Zum Hauptinhalt springen

«Das Single-Dasein hat sich vom Leit- zum Leidbild gewandelt»

2010 kamen im Spital Bülach 10,4 Prozent mehr Kinder zur Welt. Das ist weit mehr als der Landesdurchschnitt. Der Soziologe François Höpflinger sagt, warum.

Mit François Höpflinger sprach Caroline Bossert Herr Höpflinger, das Spital Bülach verzeichnete 2010 10,4 Prozent mehr Geburten. In der Schweiz stieg die Geburtenrate um 2,2 Prozent.Wie erklären Sie sich den überdurchschnittlichen Zuwachsim Unterland? Die starke Zunahme erlebt die Region unter anderem, weil mehr junge Familien aus anderen Gegenden des Kantons ins Unterland ziehen. Sei es, weil in Zentrumsgebieten des Kantons familienfreundliche Wohnungen zu teuer wurden oder weil das Unterland landschaftlich für Familien attraktiv ist. Welche Auswirkungen könnte der Babyboom auf die Region haben? Ein Babyboom bedeutet, dass sich eine Region demografisch verjüngt. Gleichzeitig werden Regionen mit vielen Kindern für junge Menschen, die eine Familie gründen möchten, attraktiv. Seit 2004 steigen in der Schweiz die Geburtenzahlen. Warum? Der Hauptgrund liegt darin, dass sich mehr junge Frauen für Kinder entscheiden und der Anteil von Frauen, die kinderlos bleiben, sinkt. Seit Ende der 1990er-Jahre haben religiöse und familiale Werte wieder eine Aufwertung erfahren. Familie ist wieder in, während das Single-Dasein sich vom Leit- zum Leidbild wandelte. In einer unsicher gewordenen Welt gewinnen Traditionen und enge soziale Beziehungen wieder an Bedeutung. Gibt es auch wirtschaftliche und politische Gründe? In der Schweiz haben mehr Teilzeitjobs und der Ausbau der Krippenplätze die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in manchen Regionen verbessert. Damit können mehr junge berufsorientierte Frauen Beruf und Kinder vereinbaren. Auch die Einführung einer Mutterschaftsversicherung hat dazu beigetragen, dass weniger Menschen ihren Kinderwunsch aus beruflichen Gründen unrealisiert lassen. François Höpflinger Der Professor für Soziologie an der Universität Zürich.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch