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Einfaches, aber zufriedenes Leben

Es ist steil in den Spissen oberhalb Frutigens. Die

Ganz zuoberst auf einer Sonnenterrasse des Engstligtals, an der Ladholzstrasse 24, zwischen Frutigen und Adelboden, wohnt Familie Werner Maurer mit den vier Kindern und den Eltern im gleichen Haus. Die 84-jährige Mutter wird von der Schwiegertochter Margrit gerade für einen Arztbesuch nach Adelboden gefahren. Die Strasse und das Auto sind ein Segen und der Lebensnerv der abgelegenen Spissen. Nur ein Ladewagen voll Heu Diese Woche war Werner Maurer mit Bruder Christian im Wildheu hoch oben an der Niesenkette. Sie gehen auf gefährlichen Pfaden durch Schluchten und Gräben, bis sie das kleine Stück Land mit den feinen Alpenkräutern erreichen, das sie alle zwei Jahre mähen – teils mit einem angeseilten, kleinen Motormäher, teils von Hand. Das Gras wird von Hand zusammengerecht, jetzt sogar zusammengeblasen, die Haufen in Netze gebunden. Mit der Seilbahn sausen die Heubündel auf die Sommerweide hinunter und werden auf der Strasse zum Betrieb transportiert. «Im steilen Gelände kann ich am besten barfuss arbeiten», sagt Werner Maurer lachend. Durch das Ernten des Grases wird die Verbuschung gestoppt und der Erosion entgegengewirkt. Auf den gemähten Flächen bleibt der Schnee liegen, auf den andern rutscht er ab, reisst «Troosle» (Alpenerlen) mit und hinterlässt ein grosses Loch, das auf dieser Höhe lange nicht mehr von Vegetation besiedelt wird. Das habe das Naturschutzinspektorat des Kantons Bern auch erkannt und unterstütze darum gezielte Wildheuerei auf artenreichen Wiesen mit Beiträgen. So werde die Fauna und Flora erhalten. Aber natürlich muss auch jeden Frühling das Gelände auf Lawinenschäden kontrolliert und Steine geräumt werden. Der Ertrag ist klein, die Arbeit eines Tages hat in seinem kleinen Ladewagen Platz. Abgelegen und gefährlich «Manchmal im Winter wird mir angst und bang, wenn die Kinder mit dem eigenen Auto auf der schmalen, steilen und vereisten Strasse ins Tal fahren, um ihren Beruf respektive die Lehre als Automobilfachmann auszuüben», sagt Mutter Margrit. Hingegen war der lange Schulweg kein Problem. «Da konnten sie sich austoben und dann während der Lektionen stillsitzen», sieht die vierfache Mutter das positiv. Die eine Tochter ist in der Ausbildung als Pflegefachfrau, die jüngere hat eben ihre Lehre als Fachangestellte Gesundheit begonnen. Darum können die Kinder nicht mehr viel daheim helfen, wohnen aber alle noch da, und es gibt viel Wäsche zu besorgen. «Manchmal arbeite ich den ganzen Tag, und am Abend sieht man nicht einmal etwas davon», so Margrit Maurer über das gerüttelt Mass an Arbeit. Auch Werner, ihr 53-jähriger Gatte, sieht es ähnlich: «Wir haben zwar einen kleinen Betrieb, verrichten aber wegen des unwegsamen Geländes viel Arbeit.» Deshalb habe die momentan von den Behörden angestrebte Vergrösserung und Zusammenlegung von Betrieben Tücken, meint der frühere Gemeinderat von Frutigen. Die Handarbeit limitiere diese Pläne und wirke sich, wenigstens im Berggebiet, unweigerlich negativ auf die Pflege der Landschaft und der Tiere aus. Kleiner Betrieb Der Landwirtschaftsbetrieb auf 1350 Metern Höhe mit sechs Kühen und Jungvieh mit Milchwirtschaft, Viehzucht und Mastremonten ist steil gelegen und klein. In Betriebsgemeinschaft mit dem Bruder Christian Maurer sind es 13 Hektaren plus die Sömmerungsweide und Kuhrechte auf der Alp. Von Ende Mai bis Mitte September sind die Tiere auf der Alp, und die Milch wird zum Teil verkäst. Ausnahmsweise, wenn nicht alle Milch an die Kälber vertränkt wird, stellt Margrit Maurer Mutschli her. Der IP-Betrieb schneidet bei einer Vollkostenrechnung schlecht ab. «Aber wir können im eigenen Haus wohnen, ich bin Realist und mache, was möglich ist», betont der Bergbauer, der mit und für die Natur lebt und arbeitet. Nebenerwerb und Hobby Früher hat Werner Maurer Spielzeugtiere geschnitzt für den Verein Frutiger Heimarbeit, das ist jetzt nicht mehr möglich, es gibt die Organisation nicht mehr, die Heimatwerke verkaufen kaum mehr Holztiere. Sein Vater fand einen Nebenverdienst in den Schiefergruben, starb aber mit 60 Jahren an der Staublunge (Silikose). Maurer ist seit 1992 Imker, hat ein Bienenhaus gebaut und hält momentan sieben Bienenvölker. Allerdings schleudert er auf dieser Höhe, zwischen 1300 und 1700 Metern, nur einmal Honig. «15 Kilogramm Honig pro Volk und Jahr ist hier eine supergute Ernte», so der Bienenfreund. Mit seinem Bruder holzt er in den steilen Bergwäldern und kann so Geld dazuverdienen. Rösi Reichen >

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