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Der Schützenkönig, der mit der Armbrust schiesst

Jürg Ebnöther aus Gibswil gewann in Aarau vor dem Winterthurer Marcel Ochsener den höchsten Titel mit dem Sportgewehr.

Von Urs Huwyler, Aarau Das Finale des einmonatigen Schüzenfests war des Anlasses würdig: 50 Sportler qualifizierten sich für die Entscheidung, acht erreichten nach 20 Wettkampfschüssen den Halbfinal, die Top 3 bestritten den Königsfinal. Die Thronanwärter aber wurden immer weniger. Auch die zwei Kronfavoriten blieben nicht verschont: Titelverteidiger Norbert Sturny (Tafers) überstand die erste Runde nicht, WM-Teilnehmerin Bettina Bucher (Hitzkirch) scheiterte in der Vorschlussrunde an sieben vor ihr liegenden Männern. Die Hoffnung, über die 300-m-Distanz könnte endlich eine Frau mitmischen, zerschlug sich. Bucher, 2009 Team-Europameisterin, sprach im Anschluss davon, die Erwartungen an sie als Frau hätten sie zusammen mit den wechselnden Windverhältnissen leicht nervös gemacht. «Der Puls war zwar nicht höher als sonst bei einem Wettkampf» erklärte sie, «und doch war es anders.» Sturny weg, Bucher weg, Mitfavorit Kurt Maag (16.) weg, WM-Schütze Olivier Schaffter (12.) weg, die Kaderathleten Marcel Ackermann (16.) und Buchers Freund Rafael Bereuter (14.) weg, der mehrfache Pistolen-Olympiateilnehmer Toni Küchler (9.) weg: Neue Namen rückten ins Zentrum. Allen voran der Zürcher Marcel Ochsner (Winterthur), der seit Jahren auf höchstem Breitensport-Niveau schiesst. Der überraschte Sieger Ochsner erhielt von Frédy Hager (Torgon) und einem in der 300-m-Szene unbekannten Jürg Ebnöther aus Gibswil-Ried Konkurrenz. Beim 22 Jahre alten Bauingenieur, der kürzlich den Bachelor-Lehrgang abgeschlossen hat und nun ein zweijähriges Praktikum beginnt, handelt es sich um einen Armbrust-Nationalkaderathleten, der bisher zweimal WM-Bronze und einen Team-EM-Titel gewann. Daneben schiesst er für Dielsdorf Kleinkaliber (50 m). Der für Riedt-Gibswil 300 m schiessende Armbrustschütze lag nach dem dramatischen Fernduell mit Ochsner, in dem die Führung immer wieder wechselte, am Ende vorne. «Für mich kommt der Titel ebenso überraschend wie für die Beobachter. Ich rechnete nicht einmal damit, die erste Runde zu überstehen.» Dass der Final kniend geschossen wurde, kam Ebnöther vom Armbrusttraining her entgegen. Die erbliche Vorbelastung Das zielsichere Gewehrschiessen liegt bei Ebnöther in der Familie: 2009 holte Vater Joseph beim Schaffhauser Kantonalen die Königskrone in der Kategorie Ordonnanz Elite Langgewehr, und Bruder Stefan siegte bei den Junioren. «Für mich ist das 300-m-Schiessen ein Ausgleich. Meine Saisonziele bleiben dieses Jahr die Armbrust-WM und 2011 die EM in der Schweiz», wollte Jürg nichts von einem Disziplinenwechsel wissen. Im Gegensatz zu den Schwingern durfte der König für fünf Jahre keinen Muni, sondern ein auf 3000 Franken geschätztes schottisches Hochlandrind namens «Ruppi» in Empfang nehmen. Obwohl die Ebnöthers zu Hause Landwirtschaft betreiben, tauschte er das Rind gegen einen Check.

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