Zum Hauptinhalt springen

Dübendorfer Kirchenstreit: Mitarbeiterinnen gehen

Die Religionspädagogin und die Pastoralassistentin der katholischen Kirche treten ab. Sie haben sich mit dem neuen Pfarrerteam zerstritten.

Von Elena Ibello Dübendorf – Die Religionspädagogin Mäggie Marinelli und die Pastoralassistentin Kerstin Willems werden die katholische Kirchgemeinde Dübendorf-Fällanden-Schwerzenbach verlassen. Dies gaben sie am Montag an der Kirchgemeindeversammlung bekannt. Der Bruch war befürchtet worden, da Marinelli und Willems schwerwiegende Meinungsverschiendeheiten mit Pfarrer Don Angelo Saporiti und Diakon Stephan Kaiser gehabt hatten. Kirchenpflege schweigt Worum es bei den Konflikten inhaltlich ging, dazu wollte sich die Kirchenpflege zu keinem Zeitpunkt äussern. Diakon Kaiser betonte an der Versammlung, er sei froh, dass eine Lösung gefunden worden sei. Er zeigte sich jedoch betrübt, dass keine andere Lösung gefunden wurde. In einer verlesenen Stellungnahme des abwesenden katholischen Generalvikars Josef Annen sprach dieser von Spannungen, die bereits vor Antritt von Saporiti und Kaiser im Seelsorgeteam bestanden hätten und die nun offenbar ohne einen personellen Wechsel nicht beigelegt werden könnten. Er betonte, er stehe hinter der getroffenen Lösung und spreche dem Pfarrer und dem Diakon sowie den weiteren Mitgliedern des Seelsorgeteams sein volles Vertrauen aus. Dieses Vertrauen ist den Betroffenen nicht von allen Kirchgemeindemitgliedern gewiss. Eine grosse Gruppe kirchlich Engagierter setzte sich am Montag für Marinelli und Willems ein. Als Markus Zeier, der Präsident der Kirchenpflege, die Kirchgemeindeversammlung im Chimlisaal Schwerzenbach eröffnete, war die Luft dort stickig. Und dies im doppelten Sinne: 257 Anwesende zählte die Versammlung, der Raum war übervoll. «Ich kann eine rekordverdächtige Anzahl Besucher begrüssen. Mir ist sehr wohl bewusst, warum heute so viele Leute da sind», sagte Zeier und schritt zu den Formalien. Doch diese waren nicht das grosse Thema an diesem Montagabend. Die meisten der Stimmberechtigten waren wegen der Unstimmigkeiten im Seelsorgeteam gekommen. Als endlich der Informationsteil der Versammlung mit dem Traktandum «Personelles» an der Reihe war, wollten die Anwesenden nicht einfach zur Kenntnis nehmen, was Zeier verlas. Es war ein Brief an die Kirchgemeindeversammlung, der darüber informierte, dass Mäggie Marinelli und Kerstin Willems die Gemeinde verlassen – in gegenseitigem Einvernehmen. Ein Raunen ging durch den Saal, als Zeier zum wiederholten Mal betonte, dass man aus Persönlichkeitsschutzgründen nicht über Details informieren könne. Kirchgemeindeversammlungen hätten zudem grundsätzlich nicht die Kompetenz, über Personelles zu entscheiden. Deshalb war das Traktandum auch erst gegen Ende der Versammlung, im Informationsteil geplant. Mitreissende Voten für Frauen Von diesen strukturellen Zwängen wollten die besorgten Katholiken im Raum aber nichts wissen. Am Ende der Versammlung traten zahlreiche Kirchgemeindemitglieder auf den Plan: Die Leiterinnen der Chrabbelgottesdienste, die Katechetinnen, die Pfadi-Leiter und viele mehr. In einer orchestrierten Aktion trat eine Gruppe nach der anderen auf und äusserte ihre Ängste und Wünsche. Eine Lanze nach der anderen wurde gebrochen für Marinelli und Willems, und allmählich liessen sich die Besucher der Versammlung von den teilweise kämpferischen Voten mitreissen. Aktionen kamen zu spät Die Votanten versuchten, den Abgang von Marinelli und Willems zu verhindern. Bei der Planung der Aktionen war noch nicht bekannt gewesen, dass es dazu zum Zeitpunkt der Kirchgemeindeversammlung schon zu spät sein würde. Zum Schluss standen die beiden betroffenen Frauen auf und äusserten sich. Sie sprachen von Enttäuschung, Trauer und Wut. Doch hätten beide keine andere Möglichkeit als die Trennung gesehen, sagten sie und ernteten stehende Ovationen. Die Stimmung blieb am Montagabend betrübt, auch als Kirchenpflegepräsident Zeier, offensichtlich bemüht, der Sache nicht zu viel und nicht zu wenig Aufmerksamkeit zu geben, zum Apéro lud. Dort wurde deutlich: Viele stehen hinter dem neuen Leiterteam Saporiti und Kaiser, viele jedoch auch hinter den beiden Abtretenden. Mehr als einmal war zu hören, dass eigentlich nicht die beiden Damen, sondern eher die beiden Herren den Platz räumen sollten – wegen ihrer beinahe patriarchalischen Vorstellung von Zusammenarbeit. «Ich bin froh, dass eine Lösung gefunden werden konnte, aber betrübt, dass es die Trennung sein musste.» Stephan Kaiser, Diakon Dübendorf

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch