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Ein Fest mit Fahnen und Bundesrat

«Will eine Zeitung? Wer will eine? Ja, ja sie ist gratis.» Der achtjährige Joel Krättli ist in seinem Element. Zusammen mit seinem Bruder Noah bringt er die Festzeitung des Miliz- und Miliäranlassess unter die Leute. Es ist Freitagabend, die Stadtmusik Langenthal gibt ein Platzkonzert. Und die beiden Buben wuseln durch die Marktgasse. Die Krättli-Brüder haben sich freiwillig für diesen Job gemeldet. «Wir wollen auch einmal Soldaten werden», sagen sie in einer kurzen Pause. «Darauf freuen wir uns schon.» Gegen 1500 Leute sind in die Marktgasse gekommen, sitzen unter dem riesiegen Zeltdach, unter dem die Kantonsfahnen und die Schweizer Fahne prangen, und plaudern. Um 18 Uhr schreitet ein Mann mit Hut und wallendem rotweissen Mantel durch die Bankreihen – ein Bundesweibel. Erst da erkennt man den Mann an seiner Seite: Bundesrat Ueli Maurer. Die Stadtmusik spielt den Bernermarsch, und wie auf ein geheimes Zeichen erheben sich die Gäste. Im Restaurant A la cArt sitzt Beat Weber bei einem Glas Wein. Mehr oder weniger zufällig, wie der 51-jährige Thunstetter gesteht. Er sei kein Militärfan. «Ich war ja», lacht er, «nur ein hundsgewöhnlicher Übermittlungssoldat.» Doch als er mitbekommt, dass der VBS-Chef Ueli Maurer gleich nebenan spricht, da rückt auch Weber etwas näher. «Ist doch klar», meint er. «Wenn schon einmal ein Bundesrat in Langenthal ist.» «Ich begrüsse alle Normalen und die Abnormalen, die Uniform tragen oder ein politisches Amt haben.» Ueli Maurer lässt die Zuhörer von Anfang an schmunzeln. Der Bundesrat beschwört die Sicherheit des Landes und macht sich für die Armee stark (siehe Kasten). Die Bevölkerung müsse helfen, um die beste Armee der Welt zu schaffen: «Ich ziehe, und Sie stossen.» Und kaum ist Maurer von der Bühne, nehmen ihn das Schweizer Fernsehen und Radio DRS in Beschlag: Interviews zu Bundespräsident Merz und seinem Libyen-Vertrag. Das lässt Heidi Dubuis kalt. Die 64-jährige Langenthalerin ist zwar auch wegen Ueli Maurer gekommen. Aber nicht nur. «Es ist einfach eine grosse Sache, bei der man dabei sein muss», sagt sie. «Und die Organisatoren haben das Ganze sehr schön aufgezogen.» Gediegene Klänge gegen Schluss: Nach einer Feldprediger-Rede von Pfarrer Simon Kuert darf die Landeshymne nicht fehlen. Ueli Maurer singt mit – zumindest die erste Strophe. Zuletzt ein Lied des Jodler-Doppelquartetts – schon geht das Fest zum zweiten Teil über. Ruhig hat es die Equipe des Samaritervereins. «Bisher mussten wir niemandem helfen», sagt Brigitte Sägesser. «Das wäre wohl anders, wenn es so heiss wäre wie Mitte Woche.» So schmecken auch Suppe und Spatz besser. «Sehr fein», rühmt Chantal Ruckstuhl aus Lotzwil. Sie hatte den vermeintlichen Militärfrass bisher nur vom Hörensagen gekannt. Herbert RentschStefan Aerni >

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