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Diese beiden wollen sich ins Zeug legen

Christoph Joss (SP) fordert bei den Wahlen ins Oberdiessbacher Gemeindepräsidium den Bisherigen Hans Rudolf Vogt (FDP) heraus. Im TT-Gespräch diskutieren die beiden ihre Visionen und Ambitionen für den Fall einer Wahl.

Christoph Joss, haben Sie nach nur vier Jahren im Gemeinderat schon das politische Rüstzeug, um Gemeindepräsident zu sein? Joss: Ja. Die Arbeit bereitet mir Freude. Zudem bringe ich aus meinem Beruf als Schulinspektor viel Know-how über Gemeindepolitik mit. Oberdiessbach wird eine neue Gemeinde, und die SP ist der Meinung, es ist richtig, einen zweiten Kandidaten zu stellen. Es hätte auch sein können, dass mit dem Gemeindepräsidenten von Aeschlen ein zweiter Bisheriger antritt. Ferner bin ich überzeugt, dass ich nach 25 Jahren in Oberdiessbach, von denen ich in 20 Jahren als Lehrer und Schulleiter gearbeitet habe, gut verwurzelt bin. Wäre es nicht besser, den Mann an der Spitze zu belassen, der die Gründung dieser neuen Gemeinde entscheidend vorangetrieben hat? Joss: Um es vorwegzunehmen: Wir haben im Gemeinderat ein sehr kameradschaftliches Verhältnis, und ich bin überzeugt, das bleibt erhalten, egal wer gewählt wird. Wie die Bürger wählen, ist völlig offen; insbesondere die rund 200 Wählenden aus Aeschlen, die bisher nie parteipolitisch entscheiden mussten. Hans Rudolf Vogt, sind Sie erschrocken, als Sie von Christoph Joss’ Kandidatur erfuhren? Vogt: Nein, man hörte ja im Vorfeld einiges munkeln. Ich bin acht Jahre im Amt, und ich habe mir die Frage gestellt, ob ich noch einmal antreten soll. Entscheidend waren die Fusion mit Aeschlen und die genehmigte Ortsplanung. Ich habe geholfen, beide Geschäfte aufzugleisen. Darum bin ich der Meinung, dass es richtig und wichtig wäre, dass jene, welche die Vorarbeit geleistet haben, jetzt dranbleiben – auch im Sinne einer gewissen Kontinuität. Kontinuität ist das eine, die Gefahr, in gemächlichen Trott zu verfallen, das andere Joss: Es gibt Dinge, die ich als Gemeindepräsident höher gewichten würde, als es der heutige Gemeinderat tut. Wir wollen genau diesen Trott im Wahlkampf auch ansprechen. Etwas anderes können wir gar nicht. Ich bin vor allem aber stolz, dass die rund 3000 Bewohner von Oberdiessbach und Aeschlen eine echte Auswahl haben. Derjenige, der gewählt wird, kann sich im Dorf auch getragen und unterstützt wissen. Ich kriege viele positive Reaktionen darauf, dass es zu einer Kampfwahl kommt; einer hat sogar gesagt: «Ich finds toll, dass du antrittst. Aber wählen werde ich dich trotzdem nicht.» Was tun Sie, um nicht in diesen Trott zu geraten? Vogt: Der Gemeinderat funktioniert gut – personell und parteipolitisch. Wir haben keine grösseren Probleme und konnten bisher stets vorwärtsorientiert arbeiten. Wir sind also nicht in einem Trott oder in einer Blockade, in der man schlecht vorwärtskommt. Und: Am Ende ist es nicht nur der Gemeindepräsident, der den Takt angibt, sondern der Gemeinderat, der stets mitziehen muss. Joss: Vor acht Jahren hatten wir eine SP-Hauptversammlung, an der die Frage gestellt wurde, ob man die Partei nicht auflösen sollte. Wir konnten schlicht niemanden finden, der kandidieren wollte. So gesehen, ist es der FDP und der SVP hoch anzurechnen, dass sie während vier Jahren «den Laden geschmissen» haben. In den letzten vier Jahren haben wir uns wieder gefangen; zusätzlich trat die EVP auf den Plan, sodass sich eigentlich alle Oberdiessbacher irgendwo finden können sollten. Heute fühlen wir uns stark genug, dass wir zwei Sitze im Gemeinderat als realistisch betrachten. Damit steckt sich die SP hohe Ziele. Joss: Das mag sein. Aber wir sind der Meinung, dass wir viele Leute erreichen, auch wenn wir nur eine kleine Partei sind. Viele Leute sind froh, gibt es uns. Hans Rudolf Vogt, sind Sie auch froh, dass es die SP gibt? Vogt: Ja. Es ist wichtig, dass wir aktive Parteien im Dorf haben. Ich finde es wichtig, dass wir einen SP-Vertreter im Gemeinderat haben, weil die Entscheide in der Bevölkerung breiter abgestützt sind. Ob die parteipolitische Zusammensetzung nach den Wahlen dieselbe ist, ist für mich nicht matchentscheidend. Wichtig ist, dass gute und engagierte Leute gewählt werden. Wahlen ins Gemeindepräsidium sind Personenwahlen. Steht Hans Rudolf Vogt für die Einheimischen und Christoph Joss für die Neuzuzüger? Vogt: Das ist eine provokative Frage. Ich hoffe nicht, eine Wahl muss breit abgestützt sein. Wer für wen stimmt, werden wir auch nach den Wahlen nicht genau wissen. Joss: Ich denke, viel wichtiger sind unsere Charaktere, die sich in gewissen Punkten