Die Vorstellung mutet romantisch an, doch Thomas Keller sagt: «Diese Stille war erdrückend, sie schmerzte fast. Ich hatte das Gefühl, ins Nichts zu laufen.» Der 55-jährige Ausdauersportler aus Oetwil am See stürzte sich in Sibirien in ein neues Abenteuer: Er nahm erstmals am Baikalsee-Eismara-thon teil. Die 42,195 Kilometer führten über den grössten Süsswassersee der Erde, der im Winter, wenn er gefroren ist, als Strasse dient. Als Keller, der die Reise über einen deutschen Anbieter gebucht hatte, 72 Stunden vor dem Wettkampf im nahe gelegenen Irkutsk landete, sei es bitterkalt gewesen. Die Sorgen über allzu tiefe Temperaturen verflüchtigten sich jedoch am Tag des Marathons. Der Himmel war strahlend blau bei minus 10 Grad. «Petrus hatte ein Einsehen mit den Läufern, es war wunderbar», sagt Keller. Dafür machte ihm der Schnee zu schaffen. Es lag gut ein halber Meter, weit mehr als bei den sechs Austragungen zuvor. Die Zeit rückte unter diesen Voraussetzungen in den Hintergrund: «Ich wusste, dass ich nicht auf die Uhr schauen muss.» Den Fuss bei jedem Schritt so hoch anzuheben, sei sehr anstrengend gewesen, der Halt auf der ein bis zwei Meter dicken Eisschicht darunter nur begrenzt – trotz Spikes. Die körperlichen Strapazen trieben Keller jedoch nicht an seine Grenzen, schliesslich bringt er Erfahrung von mehreren 24-Stunden-Läufen mit. Jeeps blieben stecken Die Umstände waren jedoch neu für ihn. Als zusätzliches Hindernis erwiesen sich die bis zu einem halben Meter breiten Eisspalten, welche von der Schneeschicht verdeckt wurden. «Ich wusste nie, ob ich in ein Loch treten würde, wenn ich den Fuss aufsetzte», schildert Keller. Bereits bei der Anfahrt zum Start habe sich der Tross um über eine Stunde verspätet, weil viermal ein Jeep stecken geblieben sei. Allen Widrigkeiten zum Trotz: Keller kommt beim Erzählen ins Schwärmen und zeigt sich beeindruckt von der Natur im Südosten Russlands. Aber war da nicht noch etwas? Genau. Ein kurzer Blick auf die Uhr musste dann doch sein. Keller legte die Strecke in 5:34:01 Stunden zurück. Das brachte ihm Platz 39 unter 61 Startern ein.

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