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Eine Lamelle verursachte den Concorde-Absturz

Ein Gericht spricht Air France vollends frei im Prozess zum Crash der Concorde. Zur Kasse gebeten wird nur Continental Airlines.

Von Oliver Meiler, Marseille Es war ein spektakulärer und komplexer Prozess, eine Schlacht um teure Expertenberichte und ein Gockelkampf unter Staranwälten. Am Ende aber befand das Gericht von Pontoise bei Paris am Montag, dass alles ganz einfach zu erklären sei und die strafrechtliche Verantwortung für den Absturz der Concorde am 25. Juli 2000 allein bei der US-amerikanischen Fluggesellschaft Continental Airlines liege. Eine ihrer Maschinen hatte an jenem Tag nur Minuten vor dem Start des Traumfliegers Concorde von Air France ein Stück Metall verloren, das dann auf der Piste lag und in einer dramatischen Verkettung von Ereignissen zum Brand an Bord des Überschalljets geführt haben soll – und zum Tod von 113 Menschen: 100 Passagiere, neun Crewmitglieder und vier Angestellte eines Hotels von Gonesse, auf das die Concorde gekracht war. Continental wurde nun wegen fahrlässiger Tötung und Verletzung mit einer Busse von 200 000 Euro belegt und muss Air France, die ihrerseits vollumfänglich frei gesprochen wurde, eine Schadenersatzzahlung von 1 Million Euro bezahlen. Air France soll für den Imageverlust entschädigt werden. Ein Angestellter von Continental, der 42-jährige John Taylor, wurde ausserdem zu einer bedingten Haftstrafe von 15 Monaten verurteilt. Taylor hatte einige Wochen vor dem Crash in Houston, Texas, an einer DC-10 von Continental eine 4 Kilogramm schwere, 43 Zentimeter lange Metalllamelle angebracht. Doch offenbar war die Lamelle nicht gut genug befestigt gewesen. Keine Strafe für Erfinder Der Verteidiger von Continental, der gefeierte Strafverteidiger Olivier Metzner, hält das Verdikt für einseitig und kündigte am Montag Rekurs an. «Dieses Urteil schützt allein französische Interessen», sagte Metzner. Gänzlich strafffrei gehen nämlich auch drei französische Ingenieure aus dem Prozess hervor, unter ihnen der «Vater der Concorde», Henri Perrier, denen man vorgeworfen hatte, sie hätten gewisse Risiken der fragilen Concorde unterschätzt. So gab es in den über drei Jahrzehnten ihrer Existenz immer wieder Probleme mit geplatzten Pneus – und Sorgen um die Stabilität der Tankwände. Doch Investitionen in das Programm wurden gescheut, weil die Concorde nie rentabel war. Metzner hatte dem Gericht im Prozess eine 800000 Euro teure 3-D-Animation präsentiert. Sie sollte belegen, dass die Concorde bereits einige Hundert Meter vor dem Ort, wo die Metalllamelle der DC-10 lag, Feuer gefangen hatte. Gemäss der Verteidigung steht ein Keil, der die Pneus der Concorde auseinanderhalten sollte, am Ursprung des Unglücks. Er soll defekt gewesen sein. Die Pneus seien deshalb zerplatzt. Die Gummistücke hätten dann die Tankwände perforiert. Das Kerosin habe sich an einem Kabel entzündet. Doch diese Version vermochte den Richter nicht zu überzeugen. Schon beim Abheben brannte ein Tank der Concorde.Foto: Keystone

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