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Ein Abend der richtigen Preise David Hockney malt mit dem iPhone Blumenaquarelle

Kurz & kritisch Zürcher Filmpreis Oerlikon, Stage One – Die Entscheidungen hatten heuer immerhin etwas einigermassen Entschiedenes – nicht wie letztes Jahr, als der Stadtrat (auf Antrag seiner Filmkommission) Zürcher Filmpreise regnen liess wie Konfetti. Die Filmpreise 2010 – insgesamt 100 000 Franken – wurden gestern in behäbig- launigem Rahmen vergeben an die Spielfilme «Tannöd» von Bettina Oberli (20 000 Franken), das ungelöste Geheimnis eines Verbrechens, und an «Zu zweit» von Barbara Kulcsar (10 000 Franken), die Tragikomödie einer Beziehungskatastrophe. In der Kategorie Dokumentarfilm gewannen Jacqueline Zünd mit «Goodnight Nobody» (30 000 Franken), einem Film ganz im Rausch der Schlaflosigkeit, und Bruno Moll mit «Pizza Bethlehem», der die Fussballleidenschaft einiger Berner Mädchen sehr herzerfrischend glühen lässt. Ein «Personenpreis» (20 000 Franken) ging an die Produktionsfirma Maximage von Brigitte Hofer und Cornelia Seitler. Sie empfanden dies als äusserst willkommene Motivationsspritze bzw. «Pfupf im Arsch». Die Freude der Preisträger schien sonst nicht überschwänglich, war aber gewiss vorhanden. Die Zustimmung, soweit sie am Applaus gemessen werden konnte, war allgemein; und das war allein deshalb recht, weil gewiss niemand mehr behaupten kann, die Branche habe noch ein Problem mit der künstlerischen Frauenquote. Die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch – auch Präsidentin der Zürcher Filmstiftung, die ihre erfolgsabhängigen Prämien vergab – lobte die Filmstadt Zürich als einen schon die Internationalität streifenden Ort der «schöpferischen Kraft» und der «Neugier». Und Kabarettist Urs Wehrli («Ursus und Nadeschkin») ordnete die Erfolgskriterien des Schweizer Films statistisch und bewies mit gemütlichem Humor die absolute Notwendigkeit, im Dialog das Wort «Dampfkochtopf» zu verwenden. Ein Abend der richtigen Preise sozusagen. Der Kurzfilmpreis der Stadt Winterthur, von Winterthurs Stadtpräsident Ernst Wohlwend überreicht, ging an die kleine Animation «Schlaf» von Claudius Gentinetta und Frank Braun, ein – so die Jury – «perfektes» Dramolett über die Folter durch Nachtlärm; auch das eine überzeugende Wahl. Christoph Schneider Ausstellung Paris, Fondation Pierre Bergé-Yves Saint Laurent – «Fleurs fraîches», «Frische Blumen», ist die Ausstellung in den Räumlichkeiten der Fondation Pierre Bergé-Yves Saint Laurent überschrieben. Die elektronischen Blumenbilder von David Hockney sind von einer besonderen Leuchtkraft und einer Lebensfreude, die stark an das Werk von Henri Matisse erinnern. Nur: «Es ist die erste Ausstellung von Bildern, die alle im neuen Medium von iPhone und iPad entstanden sind, und es dürfte eine der ersten Ausstellungen sein, die ganz per E-Mail verschickt wurden», sagte YSL-Gründer Pierre Bergé an der Vernissage. Angefangen hat alles 2008, als der britische Künstler die ersten Blumenbilder auf seinem iPhone zeichnete und sie als MMS oder als E-Mail an seine Freunde verschickte. Seine Finger ersetzen seither den Pinsel. Inzwischen hat der 73-jährige Hockney eine grosse Fertigkeit erreicht, seine Bilder direkt mit den Daumen und den anderen Fingern auf den Touchscreen zu applizieren. Er nutzt die Funktion des Erfolgshandys von Apple, mit der man auf dem Display zeichnen und farbig malen kann. Nach 30 Jahren in Los Angeles hat es Hockney wieder in seine britische Heimat gezogen. In seinem Haus am Strand von Bridlington an Englands Nordküste malt er jeweils frühmorgens Bilder auf seinem Handy, mit Vorliebe im Bett. Die Bilder zeigen denn auch, was Hockney vom Bett aus sieht: den Blick aus dem Fester, Landschaften im Licht der Dämmerung, die Jalousien oder die Blumensträusse, die Hockneys Lebensgefährte John alle zwei Tage in sein Zimmer stellt. Inzwischen hat er auf diese Weise Hunderte von bezaubernden Bildern geschaffen: Landschaften, Stillleben, Lichtsujets mit Kerzen und Lampen, vereinzelt Selbstporträts und vor allem eben Pflanzen und Schnittblumen. Nur, wie solche elektronischen Miniaturen ausstellen? Um grössere Bilder zu erlangen, malt er sie zum Teil auf das iPad. An der Pariser Ausstellung werden die Bilder zudem auf eine riesige Leinwand projiziert. Mehrere Animationen gestatten es dem Besucher, den kreativen Prozess bei der Entstehung der Blumenbilder zu verfolgen. Die iPad-Bilder hat der Brite nicht gemalt, um sie zu drucken; denn als Printversion würden sie ihre Leuchtkraft verlieren. Noch hat Hockney keine Lösung gefunden, wie er seine elektronischen Bilder verkaufen kann. Seine Freunde erhalten jeweils einen neuen Hockney kostenlos auf den Computer geliefert. Auch Pierre Bergé in Paris empfängt für die Ausstellung immer wieder neue «frische Blumen». Hockney ist seit Jahrzehnten mit Bergé befreundet und hat mit dessen verstorbenem Lebenspartner Yves Saint Laurent zusammengearbeitet. An der Vernissage in den Räumlichkeiten der Kunststiftung erhielt der Maler nun aus den Händen von Kulturminister Frédéric Mitterrand die höchste Kulturauszeichnung, die der französische Staat zu vergeben hat: den Ordre des Arts et des Lettres. Michael Meier Bis Ende Januar 2011.www.fondation-pb-ysl.net David Hockneys elektronische Fingermalerei. Foto: PD Ein Zürcher Filmpreis ging an «Tannöd» mit Julia Jentsch. Foto: PD

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