unterscheiden. Ich bin viel gesprächiger als Hans Rudolf Vogt und gehe auf die Leute zu. Er ist dafür der Mann, der sich bedächtig und überlegt zu Dingen äussert. Gibt es weitere Unterschiede? Was kriegen die Wähler von Christoph Joss, dem Neuen? Joss: Ich bin sehr kommunikativ. So versuche ich stets, Probleme kompromissorientiert zu lösen. Mich beeindruckt aber auch die teilweise scheinbar harte Haltung, welche der Gemeinderat in den letzten vier Jahren zwischendurch an den Tag legte. Manchmal ist es richtig, einen klaren Entscheid zu fällen, und einen Weg zu gehen – auch wenn es im Moment schmerzhaft ist. Führen Sie den Gemeinderat zu solch harten Entscheiden, wie Christoph Joss es andeutet? Vogt: Es gibt Dinge, die man einfach durchziehen muss, im Wissen darum, dass darob nicht überall Freude herrscht. Wer es allen recht machen will, muss sich für einen solchen Job gar nicht aufstellen lassen. Oberdiessbach steht vor grossen Herausforderungen. In der Regionalkonferenz Bern Mittelland macht die Gemeinde aussen am Rand mit, die geplanten Infrastrukturprojekte Schulhausausbau, Fussballplatz und Mehrzweckhalle wiegen finanziell schwer. Welches wird die grösste Baustelle für die Gemeinde in den nächsten vier Jahren? Vogt: Auf Gemeindeebene stehen sicher der Schulhausausbau sowie die Wünsche nach einem neuen Fussballplatz und einer Mehrzweckhalle im Vordergrund. Vieles ist da noch offen; wir wissen zwar, dass etwa beim Schulraum Handlungsbedarf besteht, aber es fehlen die genauen Vorgaben des Kantons. Wir müssen einen Weg finden, die drei Projekte so umzusetzen, dass die Gemeinde sie auch finanzieren kann. Joss: Oberdiessbach ist auf Grund seiner geografischen Lage und seiner Bevölkerungsstruktur ein spezielles Dorf. Aus Sicht der Bevölkerung gehört man zum Emmental. Vereinsmässig gehören wir seit Jahren zum Oberland. Und wollen wir nach Europa blicken, müssen wir uns dem Aaretal zuwenden. Die Gemeinde hat Agglomerationscharakter, man grüsst sich im Dorf aber noch. Wir sind auf der Kippe, eine Vorortsgemeinde von Bern oder Thun zu sein – oder ein eigenständiges Kleinzentrum. Deshalb ist es wichtig, dass wir diese Infrastrukturprojekte anpacken. Wir müssen aber entscheiden: Wollen wir sie rasch umsetzen – und temporär die Steuern erhöhen –oder wollen wir warten, bis das Geld vorhanden ist? Aber ist es nicht Irrsinn, in Oberdiessbach gleichzeitig über Schulhausausbau, Mehrzweckhalle und Fussballplatz zu diskutieren? Heimberg und Steffisburg, die das auch tun, sind wesentlich grösser Joss: Wir sind eingeklemmt zwischen Konolfingen und Heimberg. Wenn wir überleben wollen, lohnt es sich, diesen Weg zu gehen. Vogt: Fakt ist, dass wir eine gewisse Zentrumsfunktion haben und den umliegenden Gemeinden auch etwas bieten wollen. Es ist nicht an uns, jetzt mit Fusionsanfragen auf Gemeinden zuzugehen, aber wir kommen nicht umhin, über die Gemeindegrenzen hinauszuschauen. Joss: Wichtig ist auch, dass wir den anderen Ängste, Oberdiessbach sei ein Moloch, nehmen können. Wir werden nicht anders können, als den Weg ständiger Verbesserung und Optimierung weiter zu gehen, um für Neuzuzüger attraktiv zu bleiben. Sonst ziehen sie nach Konolfingen oder Heimberg. Die Fusion mit Aeschlen, mit der wir jetzt mehr als 3000 Einwohner zählen, ist deshalb für mich sehr entscheidend. In dem Fall bleiben die Türen offen, wenn Fusionsbegehren aus Herbligen, Brenzikofen oder Bleiken kommen sollten? Vogt: Wir waren in den letzten Jahren immer offen, und die Zusammenarbeit funktioniert gut, egal auf welchen Gebieten. Wichtig ist, dass der Gemeinderat jeweils klar hinter einem Projekt steht. Ich denke, wir werden diese Offenheit bewahren und gemeinsam die beste Lösung suchen, egal welche Art Anfrage auf uns zu kommen könnte. Joss: Die SP hat als einzige Partei den Aeschlern explizit mitgeteilt, dass wir uns freuen würden, wenn sie zu Oberdiessbach stossen. Dasselbe gilt für andere Gemeinden. Sie müssen selber wissen, in welche Richtung sie gehen wollen. Denn: Die Gemeindeautonomie ist unbedingt hochzuhalten. Wie wollen Sie die Aeschler Bevölkerung in Oberdiessbach integrieren? Vogt: Es entsteht eine neue Gemeinde. Es ist wichtig, dass wir miteinander die Zukunft planen. Der Prozess «Zäme für Oberdiessbach» bietet allen die Möglichkeit, Ideen einzubringen und sich für die neue Gemeinde zu engagieren. Joss: Ich nehme an, die Aeschler, werden sich weiter als Aeschler fühlen. Das sollen und dürfen sie. Der Kontakt zwischen den beiden Dörfern ist seit Jahren eng – und wird sich nun weiter vertiefen. Marco ZyssetLilly Toriola >

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