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Der Pöstler schaut nach Oma

Im Juni können die Oetwiler den Pöstler probeweise für einen Kurzbesuch zu ihren betagten Eltern bestellen. Seniorenverbände sind mässig begeistert.

Von Mirjam Bättig-Schnorf Oetwil – Wenn der Pöstler derzeit zweimal klingelt, könnte es sich dabei um einen Test handeln: In der Briefzustellregion Uster – zu der auch Oetwil gehört – erprobt die Post diesen Monat eine neue Dienstleistung, bei der Postboten auf Auftrag bei Senioren klingeln. Angehörige können mit der Post vereinbaren, wie oft bei der betagten Person vorbeigeschaut werden soll. Viele alte Menschen würden heute allein leben und wenig soziale Kontakte pflegen, sagt Post-Pressesprecherin Nathalie Salamin «Bei unseren Besuchen können wir kontrollieren, ob die Leute die Tür öffnen.» Auch ein kurzes Gespräch liege drin. Allerdings nicht bei Kaffee und Kuchen. Der Pöstler informiert spätestens bis 14 Uhr die Auftraggeber über das Ergebnis seiner Stippvisite. Für diese Form des Kundenkontakts verlangt die Post 4.90 Franken pro Besuch. Keine Diagnose stellen Für Jürg Angst, Präsident des Vereins «Senioren für Senioren Küsnacht-Erlenbach-Zumikon», mutet die Idee seltsam an, dass man heute für etwas bezahlen soll, was einst «einfach so funktionierte». Früher habe der gleiche Pöstler die Post während 20, 30 Jahren verteilt und zu den Kunden ein Vertrauensverhältnis aufgebaut. «Heute sehen wir alle paar Wochen ein neues Gesicht.» So könne keine Beziehung entstehen. Gerade für ältere Menschen seien konstante Bezugspersonen wichtig. Rolf Krebser, Abteilungsleiter Marketing/Kommunikation bei der Pro Senectute Kanton Zürich, sieht es ähnlich: «Vor 30 Jahren kannte der Pöstler Frau Müller noch und hielt jeweils einen kurzen Schwatz mit ihr.» Krebser würde ein solches Engagement auch in der heutigen Zeit begrüssen: «Es ist positiv, wenn ältere Menschen Besuch bekommen, auch wenn dieser nur kurz dauert.»Man müsse sich allerdings bewusst sein, dass die angebotene Leistung sehr eingeschränkt sei. Und: «Ein Pöstler ist nicht befähigt, eine Diagnose zu stellen.» Dafür brauche es pflegerisch geschulte Personen. Nathalie Salamin versichert, dass die Post diesem Umstand Rechnung tragen wird: «Unsere Postboten werden nicht nach dem Gesundheitszustand fragen.» Man kenne die eigenen Kompetenzen und werde nicht über diese Grenzen hinausgehen: «Ein Postbote ist kein Arzt.» Der Schwatz mit dem Pöstler ist künftig kostenpflichtig. Foto: Keystone

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