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Die Ausnahme und das Gewissen

Die Schweizerinnen laufen in der Staffel auf Platz 4. Vergeben wird der (Gold-) Medaillengewinn durch

Simone Niggli-Luder hat der Schweiz schon manch ein Staffel-Medaillengewinn beschert, die 31-jährige Münsingerin ist auf der Schlussstrecke in der Regel ein sicherer Wert. Gestern trat jene Ausnahme ein, welche die Regel bestätigt: Erstmals überhaupt an Europa- und Weltmeisterschaften vermochte die Ausnahmeathletin den Erwartungen nicht gerecht zu werden. Nach ausgezeichneter Vorarbeit von Vroni König-Salmi und Lea Müller hatte die 14-fache Weltmeisterin ihr Pensum auf Rang zwei in Angriff genommen. Die führende Finnin Minna Kauppi war in Sichtweite, Niggli-Luder schloss schnell einmal auf und setzte sich sogleich ab. Auf dem Weg zum fünften Posten nahm das Malheur seinen Lauf: Die Bernerin suchte die Kontrollmarke, fand sie aber nicht. Kurz darauf raschelte es im Gebüsch – Kauppi war ebenfalls angekommen. Die erste Läuferin, die das grossflächige Dickicht verliess, war aber Sprint-Weltmeisterin Helena Jansson; die Schwedin hatte die orange-weisse Flagge auf Anhieb gefunden. Erheblicher Zeitverlust Zwischen drei und vier Minuten habe sie bei diesem Posten verloren, wird Niggli-Luder später sagen. Anders als an den Tagen zuvor sei es ihr nicht gelungen, das Missgeschick wegzustecken; «ich hatte ein paar Minuten lang eine Krise». Der Schweizer Teamleaderin fällt es sichtlich schwer, über das Geschehene zu sprechen, nachdem sie als Vierte die Ziellinie überquerte und von ihren Kolleginnen umgehend getröstet wurde. Es scheint, als plage sie nicht primär der Verlust ihrer Medaille, sondern vielmehr das schlechte Gewissen. Sie nickt, als sie darauf angesprochen wird. Für die in Finnland lebende Zürcherin König-Salmi und die Baselbieterin Müller gehören Podestplätze nicht zum Alltag; die Aussichten auf Gold wären an diesem Tag rosig gewesen. Müller hält jedoch fest, es gebe keinen Grund, Simone einen Vorwurf zu machen. «Sie hat einen Fehler gemacht, das gehört dazu. Wir gewinnen und verlieren zusammen.» Gewonnen wurde das Rennen von den Norwegerinnen, deren Schlussläuferin Marianne Andersen die Schwedin Jansson auf der letzten Schleife noch zu überholen vermochte. Auf die Frage, ob es sich bei diesem Rennen um die grösste Enttäuschung in ihrer Karriere handle, erwiderte Simone Niggli-Luder viel sagend: «Im Moment schon.» Morgen, wenn sie sich auf den Langdistanzwettkampf vorbereitet, dürfte vieles wieder ein bisschen anders aussehen. mjs >

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