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Die Villa des Betrügers wird abgerissen

Das Haus des Mannes, der Nordkorea um 1,3 Millionen Franken erleichterte, ist gestern versteigert worden. Der neue Besitzer plant einen Neubau.

Von Petra Schanz Hombrechtikon/Uerikon – Der Saal des Restaurants Seehof in Uerikon war gestern Nachmittag bis auf den letzten Stuhl besetzt. Selbst im Eingangsbereich standen noch Leute, die sich für die Versteigerung interessierten. Unter den Hammer kam ein Gebäude, das es zu unrühmlicher Bekanntheit gebracht hatte: jenes 4½-Zimmer-Einfamilienhaus in Hombrechtikon, das ein heute 73-jähriger gebürtiger Deutscher mit Geld gekauft hatte, welches er vom nordkoreanischen Staat ertrogen hatte. «Das muss ja richtig teuer werden», sagte ein Schaulustiger angesichts der vielen Menschen. Doch anfangs machte es nicht den Anschein, als ob sich seine Vermutung bestätigen sollte. 1 Million war der Mindestpreis, und bei der Eröffnung der Versteigerung breitete sich erst einmal Stille im Saal aus: Niemand bot eine Summe. Dann erstauntes Gelächter. Konnte es tatsächlich sein, dass alle nur aus Neugier angereist waren? Der Bieter wusste von nichts Fredy Stettler aus Hittnau machte der merkwürdigen Szene schliesslich Ein Ende und bot 1,1 Millionen Franken. Er war es auch, der nach zwölf weiteren Geboten – von denen er fünf selbst tätigte – den Zuschlag für 1,6 Millionen Franken erhielt. Exakt diesen Betrag hatte er im Vorfeld als persönliche Obergrenze festgelegt. Besichtigt hatte Stettler das 147 Quadratmeter grosse Haus am Aubrigweg nie. Er habe es im Internet gesehen. Auch von der Vorgeschichte des Hauses hatte er bis gestern keine Kenntnis. Auf den 1459 Quadratmeter Land will Stettler, der eine Immobilienfirma besitzt, Eigentumswohnungen bauen. Im betreffenden Gebiet darf zweigeschossig gebaut werden bei einer Ausnützungsziffer von 35 Prozent. «Ein konkretes Projekt gibt es noch nicht», sagt Stettler. Geplant sei aber ein qualitativ hochstehender Bau, wahrscheinlich im Minergiestandard. Jahrelanges juristisches Ringen Der ehemalige Besitzer hatte das Haus 1999 mit veruntreutem Geld über seine Firma erworben. Er hatte einem Angestellten der Botschaft von Nordkorea versprochen, 1,3 Millionen Franken anzulegen, dies aber nie getan. Bereits 2005 sprach ihn das Zürcher Obergericht des Betrugs schuldig und veranlasste eine Räumung der Villa, damit der Kanton mit dem Verkaufserlös dem nordkoreanischen Staat das verlorene Geld zurückzahlen konnte. Gegen das Urteil wehrte sich der 73-Jährige aber durch alle Instanzen. Zuletzt hatte er seine Ausweisung mit einem juristischen Trick verhindert. Frau und Sohn mieteten das Haus von seiner Firma. Die beiden versicherten, sie hätten nichts davon gewusst, dass das Haus mit gestohlenem Geld erworben worden sei. Somit könnten sie gemäss Mieterschutz nicht aus dem Haus gewiesen werden. Ihr Mann und Vater gehe nur ab und an als Besucher im Haus ein und aus, behaupteten sie vor dem Mietgericht. Dass beide im Verwaltungsrat der Betrüger-Firma sassen, machte die Geschichte nicht eben glaubwürdig. Doch was sie wollten, hatten sie erreicht: Ein weiteres Mal verzögerte sich die Ausweisung. Ende letzten Jahres war dann aber fertig. Ein Entscheid des Bundesgerichts beendete die Rechtsstreitigkeiten. Der unrechtmässige Besitzer musste das Feld räumen. Eine gewaltsame Ausweisung konnte vermieden werden, denn der Betrüger verliess das Haus freiwillig. Andernfalls hätte sich die Polizei der Sache angenommen. Von den 1,6 Millionen Franken aus der Versteigerung werden erst einmal Hypotheken und Kosten für das Verwertungsverfahren bezahlt, wie Manuel Rebsamen vom kantonalen Immobilienamt sagt. «Was darüber hinaus bleibt, geht an Nordkorea.» Das wird weniger sein, als die verlorenen 1,3 Millionen Franken. Doch das ist nicht mehr das Problem des Kantons, denn dieser war nur für die Veräusserung des Hauses zuständig. «Für den Rest kann Nordkorea den Betrüger betreiben», sagt Rebsamen. Ob es dort etwas zu holen gibt, ist eine andere Frage.

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