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Die eigene Tochter zu den Freiern geschickt

Eine 47-jährige Mutter muss 18 Monate ins Gefängnis, weil sie ihre damals 17-jährige Tochter zur Prostitution gezwungen hat.

Von Benno Gasser Zürich – Als das Urteil gegen ihre Mutter verkündet wird, lächelt Samira Müller (alle Namen geändert). Daniela Propst Müller muss für 18 Monate ins Gefängnis, unbedingt. Damit hat das Obergericht gestern die unbedingte Gefängnisstrafe des Bezirksgerichts Winterthur um drei Monate erhöht. 18 weitere Monate der dreijährigen Freiheitsstrafe sind zur Bewährung ausgesetzt. Damit hat für die 47-jährige Mutter der Gang vors Obergericht den schlechtestmöglichen Ausgang genommen. Oralsex mit der Mutter Für Samira Müller schliesst sich mit dem Urteil ein düsteres Kapitel ihres Lebens. Im Sommer 2002 hatte die damals 17-Jährige ihre Lehrstelle verloren. Ihre Mutter, die in einem Sexstudio in Winterthur als Prostituierte arbeitete, drängte die Tochter dazu, ebenfalls anzuschaffen und «ihren faulen Arsch zu bewegen». In dem Studio hielt die Mutter der Tochter Freier zu, andere hatte Samira in Privathaushalten zu befriedigen. Verlangten Kunden Sex zu dritt, musste sie mit ihrer Mutter ein lesbisches Paar spielen, Zungenküsse austauschen und Oralverkehr haben. Laut der Anklageschrift kam es zwischen Juni 2002 und Januar 2003 zu 50 Sexualkontakten. Die Mutter bereitete die Tochter auf die Kundenwünsche vor und verpasste der jungen Frau Ohrfeigen oder bewarf sie mit PET-Flaschen, wollte sie sich nicht einem Freier fügen. Die sexuellen Dienste pries die Mutter in Zeitungsinseraten und auf einer Website an. Sie habe gewusst, dass sich die Tochter geekelt habe vor dem Sex mit der Mutter und den Männern, steht in der Anklageschrift. Sie habe zudem gewusst, dass ihre Tochter lesbisch sei. Die Mutter betrieb auch einen Escort-Service, an dem sich neben vier bis sieben Frauen auch Probsts zweiter Ehemann beteiligte, der das Telefon bediente und die Prostituierten zu den Kunden fuhr. Ein ehemaliger Liebhaber von Probst fotografierte die Frauen nackt und stellte die Fotos auf die Escort-Homepage, die er auch betrieb.Mittlerweile hatte Müller wieder eine Lehrstelle gefunden. Weil sie die Mutter finanziell nicht unterstützte und der Lehrlingslohn zum Leben nicht reichte, sah sich die Tochter gezwungen, weiterhin anzuschaffen. Zudem drohte Probst ihrer Tochter, sie aus der gemeinsamen Wohnung zu werfen und in eine psychiatrische Anstalt zu verfrachten, sollte sie mit der Prostitution aufhören. Die Einnahmen musste sie immer der Mutter abliefern, die bis zu 60 Prozent des Geldes für sich behielt. Dabei musste die Tochter über jeden Kundenkontakt Buch führen. Auch nachdem sie im Januar 2003 volljährig geworden war, musste sie sich weiterhin prostituieren und bis Sommer 2007 rund 400 Freier befriedigen.Danach zog Samira Müller in eine eigene Wohnung und schloss die KV-Lehre als Klassenbeste ab. Mit der zunehmenden finanziellen Unabhängigkeit bediente sie immer weniger Kunden. Nach der Lehre hatte sie nur noch deren drei, den Letzten im Juni 2009. Mutter erscheint in Albträumen Sie empfinde nach diesem Urteil eine «kleine Genugtuung», sagt die 26-Jährige. Allerdings könne kein Urteil der Welt das wiedergutmachen, was ihr widerfahren sei. Sie habe mehre Suizidversuche hinter sich, den Job verloren und gehe einmal pro Woche in eine Therapie, um ihre posttraumatischen Störungen zu behandeln. Überwunden habe sie das Geschehene noch nicht. Ihr Äusseres sieht sie als Ausdruck einer Abwehrhaltung gegen die Umwelt: ganz in schwarz, mit Nieten gespickte Hunde- und Armhalsbänder, metallbewehrte Stiefel und Tattoos. Auf ihrem T-Shirt steht «Heartbreaker» geschrieben, auf der Gürtelschnalle ihrer identisch gekleideten Freundin «Fuck you». Doch die blondhaarige Müller wirkt äusserlich gefasst und hat Zukunftspläne. Sie will Psychologie studieren. Den Kontakt zu ihrer Mutter hat sie vor zwei Jahren abgebrochen. Sehen will sie diese auch künftig nie mehr. Es sei genug, wenn sie ihr jeden Abend in ihren Albträumen begegne. Den leiblichen Vater kennt sie kaum. Er sei ein Junkie, und ob er noch lebe, wisse sie nicht. Valentin Landmann verteidigte gestern vor Obergericht die angeklagte Mutter. Illustration: Robert Honegger

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