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Die Energiewirtschaft setzt auf Erdgas

USA Noch am Wochenende, als sich in Japan schon die nukleare Katastrophe anbahnte, war Mitchell Singer zuversichtlich: «Ich glaube nicht, dass das einen grösseren Einfluss auf die Vereinigten Staaten haben wird», machte sich der Sprecher des Verbands der amerikanischen Atomindustrie Mut. Mittlerweile aber wird angesichts des schweren AKW-Unfalls in Japan auch in den USA, wo 104 Atommeiler rund ein Fünftel des gesamten Stroms erzeugen, laut über die Zukunft der Atomindustrie nachgedacht. Und von einer Wiederbelebung der nuklearen Industrie, die sich von dem schweren Zwischenfall im Kraftwerk Three Mile Island 1979 nie wirklich erholte, kann keine Rede mehr sein. Die Vorgänge in Japan seien «ein schwerer Rückschlag für die sogenannte Renaissance der Nuklearindustrie; Bilder eines explodierenden Kernkraftwerks im Fernsehen hat es noch nie gegeben», sagt Peter Bradford, ein ehemaliger Direktor der US-Aufsichtsbehörde NRC. Dabei hätte es des schweren Unfalls in Fukushima wahrscheinlich nicht einmal bedurft, um Hoffnungen auf eine Wiederbelebung der maroden amerikanischen Atomindustrie zu dämpfen: Die Entdeckung riesiger Erdgasvorkommen im amerikanischen Nordosten sowie in Texas und Louisiana treibt den Preis für Gas nach unten, statt auf Atomkraft setzt die Energiewirtschaft zunehmend auf Gaskraftwerke. Da zusätzliche Atommeiler angesichts der niedrigen Erdgaspreise «nicht wirtschaftlich» seien, «müsste die Regierung zwischen 300 und 600 Milliarden Dollar ausgeben, um sie zu bauen», warnte John Rowe, der Vorstandsvorsitzende des grössten AKW-Betreibers Exelon, in der vergangenen Woche. Zwar hat die Regierung Obama Kreditgarantien in Höhe von 36 Milliarden Dollar für den Bau neuer Atommeiler zugesagt und will die republikanische Opposition bis 2030 gar bis zu 200 neue Kraftwerke in Betrieb nehmen, doch entpuppten sich solche Vorstellungen bereits vor Fukushima als Wunschvorstellungen. Derzeit soll ein seit langem in Bau befindlicher Meiler in Tennessee fertiggestellt werden, vier weitere Reaktoren sind in Georgia und South Carolina geplant. Darüber hinaus aber dürfte Atomstrom keinen Aufschwung erfahren, zumal nach der Katastrophe der Ruf lauter werden wird, die vier Reaktoren in der kalifornischen Erdbebenzone abzuschalten und ältere AKW von der gleichen Bauart wie in Fukushima einzumotten. Martin Kilian, Washington

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