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Den Tod des Nebenbuhlers in Kauf genommen

Mit mehreren Messerstichen hat ein Thalwiler seinen Nebenbuhler verletzt. Eine versuchte Tötung, sagt das Gericht, die Attacken hätten tödlich ausgehen können.

Von Gaby Schneider Thalwil – mit steinerner Miene nahm der bisher unbescholtene 41-jährige Thalwiler gestern das Urteil des Bezirksgerichts Horgen entgegen. Das Gericht sprach den gelernten Maurer der versuchten eventualvorsätzlichen Tötung schuldig und verhängte eine viereinhalbjährige Gefängnisstrafe. Nach den Erläuterungen des Gerichtsvorsitzenden Reto Nadig verliessen der Verurteilte und sein Anwalt das Gericht eiligst. Ob sie das Urteil anfechten wollen sagten sie nicht. Hingegen erwägt der Staatsanwalt, der zwölf Jahre Gefängnis gefordert hatte, einen Weiterzug ans Obergericht. Die Schadenersatzansprüche verwies das Gericht auf den Zivilweg, die Genugtuung setzte es auf 4000 Franken fest. Ausserdem wurden dem Verurteilten Gerichtsgebühren von 6000 Franken und Untersuchungskosten in der Höhe von 8000 Franken auferlegt. Genug Gründe für Frust Mit der gestrigen Urteilseröffnung hat das Bezirksgericht Horgen seinen zweiten «grossen» Fall abgeschlossen – erste Verhandlungen dazu fanden am 11. und 13. April statt. Derartige Strafprozesse finden gemäss neuer Prozessordnung seit 2011 nicht mehr am Geschworenengericht, sondern an Bezirksgerichten statt. In seiner Begründung rollte Gerichtspräsident Nadig die vertrackte Beziehungsgeschichte nochmals auf, die zu dieser Messerstecherei Ende Januar 2010 geführt hatte, dem Beschuldigten zugestehend, dass er sich in einer seelischen Krisensituation befunden habe. Die Lebenspartnerin hatte ihm mitgeteilt, dass sie keine Zukunft für beide sähe, wollte aber mit ihm einen Neuanfang wagen und einen Tag vor der Tat Fotos von früheren Liebhabern verbrennen. Sie erschien aber nicht zum Termin. «Grund für reichlich Frust», sagte Nadig. Als der 41-Jährige dann in der Wohnung der Frau in Thalwil auftauchte und dort nach dem Nebenbuhler suchte, suchte er die Auseinandersetzung. In der Prügelei zog er den Kürzeren, drohte mit einem Brotmesser und verliess die Wohnung, kehrte jedoch bald zurück – ziemlich geladen. Stich in Höhe des Herzens In Phase zwei des Streits ging er sofort auf seinen Konkurrenten los. «Dass er dosiert zugestochen hat, ist für das Gericht nicht glaubhaft», sagte Nadig. «Mit 2,35 Promille im Blut nimmt man ihm das nicht ab.» Wenig Eindruck machte dem Gericht auch ein Gutachten des Universitätsspitals Zürich, das von harmlosen Verletzungen des Opfers spricht. «Der Stich in den Rücken war immerhin auf der Höhe des Herzens», argumentierte das Gericht und geht in seinem Urteil davon aus, dass der Stich auf den Kopf ein gezielter war, den der Nebenbuhler mit der Hand abwehrte. «Man greift nicht ohne Grund in die Klinge.» Er habe den Nebenbuhler nicht töten, sondern nur verletzen wollen. Nur dem Glück und der heftigen Abwehr sei es zu verdanken, dass der Streit nicht tödlich endete. Er habe den Tod des Nebenbuhlers zwar nicht gewollt, doch in Kauf genommen. Sein Anwalt hatte auf schwere Körperverletzung plädiert und 18 Monate Freiheitsstrafe bedingt auf zwei Jahre beantragt. «Wir glauben an Sie» Zugunsten des Verurteilten sprach der sehr gute Eindruck, den er vor Gericht gemacht hatte, dass er arbeitsam sei und heute abstinent lebe. «Trotzdem – 4,5 Jahre Gefängnis sind die Konsequenz für eine schwere Straftat. Wir glauben an Sie, meinen, dass das ein einmaliger gravierender Ausrutscher war», sagte der Gerichtspräsident. Viereinhalb Jahre seien hart, aber absehbar.

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